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10. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung, 18. GAA-Jahrestagung

Deutsches Netzwerk Versorgungsforschung e. V.
Gesellschaft für Arzneimittelanwendungsforschung und Arzneimittelepidemiologie e. V.

20.-22.10.2011, Köln

Steigender Beratungsbedarf bei Patienten im Gesundheitssystem – Ergebnisse des Arzneimittelberatungsdienstes in Dresden

Meeting Abstract

  • corresponding author presenting/speaker Sophie Lochner - Institut für Klinische Pharmakologie, Dresden, Deutschland
  • author Jane Schroeder - Institut für Klinische Pharmakologie, Dresden, Deutschland
  • author Lisa Goltz - Institut für Klinische Pharmakologie, Dresden, Deutschland
  • author Wilhelm Kirch - Institut für Klinische Pharmakologie, Dresden, Deutschland

10. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung. 18. GAA-Jahrestagung. Köln, 20.-22.10.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dkvf204

DOI: 10.3205/11dkvf204, URN: urn:nbn:de:0183-11dkvf2043

Published: October 12, 2011

© 2011 Lochner et al.
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Hintergrund: Der Unabhängige Arzneimittelberatungsdienst für Patienten existiert seit 2001 am Institut für Klinische Pharmakologie der Technischen Universität Dresden. Seit der Gründung des Modellverbundes Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) fungiert der Arzneimittelberatungsdienst als überregionales Angebot. Veränderungen im Gesundheitssystem spiegeln sich in Anfrageaufkommen, veränderten Anfragethematiken sowie Charakteristika der Ratsuchenden wider.

Material und Methoden: Um eine qualifizierte Beratung sicherzustellen, werden alle Daten der Ratsuchenden mit Hilfe eines standardisierten Annahmebogens schriftlich erfasst sowie anschließend nach Zustimmung des Patienten anonymisiert EDV-gestützt gespeichert. Alle Anfragen des Jahres 2007 und 2010 wurden mittels einer relationalen Datenbank hinsichtlich der Gründe für die Anfrage sowie der Merkmale des Anfragenden deskriptiv ausgewertet.

Ergebnisse: Im Jahr 2007 wurden 1.350, im Jahr 2010 2.505 Anfragen vom Arzneimittelberatungsdienst bearbeitet. Dies entspricht einem Anstieg des Anfrageaufkommens von 85,6%. Während 2007 über 1/3 der Anfragen aus Sachsen stammten (38,4%), waren 2010 neben Sachsen (17,1%) auch andere Bundesländer wie Nordrhein-Westfalen (14.6%), Bayern (11,9%) sowie Hessen (8,2%) mit Anfragen stark vertreten. Der Anteil weiblicher Anrufer ist mit 60,4% (2007) und 60,8% (2010) konstant geblieben. Das Durchschnittsalter der Ratsuchenden lag 2007 bei 66,3 Jahren. Im Jahr 2010 ist dies auf 63,5 Jahre gesunken. Besonders der Anteil der 41–60-Jährigen stieg um 5% auf 24,2%, während der Anteil Hochbetagter leicht abnahm (–4,4%). Im Jahr 2010 forderten die Ratsuchenden mehr Informationen zu Therapieoptionen (55,7% vs. 65,5%) sowie zur konkreten Arzneimitteltherapie (36,9% vs. 50,8%). Außerdem verdoppelten sich die Anfragen zu sozialrechtlichen Themen, beispielsweise zu Kosten und Erstattungsfähigkeit von Arzneimitteln (7,3% vs. 14,2%).

Schlussfolgerung: Das erhöhte Anfrageaufkommen beim Arzneimittelberatungsdienst zeigt eine gewachsene Etablierung des inzwischen in ein Regelprojekt überführten Angebots der UPD. Durch die Anfragen aus der ganzen Bundesrepublik kann ein gestiegener Bekanntheitsgrad über die regionalen Grenzen hinaus geschlussfolgert werden. Außerdem führten zahlreiche Veränderungen im Gesundheitssystem vermutlich dazu, dass Patienten vermehrt verunsichert sind und somit ein Bedarf an zusätzlichen Arzneimittelinformationen vorhanden ist. Eine bessere Aufklärung der Patienten im Gesundheitssektor, besonders bei sozialrechtlichen Veränderungen, sollte angestrebt werden.