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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU 2012)

23.10. - 26.10.2012, Berlin

Arteria spinalis anterior Syndrom – reversible Paraplegie nach minimalinvasivem Wirbelsäuleneingriff

Meeting Abstract

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  • presenting/speaker Katharina Keller - Uniklinik Köln, Uniklinik Köln, Klinik und Poliklinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Köln, Germany
  • Jan Siewe - Uniklinik Köln, Uniklinik Köln, Klinik und Poliklinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Köln, Germany
  • Peer Eysel - Uniklinik Köln, Uniklinik Köln, Klinik und Poliklinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Köln, Germany
  • Rolf Sobottke - Uniklinik Köln, Uniklinik Köln, Klinik und Poliklinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Köln, Germany

Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU 2012). Berlin, 23.-26.10.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. DocPO17-1037

DOI: 10.3205/12dkou611, URN: urn:nbn:de:0183-12dkou6110

Published: October 2, 2012

© 2012 Keller et al.
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Fragestellung: Die Arteria radicularis magna (A. Adamkiewicz) ist die größte segmentale anteriore rückenmarkversorgende Arterie. Typischerweise entspringt sie aus der Aorta abdominalis auf Höhe des BWK 9–12. Bei Läsionen, Obstruktionen oder Infarkten dieser Arterie (meist z.B. durch eine Dissektion oder Atherosklerose) kann ein Arteria spinalis anterior- Syndrom die Folge sein, einhergehend mit Blasen- und Mastdarmkontrollverlust und herabgesetzter Motorik der unteren Extremitäten; die Sensibilität ist häufig noch erhalten. Das Syndrom wurde bislang nach minimalinvasiven Prozeduren an der Wirbelsäule nicht beschrieben.

Methodik: Vorgestellt wird die Kasuistik einer 75-jährigen Patientin, welche über seit 6 Wochen bestehende therapieresistente Lumbago nach Verhebetrauma klagte. Es zeigte sich im MRT das Bild einer frischen Sinterungsfraktur von LWK 1. Zusätzlich waren bei der Patientin eine arterielle Hypertonie, Herzinsuffizienz NYHA II, chronisches Vorhofflimmern, kompensierte Niereninsuffizienz, Adipositas, und ein IDDM II bekannt.

Ergebnisse und Schlussfolgerungen: Ergebnisse:

Es wurde bei o.g. Patientin in Bauchlagerung eine Probeentnahme und Ballonkyphoplastie von LWK 1 durchgeführt, welche intraoperativ komplikationslos verlief. Postoperativ zeigte die Patientin eine rein motorische Paraplegie der unteren Extremitäten ohne sensibles Defizit. Eine sofort durchgeführte MRT-Untersuchung konnte mögliche Ursachen wie Zementfehllage, ein intraspinales Hämatom, falsche Pedikulierung, eine intraspinale Enge, sowie ein Myelopathiesignal ausschließen. Der neurologische Konsiliarius stellte klinisch die Diagnose eines Arteria spinalis anterior Syndromes. Die Paraplegie zeigte sich bis zum Abend des Operationstages (nach 6h) nach Gabe von 15.000IE niedermolekularem Heparin vollkommen regredient, so dass die Patientin bereits am nächsten Tag voll mobilisiert werden konnte.

Schlussfolgerungen: Nach operativen Eingriffen an der Wirbelsäule kann es zu neurologischen Defiziten kommen, diese können – wie im vorliegenden Fall beobachtet – reversibel sein. Bedingt durch die Bauchlagerung während der Operation kann es zur intraabdominellen Druckerhöhung und somit zur Kompression von Organen und Gefäßen kommen. Auch eine Thrombembolie kann Ursache des Arteria spinalis anterior Syndromes sein. Hier ist als Pathomechanismus das Prinzip der letzten Wiese zu postulieren. Daher muss auch bei minimalinvasiven Eingriffen an der Wirbelsäule eine optimale Vorbereitung der Patienten zur Vermeidung von thrombembolischen Ereignissen der Prozedur vorausgehen. Bei Eintreten eines A. spinalis anterior Syndromes sollte, wenn möglich, eine Heparingabe mit konsekutiver Vollheparinisierung erfolgen.