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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie
74. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie
96. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie
51. Tagung des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie

26. - 29.10.2010, Berlin

Operative Stabilisierung bei multipler spinaler Metastasierung eines Nephroblastoms bei einer 41-jährigen Patientin – ein Fallbericht

Meeting Abstract

  • A. Franck - Universitätsklinikum Leipzig, Klinik für Unfall-, Wiederherstellungs- und Plast. Chirur., Leipzig, Germany
  • H. Siekmann - Universitätsklinikum Leipzig, Klinik für Unfall-, Wiederherstellungs- und Plast. Chirur., Leipzig, Germany
  • T. Blattert - Universitätsklinikum Leipzig, Klinik für Unfall-, Wiederherstellungs- und Plast. Chirur., Leipzig, Germany
  • C. Josten - Universitätsklinikum Leipzig, Klinik für Unfall-, Wiederherstellungs- und Plast. Chirur., Leipzig, Germany

Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie. 74. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie, 96. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie, 51. Tagung des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie. Berlin, 26.-29.10.2010. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. DocPO15-1516

DOI: 10.3205/10dkou591, URN: urn:nbn:de:0183-10dkou5912

Published: October 21, 2010

© 2010 Franck et al.
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Fragestellung: Das Nephroblastom (Wilms-Tumor) ist ein Tumor des Kindesalters und zählt mit ca. 6–8% aller malignen Tumoren im Kindesalter zu den häufigsten soliden Tumoren. Es handelt es sich um ein komplex gemischtes embryonales Neoplasma der Niere bestehend aus Blasten, Epithelien und Stroma. Beim Erwachsenen ist das Nephroblastom sehr selten und tritt nur in etwa 2% auf, dabei wird als Ursache eine Persistenz embryonalen Nierengewebes (Nephroblastomatose) vermutet. Im Folgenden berichten wir über eine 41-jährige Patientin mit multipler spinaler Metastasierung ohne neurolo-gische Symptomatik eines Nephroblastom mit akuter Frakturgefährdung.

Methodik: Bei einer 41-jährigen Patientin wird im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung sonographisch ein Nierentumor rechts festgestellt. Bei dringendem Verdacht auf ein Hypernephrom (Tumorstadium pT3a NX cM0 L1 V0) erfolgte zunächst die Nephrektomie rechts. Die histologische Aufarbeitung ergab ein Nephroblastom vom Mischtyp (dominat blastomatös mit zystischen und epithelial differenzierten Anteilen). Im Weiteren erfolgte eine adjuvante Therapie (Bestrahlung und Chemotherapie) gemäß SIOP/GPHO-Protokoll mit Regime III (sequenzieller AVD). Im Restaging 8 Monate nach Erstdiagnose zeigte sich eine ossäre Metastasierung i.B. der Thoraxwand und Osteolysen in der Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule mit akuter Frakturgefährdung, so dass zunächst die adjuvante Therpaie unterbrochen werden musste.

Ergebnisse und Schlussfolgerungen: Es erfolgte die operative Stabilisierung im Bereich der Brust- und Lendenwirbelsäule. Eine akute Frakturgefährdung bestand vor allem auf Höhe BWK 9 mit Destruktion und Komprimierung des Wirbelkörpers. Die Implantation der Pedikelschrauben in BWK 8 und 10 führten wir navigiert durch, auf Höhe BWK 12 konventionell. Zusätzlich erfolgte eine das Rückenmark entlastende Laminektomie im Bereich des hauptsächlich betroffenen BWK 9. Der ebenfalls infiltrierte LWK 5 wurde bei hauptsächlich ventralem Tumorbefall ohne Infiltration Richtung Spinalkanal lediglich unilateral kyphoplastiert und es wurde auf eine prophylaktische Dekompression verzichtet.

Das Nephroblastom beim Erwachsenen ist eine seltene Entität und die Diagnostik entsprechend schwierig. In der Regel kann erst nach der pathologischen Aufarbeitung eines vermuteten Nephroblastoms die Diagnose Wilms-Tumor gestellt werden. Dies macht eine adjuvante Therapie nur postoperativ möglich, wodurch im Gegensatz zu Kindern eine präoperative Verkleinerung und Verkapselung des Tumors unmöglich wird. Umso wichtiger ist es, eine individuelle operative und adjuvante Therapie zu gewährleisten, um mögliche neurologische Defizite zu vermeiden und eine suffiziente Schmerzreduktion zu erzielen. Dabei ist das Tumorzentrum als interdisziplinäres Gremium essentiell zur frühzeitigen Koordinierung der verschiedenen Therapieansätze.