gms | German Medical Science

Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie
73. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie
95. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie
50. Tagung des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie

21. - 24.10.2009, Berlin

Taurolidine, ein vielversprechendes Krebstherapeutikum: Verstärkung pulmonaler und hepatischer Metastasierung beim Osteosarkom als mögliche Folge therapiebedingter Leberschädigungen

Meeting Abstract

  • I. Banke - Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, München, Germany
  • M. Arlt - Orthopädische Uniklinik Balgrist, Forschung Orthopädie, Zürich, Switzerland
  • D. Walters - Orthopädische Uniklinik Balgrist, Forschung Orthopädie, Zürich, Switzerland
  • P. Steinmann - Orthopädische Uniklinik Balgrist, Forschung Orthopädie, Zürich, Switzerland
  • W. Born - Orthopädische Uniklinik Balgrist, Forschung Orthopädie, Zürich, Switzerland
  • B. Fuchs - Orthopädische Uniklinik Balgrist, Forschung Orthopädie, Zürich, Switzerland

Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie. 73. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie, 95. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie, 50. Tagung des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie. Berlin, 21.-24.10.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. DocWI37-1068

DOI: 10.3205/09dkou330, URN: urn:nbn:de:0183-09dkou3308

Published: October 15, 2009

© 2009 Banke et al.
This is an Open Access article distributed under the terms of the Creative Commons Attribution License (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.en). You are free: to Share – to copy, distribute and transmit the work, provided the original author and source are credited.


Outline

Text

Fragestellung: Taurolidine (Wirkstoff von Taurolin®) ist ein in der Klinik wohlbekanntes Breitspektrum-Antibiotikum. Unabhängig davon sind auch krebstherapeutische Eigenschaften von Taurolidine gegenüber verschiedenen humanen Krebsarten bekannt. Wir konnten kürzlich eine pro-apoptotische und wachstumshemmende Wirkung von Taurolidine gegenüber 10 Osteosarkom (OS)-Zelllinien in vitro nachweisen. Da die Metastasierung und ihre Folgen die Haupttodesursache bei OS-Patienten darstellt, wurde in dieser Arbeit die anti-metastatische Wirksamkeit von Taurolidine in zwei etablierten OS-Mausmodellen in vivo untersucht.

Methodik: Um den Einfluss von Taurolidine auf Primärtumorwachstum und spontane Metastasierung untersuchen zu können, wurden 1x107 LM8-lacZ OS Zellen subkutan in die Flanke von C3H Mäusen injiziert. Taurolidine oder die Vehikelkontrolle wurden in zwei verschiedenen Behandlungsprotokollen intraperitoneal verabreicht. Am Ende jedes Experimentes wurden die Mäuse geopfert und die Lungen und Lebern entnommen. LacZ-markierte, indigo-blaue OS-Metastasen auf den Organoberflächen wurden, nach Färbung mit X-Gal, standardisiert ausgezählt und statistisch ausgewertet (Signifikanz bei p<0.05). Um medikamenteninduzierte Nebenwirkungen gezielt und unabhängig vom Tumoreinfluss untersuchen zu können, wurden Taurolidine oder die Vehikelkontrolle in zwei Dosis-Response-Studien auch gesunden, tumorfreien Mäusen verabreicht. Es folgte die Bestimmung von Stoffwechselparametern wie z.B. der Leberenzyme sowie die histologische Begutachtung der Organe.

Ergebnisse und Schlussfolgerungen: Die Behandlung der Tiere mit Taurolidine (750mg/kg alle zwei Tage, Beginn an Tag 1 oder Tag 7 nach Tumorzellinjektion) führte zu einem signifikanten Anstieg sowohl der spontanen LM8 Lungen- (bis zu 2,8-fach) als auch Leber- (bis zu 8,8-fach) Metastasierung. Ein Behandlungseffekt auf das Primärtumorwachstum ließ sich nicht nachweisen. Interessanterweise konnten dosisabhängige Leberveränderungen, sowohl in tumortragenden als auch gesunden Mäusen, makroskopisch, histologisch und blutchemisch beobachtet werden.

Diese Arbeit zeigt erstmalig eine unerwartete, die Metastasierung von Lunge und Leber fördernde Wirkung von Taurolidine. Diese wird von schwerwiegenden, dosisabhängigen Leberveränderungen begleitet. Diese organspezifischen Nebenwirkungen müssen berücksichtigt werden, bevor es zu einer klinischen Einführung von Taurolidine in der Krebstherapie kommt.