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10. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung, 18. GAA-Jahrestagung

Deutsches Netzwerk Versorgungsforschung e. V.
Gesellschaft für Arzneimittelanwendungsforschung und Arzneimittelepidemiologie e. V.

20.-22.10.2011, Köln

Regionale Besonderheiten – Möglichkeiten der Berücksichtigung regional verteilter Risikoindikatoren in morbiditätsorientierten Versichertenklassifikationssystemen?

Meeting Abstract

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10. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung. 18. GAA-Jahrestagung. Köln, 20.-22.10.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dkvf188

DOI: 10.3205/11dkvf188, URN: urn:nbn:de:0183-11dkvf1886

Published: October 12, 2011

© 2011 von Stillfried et al.
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Hintergrund: Die Schließung der City BKK und die schleppende Aufnahme ihrer Versicherten durch andere Krankenkassen wirft die Frage nach der Bedeutung regionaler Besonderheiten der Versorgungs- und Versichertenstruktur als Ausgleichskriterium risikoadjustierter Finanzierungssysteme auf.

Dabei ist die Frage zu beantworten, ob Unterschiede in den Angebots- und/oder Versichertenstrukturen zu systematischen Unterschieden in der Versorgungsintensität führen.

Eine regionalisierte Analyse der nach Standardisierung für Alters-, Geschlechts- und Morbiditätsunterschiede nicht erklärten Varianz des Behandlungsbedarfs je Patient zeigt, dass die ergänzende Berücksichtigung weiterer Indikatoren die Schätzgenauigkeit auf regionaler Ebene verbessern kann.

Material und Methoden: Mittels des vom Institut des Bewertungsausschuss veröffentlichten Versichertenklassifikationssystems wird der erwartete Behandlungsbedarf je Kreis für die Jahre 2007 und 2008 berechnet. Die erklärenden Variablen (Alter, Geschlecht, Morbidität) werden ergänzt um eine wohnortbezogene Risikovariable. Deren Ausprägung wird in zehn Ausprägungen in die Regressionsrechnung aufgenommen. Diese werden anhand öffentlich auf Kreisebene verfügbarer Indikatoren zur Versichertenstruktur, wie z.B. Arbeitslosenquote, Anteil Pflegebedürftiger, Anteil Einpersonenhaushalte, durchschnittliches Haushaltseinkommen oder angebotsseitiger Kriterien wie z.B. der Arztdichte gebildet. .Es werden zwei verschiedene Methoden der Bildung der Variable Wohnort verglichen (Cluster-Verfahren; Residuenanalyse). Die erwarteten Behandlungsbedarfe (vor und nach Ergänzung um die Variable Wohnort) werden mit dem tatsächlich angeforderten Behandlungsbedarf verglichen.

Ergebnisse: Für die Variable Wohnort ergeben sich signifikante Kostengewichte. Durch die Berücksichtigung dieser Variablen werden insbesondere die Kostengewichte der Alters- und Geschlechtsgruppen regionsspezifisch modifiziert. Die Differenz zwischen erwartetem und tatsächlichem Behandlungsbedarf reduziert sich auf Kreisebene um bis zu 30%. Fasst man die Ergebnisse aller Kreise nach den 9 Kreistypen des Bundesinstituts für Bau- Stadt und Raumplanung (BBSR) zusammen, zeigt sich, dass die Ergebnisse insbesondere in dichter besiedelten Kreisen verbessert werden.

Den größten Beitrag zur Verbesserung der Schätzgenauigkeit auf Kreisebene leistet die Variable Wohnort, die mittels des Cluster-Verfahrens nach Merkmalen der Versichertenstruktur differenziert. Nahezu gleichrangig ist die Erklärungskraft des Variable Wohnort, die nach der Residuenanalyse differenziert. Im Rahmen der Residuenanalyse bleiben nachfrage- und angebotsseitige Variablen signifikant.

Schlussfolgerung: Durch wohnortbezogene Indikatoren (u.a.: Arbeitslosenquote, Anteil Einpersonenhaushalte, Anteil Pflegebedürftiger, durchschnittliches Haushaltseinkommen, Facharzt- und Hausarztdichte, Krankenhausbettendichte) können regionale Besonderheiten des Versorgungsbedarfs besser abgebildet werden. Keiner dieser Faktoren ist durch einzelne Anbieter oder Kostenträger zu beeinflussen und insofern ein Risikostrukturelement. Ein Verzicht auf diese Indikatoren kann zu ungerechtfertigten Verwerfungen und Selektionsstrategien führen. In den Niederlanden erfolgt daher der Finanzausgleich zwischen den Krankenkassen unter Einbezug solcher Ausgleichskriterien.