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10. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung, 18. GAA-Jahrestagung

Deutsches Netzwerk Versorgungsforschung e. V.
Gesellschaft für Arzneimittelanwendungsforschung und Arzneimittelepidemiologie e. V.

20.-22.10.2011, Köln

Geschlechts- und altersspezifische Evaluation einer evidenzbasierten Patienteninformation zu Blutzuckertest und Primärprävention des Diabetes mellitus Typ 2: randomisiert-kontrollierte Studie

Meeting Abstract

10. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung. 18. GAA-Jahrestagung. Köln, 20.-22.10.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dkvf099

DOI: 10.3205/11dkvf099, URN: urn:nbn:de:0183-11dkvf0995

Published: October 12, 2011

© 2011 Genz et al.
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Hintergrund: Ziel der Studie war, den Effekt evidenzbasierter Online-Patienteninformation (EBPI) mit Standard-Patienteninformationen zum Thema grenzwertig erhöhte Blutzuckerwerte und Primärprävention des Diabetes auf informierte Patientenentscheidungen gesamt, sowie alters- und geschlechtsstratifiziert zu vergleichen.

Material und Methoden: Besucher der Internetseiten der kooperierenden Krankenversicherung, Techniker Krankenkasse (TK) und des Deutschen Diabetes Zentrum (DDZ) wurden eingeladen, an einer web-basierten randomisiert-kontrollierten Studie (RCT) teilzunehmen. Die Population nach Randomisation bestand aus 1120 Individuen zwischen 40 und 70 Jahren ohne bekannten Diabetes. Die Interventionsgruppe erhielt die EBPI, die Kontrollgruppe die Standard-Patienteninformationen aus dem Internet. Endpunkte waren (I) Wissen zum Thema grenzwertig erhöhte Blutzuckerwerte (primärer Endpunkt), (II) Einstellung gegenüber Stoffwechseltests, (III) Absicht, sich einem Stoffwechseltest zu unterziehen, (IV) Entscheidungskonflikt, (V) Zufriedenheit mit der Information. Es erfolgten stratifizierte Analysen und multiple Regressionen.

Ergebnisse: In der Gesamtgruppe fand sich ein signifikant größerer Wissenszuwachs in der Interventionsgruppe (n=1120).

In den Regressionsanalysen konnten als signifikante Einflussfaktoren auf „gutes Wissen“ versus „mittleres/schlechtes Wissen“ das Wissen vor Intervention, Geschlecht, Alter und Blutfettwerte identifiziert werden (n=786). Letztere Variable stand in den geschlechtsstratifizierten Analysen in keinem Zusammenhang mit dem Wissen. In der altersstratifizierten Analyse hatte in der jüngeren Gruppe lediglich das Wissen vor Intervention einen Einfluss auf Unterschiede im Wissen. Die sekundären Outcomes der Teilnehmer, welche auch am 2-Wochen Follow-up teilnahmen, ergaben folgendes Bild (n=466): In der Interventionsgruppe waren die Werte der Decision Conflict Scale und ihrer Teilskalen sowohl alters- als auch geschlechtsstratifiziert signifikant größer als in der Kontrollgruppe, was einen größeren Entscheidungskonflikt bedeutet. Frauen, die die EBPI erhielten, hatten eine signifikant kritischere Einstellung und äußerten eine signifikant geringere Absicht sich einem Stoffwechseltest zu unterziehen. Bei den Männern konnte kein signifikanter Einfluss der Intervention auf Einstellung und Absicht beobachtet werden. Die Auswertung der Teilskalen zur Einstellung gegenüber einem Stoffwechseltest ergab in den zwei Altersstrata ein uneinheitliches Bild. Lediglich in der jüngeren Altersgruppe beobachteten wir eine signifikant verminderte Absicht sich einem Stoffwechseltest zu unterziehen. Frauen waren mit der Standardinformation im Vergleich zur EBPI signifikant zufriedener. Männer zeigten keinen signifikanten Unterschied. Auch altersstratifiziert fand sich kein signifikanter Unterschied.

Schlussfolgerung: EBPI erhöhte signifikant das Wissen zum Thema grenzwertig erhöhte Blutzuckerspiegel, allerdings auch den Entscheidungskonflikt in beiden Geschlechtern und beiden Altersgruppen. Bei den Frauen wurde eine kritische Einstellung gegenüber einem Screening gefördert, resultierend in einer verminderten Absicht, sich einem Stoffwechseltest zu unterziehen. Eine Abnahme der Intention trat auch in der jüngeren Altersgruppe auf.


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