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Evidenz und Entscheidung: System unter Druck
10. Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin

Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e. V.

05.03. - 07.03.2009 in Berlin

Diskordanz und Qualität von systematischen Übersichten

Meeting Abstract

  • corresponding author presenting/speaker Hilda Bastian - Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), Köln, Deutschland
  • author Martina Ehrlich - Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), Köln, Deutschland
  • author Marco Knelangen - Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), Köln, Deutschland
  • author Stefan Lange - Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), Köln, Deutschland

Evidenz und Entscheidung: System unter Druck. 10. Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin. Berlin, 05.-07.03.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. Doc09ebmV4.3

DOI: 10.3205/09ebm018, URN: urn:nbn:de:0183-09ebm0185

Published: March 4, 2009

© 2009 Bastian et al.
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Hintergrund

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) fasst pro Jahr über 100 systematische Übersichten auf seiner Website Gesundheitsinformation.de für Bürgerinnen und Bürger zusammen. Wenn zu einem Gesundheitsthema eine erste Übersicht vorliegt, wird eine Literatursuche nach weiteren Übersichten aus den letzten drei oder fünf Jahren zum gleichen Thema durchgeführt. Ergibt die Suche mehrere Übersichten, wird deren Qualität verglichen. Die Übersicht mit der besten Qualität und höchsten Relevanz für Bürgerinnen und Bürger wird für die Gesundheitsinformation ausgewählt. Welche Gründe gibt es für Diskordanz zwischen verschiedenen systematischen Übersichten zum gleichen Thema? Als Diskordanz wurden qualitativ unterschiedliche Schlussfolgerungen definiert.

Methoden

Es wurden insgesamt 91 Themen zu Interventionen analysiert, die bis Oktober 2008 für die Entwicklung von Gesundheitsinformationen ausgewählt wurden. Folgenden Daten wurden extrahiert: Anzahl “konkurrierender” Übersichten, Gründe für Auswahl/Ablehnung einer systematischen Übersicht sowie Gründe für Diskordanz.

Ergebnisse

Zu den 91 Themen gab es insgesamt 235 Übersichten: zu 35 Themen (39%) gab es nur eine und zu 56 Themen (61%) mehrere Übersichten.

Bei den Themen mit mehreren Übersichten gab es in 18 Fällen (32%) Diskordanz in den Schlussfolgerungen. Die Gründe für Diskordanz verschiedener systematischer Übersichten waren:

  • Verschiedene Einschlusskriterien (n = 10)
  • Unterschiedliche Interpretation derselben Daten (n = 3)
  • Schlussfolgerung basiert auf nicht-randomisierten Studien (n = 2)
  • Unterschiede in der methodischen Qualität (n = 2)
  • Datum der Literatursuche (n = 1)

Es gab weitere Gründe, die zur Diskordanz beitrugen, wie Interessenskonflikte oder unterschiedliche Suchstrategien (zum Beispiel Sprachlimitation).

Schlussfolgerung/Implikation

Diskordanz ist häufig, wenn zum selben Thema mehrere Übersichten vorhanden sind. In der Hälfte der Fälle lässt sich die Diskordanz mit unterschiedlichen Einschlusskriterien erklären. Die Qualität der systematischen Übersicht und das Suchdatum erklären in der Regel nicht eine Diskordanz zwischen systematischen Übersichten.