gms | German Medical Science

Evidenz und Entscheidung: System unter Druck
10. Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin

Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e. V.

05.03. - 07.03.2009 in Berlin

Evidenzlücke bei Evaluation der Zahnprothetik identifiziert: Wie kann dem entgegengewirkt und eine evidenzbasierte zahnärztliche Prothetik etabliert werden?

Meeting Abstract

Evidenz und Entscheidung: System unter Druck. 10. Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin. Berlin, 05.-07.03.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. Doc09ebmP4.6

DOI: 10.3205/09ebm061, URN: urn:nbn:de:0183-09ebm0610

Published: March 4, 2009

© 2009 Dintsios et al.
This is an Open Access article distributed under the terms of the Creative Commons Attribution License (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.en). You are free: to Share – to copy, distribute and transmit the work, provided the original author and source are credited.


Outline

Text

Hintergrund

Das IQWiG wurde beauftragt, für zahnprothetische Indikationen zu untersuchen, welche Arten von Zahnersatz zu einer Verbesserung der Kaufunktion führen und wie die Relevanz der Gegenbezahnung bei der Zahnprothetik einzuschätzen ist. Ziel vorliegender Untersuchung war die Überprüfung der Evidenzlevel und der Studienqualität sowie die Unterbreitung von Vorschlägen zur Verbesserung der Evidenz.

Methoden

Die systematische Literaturrecherche basierte auf CENTRAL, MEDLINE, EMBASE, ergänzend wurden deutsche Quellen einbezogen. Nach dem Literaturscreening zu den Endpunkten mundgesundheitsbezogene Lebensqualität, Funktionsdauer, Ernährung und Kaueffektivität wurden die eingeschlossenen Studien hinsichtlich ihrer biometrischen Qualität bewertet und in Evidenzlevel klassifiziert. Aufgrund der Studienlage wurde ein Vorschlagskatalog zu einem Studiendesign mit hohem Evidenzlevel in der Zahnprothetik entwickelt.

Ergebnisse

33 eingeschlossene Studien wurden klassifiziert (6 RCT, 1 prospektive kontrollierte Kohortenstudie, 7 prospektive Fallserien, 6 retrospektive Fallserien, 3 experimentelle Studien mit Prä-Post-Vergleich und 10 Querschnittsstudien). Studienqualität und Evidenzlevel waren insgesamt niedrig. Nur in 18% erfolgte eine (unklare) Randomisierung. Die biometrische Qualität litt insbesondere unter fehlenden Angaben zu Streuungsmaßen bzw. Konfidenzintervallen für Effektschätzer. Selten wurden zur Erhebung der mundgesundheitsbezogenen Lebensqualität standardisierte Instrumente eingesetzt. Für die Durchführung von Studien zur Zahnprothetik wird daher folgendes empfohlen: Randomisierung der Patienten, Split-Mouth Design falls möglich, Auswertung einer Intention-to-Treat- oder Per-Protokoll-Analyse, angemessene Erfassung von Komorbiditäten, prognostischen Risikofaktoren und Studienabbrechern sowie von spezifischen Maßen wie Kennedy-Klasse und Kavitätenbreite, Einsatz standardisierter Lebensqualitätsinstrumente, verblindete Datenauswertung, Sicherung eines homogenen Prothetikherstellungsprozesses und Finanzierung des Zahnersatzes aus Studienmitteln.

Schlussfolgerung/Implikation

Die identifizierten Studien wiesen gravierende designbedingte Mängel auf und waren von niedriger Evidenzstufe. In anderen zahnmedizinischen Subdisziplinen wie beispielsweise der Parodontologie werden Studien höherer Evidenzlevel durchgeführt. Einsetzbare Qualitätskriterien zur Studiendurchführung liegen vor und somit gibt es keine schlüssigen Gründe bei der Evaluation von zahnprothetischen Interventionen niedrigere Evidenzlevel zu akzeptieren.