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10. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung, 18. GAA-Jahrestagung

Deutsches Netzwerk Versorgungsforschung e. V.
Gesellschaft für Arzneimittelanwendungsforschung und Arzneimittelepidemiologie e. V.

20.-22.10.2011, Köln

Einflussfaktoren der Akzeptanz eines Patientenfragebogens zur Lebensqualität

Meeting Abstract

10. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung. 18. GAA-Jahrestagung. Köln, 20.-22.10.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dkvf075

DOI: 10.3205/11dkvf075, URN: urn:nbn:de:0183-11dkvf0751

Published: October 12, 2011

© 2011 Schulz et al.
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Hintergrund: Bisher haben nur wenige Studien die patientenseitige Akzeptanz von Fragebogen im Rahmen der Forschung zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität (gLQ) untersucht [1]. Dabei konnten jedoch keine spezifischen Einflussfaktoren auf die Akzeptanz der verwendeten Instrumente gefunden werden. Die Akzeptanz eines solchen exemplarischen Fragebogens [2] soll in der vorliegenden Arbeit betrachtet und mögliche Faktoren zu ihrer Vorhersage gefunden werden. Die Ergebnisse stammen aus dem BMBF geförderten Projekt „Patientenorientierte Veränderungsmessung (POEM)“.

Material und Methoden: N=336 Patienten mit chronisch-ischämischer Herzkrankheit (Kardiologie), N=193 Patienten mit chronischen Rückenschmerzen (MSK) und N=319 Patientinnen mit Brustkrebs (Onkologie) wurden zu Reha-Beginn (t0) und Reha-Ende (t1) befragt. Neben soziodemographischen Variablen (Alter, Geschlecht, höchster Schulabschluss), wurden die Verständlichkeit des Fragebogens, die generische gLQ (SF-12), sowie die indikationsspezifische gLQ [Kardiologie: MacNew, Seattle Angina Questionnaire (SAQ); MSK: Fragebogen zur Erfassung schmerzbezogenen Verhaltens (FESV), Oswestry Disability Index (ODI); Onkologie: Fragebogen zur Belastung von Krebskranken (FBK-R23), Functional Assessment of Cancer Therapy (FACT-B)] erfasst. Zudem wurden die Patientenzufriedenheit, das Vertrauen in den Arzt (VIA), die Einbeziehung des Patienten in die Behandlung (PICS) sowie Persönlichkeitsvariablen mit Hilfe etablierter Fragebogen gemessen (Kardiologie: STAXI-Ärgerdispositionsskala, MMPI-2 Zynismusskala, MSK: Fear-Avoidance Beliefs Questionnaire (FABQ), Onkologie: Life Orientation Test (LOT-R)).

Zunächst wurde eine einfache Imputation fehlender Werte mit Hilfe eines EM-Algorithmus (NORM) durchgeführt. Zur Vorhersage der AV (Akzeptanz: 0=gering; 1=hoch) wurde eine logistische Regression mit Rückwärts-Selektion berechnet. In die Analysen gingen alle Variablen, die Korrelationen von p≤.2 mit der AV aufwiesen, ein.

Ergebnisse: Kardiologie: Hohe Werte in Verständlichkeit (t0: beta=21.819; t1: beta=2.724), MMPI-2 Zynismusskala (t0: beta=0.113; t1: beta=.120), der Patientenzufriedenheit mit der Pflege (t1: beta=.941) und der MacNew physische Skala (t1: beta=.280) sind mit höherer Akzeptanz assoziiert. Nagelkerkes R² betrug zu t0 R²=.118 und zu t1 R²=.280.

MSK: Für t0 ergibt sich ein Nagelkerkes R²=.212. Die Variablen Verständlichkeit (beta=21.501) und SF-12 psychische Subskala (beta=-.052) wurden in das Regressionsmodell aufgenommen. Zu t1 gingen die Variablen Verständlichkeit (beta=1.170), Patientenaktiverung durch Ärzte (PICS) (beta=.538) und die Skala Ruhe- und Entspannungstechniken des FESV (beta=.103) bei einem R²=.176 in das Modell ein.

Onkologie: Zu t0 diente die Subskala Brustkrebs des FACT als Prädiktor (beta=.41), bei Nagelkerkes R²=.018. Hohe Werte der Skalen Angst (beta=.451) und Soziale Belastungen (beta=.508) des FBK R23 und des FACT-B Gesamtscore (beta=.117) gingen zu t1 mit hoher Akzeptanz einher. Der LOT Pessimismuswert zeigt einen negativen Zusammenhang (beta=-.842), Nagelkerkes R²=.595.

Schlussfolgerung: Die Verständlichkeit scheint eine wichtige Rolle für die Akzeptanz zu spielen, was auf die Bedeutung der Verständlichkeitsprüfung beim Einsatz von Fragebogen der gLQ verweist. Ferner sind Aspekte des Gesundheitsstatus und Persönlichkeitsmerkmale von Bedeutung; zum Zeitpunkt Reha-Ende zudem Aspekte der Patient-Behandler-Beziehung. In der Onkologie besitzen die krankheitsbedingten Belastungen eine besondere Relevanz.


Literatur

1.
Singer S, Kuhnt S, Momenghalibaf A, Stuhr C, Dimmel-Hennersdorf, Köhler U, Einenkel J. Patients’ acceptance and psychometric properties of the EORTC QLQ-CX24 after surgery. Gynecologic Oncology. 2010; 116:82-87.
2.
Nagl M, Farin E. Die Entwicklung eines Instruments zur Erfassung der Teilhabe-Relevanz von Rehabilitations-Effekten: Retest-Reliabilität und deskriptive Ergebnisse. Rehabilitation. (im Druck).