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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU 2012)

23.10. - 26.10.2012, Berlin

Behandlung der Spondylodiszitis bei HIV-Infektion

Meeting Abstract

  • presenting/speaker Jan Siewe - Universitätsklinikum Köln, Klinik und Poliklinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Köln, Germany
  • Kourosh Zarghooni - Uniklinik Köln, Orthopädie und Unfallchirurgie, Köln, Germany
  • Janne Vehreschild - Universitätsklinikum Köln, Köln, Germany
  • Annika Sayar - Uniklinik Köln, Orthopädie und Unfallchirurgie, Köln, Germany
  • Peter Knöll - Uniklinik Köln, Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Köln, Germany
  • Peer Eysel - Klinikum der Universität zu Köln, Klinik und Poliklinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Köln, Germany
  • Rolf Sobottke - Klinikum der Universität zu Köln, Klinik und Poliklinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Köln, Germany

Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU 2012). Berlin, 23.-26.10.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. DocPO17-1593

DOI: 10.3205/12dkou607, URN: urn:nbn:de:0183-12dkou6073

Published: October 2, 2012

© 2012 Siewe et al.
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Text

Fragestellung: Eine Mortalität bei muskuloskelettalen Infektionen bei HIV positiven Patienten von 20% wird postuliert. Eine häufige Manifestation im Bereich des Bewegungsapparates sind Infektionen der Wirbelsäule. Das schwere Krankheitsbild der Spondylodiszitis scheint bei HIV-positiven Menschen signifikant häufiger vorzukommen.

Bei der chirurgischen Behandlung dieser Patienten fürchten Operateure oftmals Komplikationen wie Wundinfektion und verzögerte Wundheilung. Angaben in der Literatur zu diesen Themen stellen sich inkonsistent dar.

Methodik: Das der Studie zugrunde liegende Register ist für Kliniken weltweit über einen Webbrowser zugänglich. Das Register ist ein Projekt im Rahmen des BMBF-geförderten Chirurgischen Netzwerkes (CHIR-Net, BMBF 01GH1001E). Die Patientendaten werden anonymisiert, bevorzugt prospektiv, dokumentiert.

Das englischsprachige Register wurde in einer interdisziplinären Arbeitsgruppe mit Wirbelsäulenchirurgen, Mikrobiologen und Infektiologen entwickelt. Die Krankheitsfälle werden im Register unter folgenden Kapiteln dokumentiert:

1.
Identifikation des Zentrums,
2.
Opportunistische Infektionen,
3.
Antivirale Therapie,
4.
CDC Status,
5.
Diagnosen,
6.
Radiologie,
7.
Symptome,
8.
Labor,
9.
Mikrobiologie,
10.
Therapie,
11.
Komplikationen,
12.
Outcome,
13.
Bemerkungen.

Unter der Rubrik Therapie wird in den Fragen insbesondere auf die antibiotische und die operative Intervention eingegangen.

Ergebnisse und Schlussfolgerungen: 31 Patienten konnten bisher eingeschlossen werden. Das durchschnittliche Alter der Patienten betrug 45 Jahre. Bei Aufnahme waren 55% der Patienten im CDC Stadium C3. Der CD4 T-Zell-Status betrug durchschnittlich 210.4/L. Bei Auftreten der Spondylodiszitis war die HIV-Erkrankung durchschnittlich 8.1 Jahre bekannt. Paravertebrale Abszesse konnten in 78%, epidurale Abszesse in 40% und Psoasabszesse in 15,1% beobachtet werden. Insgesamt konnte in 78% der Fälle ein Keimnachweis erfolgen. In 5 Fällen waren Mischinfektionen nachweisbar. 55% der Patienten erhielten eine operative Intervention. Wundheilungsstörungen oder -infektionen wurden nicht beobachtet. Ein Patient starb während des Krankenhausaufenthaltes. 3 Patienten starben nach Entlassung im weiteren Verlauf.

Das Auftreten von Spondylodiszitis bei HIV-positiven Patienten ist begleitet von einer hohen Mortalität. Wir fanden eine Letalität im Krankenhaus von 3,2% und eine Gesamtmortalität von 12,9%. Das Auftreten von Spondylodiszitis bei HIV-positiven Patienten ist assoziiert mit einem niedrigen CD4 T-Zell-Status. Die Wahrscheinlichkeit einer gemischten Infektion steigt mit einem CD4 T-Zell Status von unter 100/L. Da eine erhöhte Morbidität durch chirurgische Intervention nicht zu erwarten ist, sollte eine HIV-Infektion oder AIDS kein Hindernis für eine operative Stabilisierung von betroffenen Wirbelsäulensegmenten sein. HIV-Infektion oder AIDS sollten nicht die Entscheidung beeinflussen, ob ein konservatives oder operatives Therapieregime verfolgt wird.