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10. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung, 18. GAA-Jahrestagung

Deutsches Netzwerk Versorgungsforschung e. V.
Gesellschaft für Arzneimittelanwendungsforschung und Arzneimittelepidemiologie e. V.

20.-22.10.2011, Köln

Teilnehmer des KKH-Allianz Innovationspreises für Früherkennung und Prävention 2011: Kinder psychisch kranker Eltern – ein familienorientiertes Interventionsprojekt zur Prävention, Früherkennung und -behandlung betroffener Kinder und dessen fortschreitende Evidenzbasierung

Meeting Abstract

  • corresponding author presenting/speaker Silke Wiegand-Grefe - Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Hamburg, Deutschland
  • author Angela Plass - Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Hamburg, Deutschland
  • author Susanne Halverscheid - Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Hamburg, Deutschland

10. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung. 18. GAA-Jahrestagung. Köln, 20.-22.10.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dkvf210

DOI: 10.3205/11dkvf210, URN: urn:nbn:de:0183-11dkvf2102

Published: October 12, 2011

© 2011 Wiegand-Grefe et al.
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Hintergrund: Das Forschungs- und Präventionsprojekt "CHIMPs" (2005–2010) ist vor dem Hintergrund des erhöhten psychiatrischen Erkrankungsrisikos von Kindern psychisch kranker Eltern entwickelt. Es verfolgt das Ziel, psychosozialen Belastungen präventiv entgegenzuwirken und Früherkennungsstrukturen zu schaffen, um psychische Auffälligkeiten dieser Kinder und Jugendlichen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Es ist an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) angesiedelt und steht in enger Kooperation mit der dortigen Klinik für Psychiatrie sowie weiteren psychiatrischen Kliniken und psychotherapeutischen Einrichtungen im Raum Hamburg.

Das Interventionsprogramm des Projektes ist versorgungsorientiert störungsübergreifend konzipiert. Es bezieht praxisnah Kinder und Jugendliche einer breiten Altersspanne ab 3 Jahren neben dem erkrankten Elternteil und dessen Partner in die Beratung ein. Es richtet sich an Familien, in denen mindestens ein minderjähriges Kind mit einem psychisch erkrankten Elternteil oder einer anderen psychisch erkrankten erwachsenen Bezugsperson lebt oder (z. B. als getrenntes leibliches Elternteil) Kontakt zu ihm hat. Es ist also auch für Alleinerziehende, Pflege-, Adoptiv- und Stieffamilien geeignet und damit repräsentativ praxisnah für diese Zielgruppe entwickelt. Der Beratungsprozess gliedert sich in Elterngespräche, Kinder Gespräche und Familiengespräche und besteht je nach Anzahl der Kinder aus ca. 10–12 Sitzungen über ca. 6 Monate bis zu einem Jahr. Einen wesentlichen Bestandteil der Beratung bilden standardisierte diagnostische Interviews, um psychische Störungen bei den Kindern, Jugendlichen und Partner der erkrankten Elternteile frühzeitig zu erkennen. Zurzeit werden weitere Evaluationsdaten ausgewertet, neben der Prä- und Postmessung stehen dafür katamnestische Daten 12 Monate nach Ablauf der Beratung, sowie eine Wartelistenkontrollgruppe zur Verfügung.

Material und Methoden: In einem ersten Projektteil wurden an einer Stichprobe psychiatrisch erkrankter Eltern die Einflüsse elterlicher und familiärer Risiko- und Resilienzfaktoren (Erkrankungsvariablen, Krankheitsbewältigung, Bindung, Familienbeziehungen, Lebensqualität, Familienfunktionalität) auf die Gesundheit und Lebensqualität der Kinder untersucht sowie eine Bedarfsanalyse aus Sicht der Eltern vorgenommen (vgl. Publikationsliste im Anhang II). Im zweiten Teil des Projektes wurde auf der Grundlage dieser Bedarfsanalyse und Arbeiten aus dem amerikanischen Sprachraum von William Beardslee und Mitarbeitern sowie eines "Modells für psychische Gesundheit der Kinder psychisch kranker Eltern" ein familienorientiertes Interventionsprogramm für Kinder mit psychisch kranken Eltern entwickelt, erprobt manualisiert und kontrolliert evaluiert (vgl. Wiegand-Grefe, Halverscheid & Plass, 2011).

Schlussfolgerung: Das Projekt legt damit erstmals in Deutschland prospektiv evaluierte Interventionsergebnisse einer manualisierten Intervention für diese Zielgruppe vor, die der medizinischen Diagnostik und Früherkennung von Auffälligkeiten betroffener Kinder konzeptuellen Raum gibt. Die Intervention wird gegenwärtig routinemäßig in der Versorgung in einer "Spezialambulanz für Kinder psychisch kranker Eltern" an der Klinik implementiert. Eine großflächigere Implementierung kann nach dem Erscheinen des Manuals im Mai 2011 (Hogrefe Verlag) erfolgen und ist beabsichtigt.