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10. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung, 18. GAA-Jahrestagung

Deutsches Netzwerk Versorgungsforschung e. V.
Gesellschaft für Arzneimittelanwendungsforschung und Arzneimittelepidemiologie e. V.

20.-22.10.2011, Köln

Rückfallprophylaxe via Videokonferenz nach stationärer Therapie bei Anorexia nervosa – eine Pilotstudie

Meeting Abstract

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10. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung. 18. GAA-Jahrestagung. Köln, 20.-22.10.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dkvf193

DOI: 10.3205/11dkvf193, URN: urn:nbn:de:0183-11dkvf1932

Published: October 12, 2011

© 2011 Giel et al.
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Hintergrund: Die Essstörung Anorexia nervosa (AN) betrifft fast ausschließlich Frauen im Jugend- und frühen Erwachsenenalter. Sie ist durch substanzielles selbst-induziertes Untergewicht gekennzeichnet (Body Mass Index BMI ≤ 17.5 kg/m²) und mit erheblicher Morbidität und Mortalität verbunden.

Etwa die Hälfte aller AN-Patientinnen, die sich in Behandlung begeben, erhalten eine stationäre Therapie, die meist erfolgreich verläuft mit Blick auf eine initiale Gewichtszunahme. Allerdings erleiden 30 bis 50% der Patientinnen im ersten Jahr nach Entlassung einen Rückfall. Die Daten von Kaplan et al. [1] untermauern, dass es im Anschluss an eine stationäre Therapie darauf ankommt, eine erneute Gewichtsabnahme frühzeitig zu vermeiden, um ein langfristig erfolgreiches Halten des Gewichtes zu erreichen. Eine ambulante psychotherapeutische Weiterversorgung für Patientinnen wird regelhaft angestrebt, könnte Rückfallprophylaxe leisten und wäre Teil eines integrativen Gesamtbehandlungsplans für die AN, der aufgrund des erfahrungsgemäß langwierigen Störungsverlaufs der AN seit Langem gefordert wird [2]. Die allgemeine Trennung zwischen ambulanter und stationärer psychotherapeutischer Versorgung in Deutschland erschwert jedoch die Umsetzung eines solchen Gesamtbehandlungsplans. Die Erfahrung zeigt, dass Patientinnen große Schwierigkeiten haben, überhaupt einen ambulanten Psychotherapieplatz im Anschluss an eine stationäre Therapie zu finden und häufig lange Wartezeiten in Kauf nehmen müssen.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass zu den hohen Rückfallraten bei AN Patientinnen nach stationärer Behandlung vermutlich teilweise auch die Rahmenbedingungen des deutschen Gesundheitsversorgungssystems beitragen, die den Übergang von einem intensiven Behandlungssetting in eine weniger intensive Nachsorge noch nicht zufriedenstellend ermöglichen.

Material und Methoden: Das geplante Forschungsprojekt macht das Angebot einer strukturierten Intervention zur Rückfallprophylaxe für erwachsene AN Patientinnen direkt im Anschluss an eine stationäre oder teilstationäre Behandlung. Geplant ist zunächst eien Pilotstudie zur Überprüfung der Machbarkeit und Akzeptanz der Intervention. Zentrales Einschlusskriterium für Patientinnen ist die erfolgreiche initiale Behandlung bzw. Gewichtszunahme. Die Intervention besteht in einer Rückfallprophylaxe, die inhaltlich an der kognitiven Verhaltenstherapie orientiert ist und umfasst 14 Therapiesitzungen über 4 Monate. Die Intervention wird über ein Videokonferenzsystem durchgeführt. Der Einsatz von Videokonferenzen ist in besonderer Weise in der Lage, das oben ausgeführte Problem in der Versorgung von AN Patientinnen zu adressieren: Es gibt nur wenige Zentren in Deutschland, die auf die Behandlung von Essstörungen spezialisiert sind. Diese behandeln daher Patientinnen aus einem weiten Einzugsgebiet. In dieser Konstellation erlauben Videokonferenzen, Kontinuität in der Versorgung von AN Patientinnen zu etablieren und einen Brückenschlag zu schaffen zwischen stationärer und ambulanter Behandlung.

Die Pilotstudie soll in Vorbereitung auf eine größer angelegte multizentrische kontrollierte Studie folgende Punkte klären:

  • Aspekte der technischen Umsetzbarkeit der Videokonferenztechnologie
  • die Akzeptanz von Psychotherapie via Videokonferenz bei Patientinnen und Therapeuten
  • Trends bezüglich der Rückfallrate und der Überführung in ambulante Psychotherapie der Patientinnen

Literatur

1.
Kaplan AS, Walsh TB, Olmsted M, Attia E, Carter JC, Devlin MJ, Pike KM, Woodside B, Rockert W, Roberto CA, Parides M. The slippery slope: prediction of successful weight maintenance in anorexia nervosa. Psychol Med. 2008;10:1-9.
2.
Herzog W, Nikendei C, Friederich HC, Zipfel S. Der Gesamtbehandlungsplan. In: W Herzog, D Munz, H Kächele, eds. Essstörungen,Therapieführer und psychodynamische Behandlungskonzepte. Stuttgart: Schattauer; 2004.