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10. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung, 18. GAA-Jahrestagung

Deutsches Netzwerk Versorgungsforschung e. V.
Gesellschaft für Arzneimittelanwendungsforschung und Arzneimittelepidemiologie e. V.

20.-22.10.2011, Köln

Ausstattungsmerkmale von Kliniken und ihr Einfluss auf die akutstationäre Liegezeit von Patienten mit Hirninfarkt

Meeting Abstract

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  • corresponding author presenting/speaker Michael Unrath - Institut für Epidemiologie und Sozialmedizin, Universität Münster, Münster, Deutschland
  • Marianne Kalic - Institut für Epidemiologie und Sozialmedizin, Universität Münster, Münster, Deutschland
  • Klaus Berger - Institut für Epidemiologie und Sozialmedizin, Universität Münster, Münster, Deutschland

10. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung. 18. GAA-Jahrestagung. Köln, 20.-22.10.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dkvf023

DOI: 10.3205/11dkvf023, URN: urn:nbn:de:0183-11dkvf0231

Published: October 12, 2011

© 2011 Unrath et al.
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Hintergrund: Die akutstationäre Liegezeit ist eine zentrale Größe in der Behandlung des ischämischen Hirninfarkts (ICD I63). Sie bestimmt zu einem wesentlichen Anteil die Behandlungskosten [1], [2], [3] und ist eine der möglichen Stellschrauben, um die Schlaganfallbehandlung kosteneffizient zu gestalten. Bereits in früheren Arbeiten aus Deutschland konnte der Einfluss von Ausstattungsmerkmalen der Krankenhäuser auf die Liegezeit gezeigt werden [4], [5]. Darüber hinaus haben eine Reihe nationaler und internationaler Studien Einflüsse von Variablen auf Patientenebene demonstriert. In den letzten Jahren sind allerdings wesentliche Veränderungen sowohl im Gesundheitswesen als auch speziell in der Schlaganfallbehandlung eingeführt worden. Ziel der vorliegenden Analyse war es daher, den Einfluss von Ausstattungsmerkmalen für verschiedene Kliniktypen an Hand eines großen und aktuellen Datensatzes erneut zu untersuchen.

Material und Methoden: Es wurden 175049 in den Jahren 2000 bis 2009 behandelte ischämische Hirninfarkte aus zehn deutschen Bundesländern einbezogen, die im Schlaganfallregister „Qualitätssicherung Schlaganfall Nordwestdeutschland“ erfasst worden waren. Die Datenerhebung erfolgte anhand anonymisierter Papierbögen oder in elektronischer Form über ein spezielles Modul, das von allen gängigen Krankenhausinformationssystemen (KIS) angeboten wird. Zusätzlich zur Dokumentation der Schlaganfallbehandlung wurden Ausstattungsmerkmale der Kliniken anhand von Fragebögen erfasst. Die logarithmierte Liegezeit wurde in multiplen linearen Regressionsanalysen stratifiziert nach Fachrichtung (Neurologie vs. Innere Medizin) analysiert.

Ergebnisse: Es zeigte sich eine Abnahme der medianen Liegezeit über die Jahre 2000 bis 2009. Diese war für internistische Abteilungen deutlicher ausgeprägt (von 16 auf 10 Tage) als für neurologische Abteilungen (von 12 auf 9 Tage).

In den Regressionsanalysen bestanden zwischen neurologischen und internistischen Abteilungen deutliche Unterschiede beim Einfluss einzelner Ausstattungsmerkmale. Wurden nur Variablen auf Klinikebene berücksichtigt, war der Anteil erklärter Varianz für internistische Abteilungen deutlich höher als für neurologische.

Zusätzliche Adjustierung auf Fallebene ergab in beiden Modellen negative Assoziationen mit der Liegezeit für die durchschnittliche jährliche Fallzahl und die Arztdichte, während das Vorhandensein einer eigenen Intensivstation mit einer Verlängerung der Liegezeit verbunden war. Das Vorhandensein einer Stroke Unit war in neurologischen Abteilungen negativ mit der Liegezeit assoziiert, in internistischen Abteilungen das Vorhandensein einer Frührehabilitationseinrichtung.

Schlussfolgerung: Die analyisierten Ausstattungsmerkmale hatten stärkere Assoziationen mit der Liegezeit in internistischen Abteilungen als in neurologischen Fachabteilungen. Die Ergebnisse legen nahe, dass über eine Optimierung von Ausstattungsmerkmalen die Liegezeit nach ischämischem Hirninfarkt günstig beeinflusst werden kann.


Literatur

1.
Wei JW, Heeley EL, Jan S, Huang Y, Huang Q, Wang JG, Cheng Y, Xu E, Yang Q, Anderson CS. Variations and determinants of hospital costs for acute stroke in China. PLoS One. 2010;5(9).
2.
Winter Y, Wolfram C, Schaeg M, Reese JP, Oertel WH, Dodel R, Back T. Evaluation of costs and outcome in cardioembolic stroke or TIA. J Neurol. 2009 Jun;256(6):954-63.
3.
Yoneda Y, Okuda S, Hamada R, Toyota A, Gotoh J, Watanabe M, Okada Y, Ikeda K, Ibayashi S, Hasegawa Y. Hospital cost of ischemic stroke and intracerebral hemorrhage in Japanese stroke centers. Health Policy. 2005 Aug;73(2):202-11.
4.
Heuschmann PU, Kolominsky-Rabas PL, Misselwitz B, Hermanek P, Leffmann C, Von Reutern GM, Lachenmayer L, Bucker-Nott HJ, Berger K. [Factors influencing duration of hospitalization after stroke in Germany]. Dtsch Med Wochenschr. 2004 Feb 13;129(7):299-304.
5.
Schmidt WP, Berger K, Taeger D, Lay M, Bucker-Nott HJ, Kolominsky-Rabas P. [Influence of institutional factors in neurological, medical and geriatric departments on length of stay in patients with stroke]. Dtsch Med Wochenschr. 2003 May 2;128(18):979-83.