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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU 2012)

23.10. - 26.10.2012, Berlin

Retrospektive Analyse der Effizienz des Schockraum-Algorithmus in einem Level-1-Trauma-Zentrum über 2 Jahre

Meeting Abstract

  • presenting/speaker Frederic Bludau - Universität Heidelberg, Medizinische Fakultät Mannheim, Orthopädisch-Unfallchirurgisches Zentrum, Mannheim, Germany
  • Miriam Grimminger - Universität Heidelberg, Medizinische Fakultät Mannheim, Orthopädisch-Unfallchirurgisches Zentrum, Mannheim, Germany
  • Udo Obertacke - Universität Heidelberg, Medizinische Fakultät Mannheim, Orthopädisch-Unfallchirurgisches Zentrum, Mannheim, Germany
  • Lars Lehmann - Universität Heidelberg, Medizinische Fakultät Mannheim, Orthopädisch-Unfallchirurgisches Zentrum, Mannheim, Germany

Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU 2012). Berlin, 23.-26.10.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. DocWI26-729

DOI: 10.3205/12dkou098, URN: urn:nbn:de:0183-12dkou0987

Published: October 2, 2012

© 2012 Bludau et al.
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Fragestellung: Der prognostische Nutzen eines CT-Schockraum (SR)-protokolls (Kühne 2004, S3-Leitl. Polytrauma) ist mittlerweile unumstritten, kritisch werden jedoch die Effizienz und die Trennschärfe der Indikationskriterien diskutiert. Es stellt sich die Frage, ob der hohe Behandlungsaufwand und auch die Strahlenexposition des Patienten auf Grund der deutschlandweit konsentierten Indikationskriterien gerechtfertigt sind. Ziel der Untersuchung war die Überprüfung, in wie weit die in der aktuellen S3-Leitlinie dokumentierten Kriterien zur Schockraumversorgung im Bezug auf die Detektion von polytraumatisierten Patienten effizient sind.

Methodik: 648 konsekutive Datensätze zum CT-SR-Protokoll wurden retrospektiv ausgewertet (10/2008 - 10/2010). Rohdaten der Analyse waren CT-Daten, radiologische Befunde, sowie Schockraum- und Entlassungsberichte und DRG-Daten. Es erfolgte eine statistische Auswertung zum Unfallmechanismus, zur Verletzungsschwere, zur Behandlungsdauer und hinsichtlich der Trennschärfe. Der CT-SR-Algorithmus umfasst eine native Darstellung des Craniums und eine KM-Darstellung von HWS-Thorax-Abdomen-Becken. Die Indikation zum CT-SR-Protokoll wurde identisch zur S3-Leitlinie Polytrauma formuliert: 214 Sturz >3m, 167 PKW-Insassen mit Kollisionsgeschwindigkeit >30km/h, 71 Motorradstürze und 63 angefahrene Radfahrer/Fußgänger sowie 130 sonstige Unfälle.

Ergebnisse und Schlussfolgerungen: Die mittlere stationäre Aufenthaltsdauer im Gesamtkollektiv betrug 10,6 Tage. Die Mortalität lag bei 56/648 Patienten (8,6%). Das CT-SR-Protokoll (195 weibl., 453 männl.) führten bei 199 Patienten radiographisch zu keiner feststellbaren Traumafolge, PKW-Insassen blieben mit 47% am häufigsten unverletzt. Die Gesamtmortalität von 8,6% setzte sich maßgeblich aus der Indikationsgruppe angefahrener Fußgänger/Radfahrer (15%), "sonstige" (19%) und Sturz (8,5%) zusammen. Sowohl bei den Motorradfahrern, als auch bei den PKW-Insassen war die Mortalität nach Erreichen des Schockraumes unter 2%.

Bei 228 Patienten wurden im CT-SR-Protokoll erkennbare Verletzungen des Thorax diagnostiziert, bei 200 solche des Cranium und bei 119 Pat. Verletzungen der Wirbelsäule. Verletzungen des Abdomens, Beckens, der Gefäße und Extremitäten wurden rund 50mal erkannt. Ein Polytrauma (ISS >16p) lag zu 13% bei PKW-Insassen, und jeweils zu 27% bei den anderen Indikationen vor.

Die "number needed to scan (treat)", um ein Polytrauma zu detektieren, ist mit 7,9 für PKW-Insassen im Vergleich zu anderen Indikationskriterien (NNT=3,7) doppelt so groß.

Die geltenden Indikationskriterien für den CT-SR-Protokoll sind in ihrer Validität unterschiedlich zu bewerten: sie beschreiben eine vitale Gefährdung, das Spektrum der Verletzungen ist jedoch unterschiedlich. Mit Vorsicht (vor zu harten Indikationskriterien zum CT-SR-Protokoll) sollten weitere Studien prüfen, ob die Indikationskriterien für PKW-Insassen noch angemessen sind, oder ob eine Übertriagierung stattfindet.