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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU 2012)

23.10. - 26.10.2012, Berlin

Verletzungen und Überlastungsschäden beim Rhönradturnen

Meeting Abstract

  • presenting/speaker Max D. Kauther - Universitätsklinikum Essen, Klinik für Unfallchirurgie, Essen, Germany
  • Silvia Rummel - Universitätsklinikum Essen, Klinik für Unfallchirurgie, Essen, Germany
  • Manuel Burggraf - Universitätsklinikum Essen, Klinik für Unfallchirurgie, Essen, Germany
  • Sven Lendemans - Universitätsklinikum Essen, Westdeutsches Tumorzentrum, Klinik f. Unfall- und muskuloskelettale Tumorchirurgie, Essen, Germany
  • Christian Waydhas - Universitätsklinikum Essen, Klinik für Unfallchirurgie, Essen, Germany
  • Christian Wedemeyer - Uniklinikum Essen, Klinik für Orthopädie, Essen, Germany

Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU 2012). Berlin, 23.-26.10.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. DocWI53-556

DOI: 10.3205/12dkou306, URN: urn:nbn:de:0183-12dkou3067

Published: October 2, 2012

© 2012 Kauther et al.
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Fragestellung: Seit 1911 wird Rhönradturnen weltweit als nationaler und internationaler Wettkampfsport betrieben. Beim Rhönradturnen wird in und auf einem bis zu 230 cm hohen und bis 50 kg schwerem Rad ohne Mattensicherung auf hartem Boden geturnt. Zu rhönradspezifischen Verletzungen sind keine Daten in der medizinischen Literatur beschrieben. Ziel der Studie war die Erfassung von sportartspezifischen Verletzungsmustern im Amateur- und Profi-Rhönradsport.

Methodik: 491 Rhönradturner wurden retrospektiv mittels eines 6-seitigen Fragebogen zu Trainingsgewohnheiten, Arztbesuchen, Verletzungen und Überlastungsschäden befragt. Zur statistischen Auswertung wurden Vierfeldertafel, Mann-Whitney U, Wilcoxon W, Pearson Correlation und ANOVA-Test angewandt.

Ergebnisse und Schlussfolgerungen: Das untersuchte Kollektiv unterteilte sich in 51 Weltmeisterschaftsteilnehmer, 149 Bundesklassenathleten und 291 Amateure. 436 (88.8%) Turner waren weiblich. Von den 55 männlichen Turnern waren 22 WM Teilnehmer, 10 Bundesklasseturner und 23 Amateure. Das durchschnittliche Alter der Turner lag bei 18,4 Jahren. 95,3% der Sportler wurden von einem Trainer betreut. 5 WM-Teilnehmer gaben an keinen Trainer zu haben. Die Sportler wärmten sich durchschnittlich 24,7 Minuten auf mit einer Stretchingzeit von 14,4 Minuten. Professionelle Rhönradturner zeigte einen hochsignifikant größeres Alter, BMI und Trainingsumfang (p<0.001). Amateure hatten hochsignifikant häufiger einen Trainer (p<0.001).Es ergaben sich 8448 akute Verletzungen und 125 Überlastungsschäden bei einer kumulativen Betätigungsdauer von 869473 Stunden (1 Verletzung/103 Stunden). Neben einer Vielzahl von leichten Verletzungen traten eine Hirnblutung, 81 Gehirnerschütterungen, 17 verlorene Zähne, 14 Nasenbeinfrakturen, 4 Bandscheibenvorfälle, 5 Wirbelbrüche, 11 Rippenfrakturen, 2 Beckenfrakturen, 9 Handfrakturen, 20 Handgelenksfrakturen, 12 Ellenbogenfrakturen, 13 Kreuzbandrisse, 9 Unterschenkelfrakturen, 1 Achillessehnenruptur, 46 OSG-Außenbandrupturen und 19 Fußfrakturen auf. Eine Verletzung trat im Profisport nach 331,7 Stunden auf, wohingegen bei Amateuren alle 155,8 Stunden eine Verletzung auftrat (p<0.001). Profisportler zeigten hochsignifikant höhere Schmerzen als Amateure im Bereich von Schulter und Sprunggelenk (p<0.001), Handgelenk (p<0.01) und Knie (p<0.02). Zusammenfassend zeigte diese Studie erstmalig die gesamte traumatische Bandbreite des Rhönradsports mit teilweise schwerwiegenden Verletzungen. Aufgrund der Traumaschwere, wie auch den erfassten chronischen Überlastungsschäden, sollte es zu den verletzungsgefährdeten Sportarten gerechnet werden. Die im Turnsport üblichen häufigen Verletzungen der unteren Extremität zeigte sich in unserer Studie nicht. Zur Verletzungsprophylaxe empfehlen wir die Betreuung durch einen Trainer bei der Hilfestellung und soweit möglich die Durchführung eine Mattensicherung.