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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie
73. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie
95. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie
50. Tagung des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie

21. - 24.10.2009, Berlin

Anwendung von extrakorporalen Lungenersatzverfahren (iLA Membranventilator) und Hochfrequenz Beatmung (HFOV) in der Behandlung des Lungenversagens beim Polytrauma

Meeting Abstract

  • J. Swol - BG Universitätsklinik Bergmannsheil GmbH, Universitätsklinikum, Chirurgische Klinik und Poliklinik, Bochum, Germany
  • C. Schinkel - BG Universitätsklinik Bergmannsheil GmbH, Universitätsklinikum, Chirurgische Klinik und Poliklinik, Bochum, Germany
  • T. A. Schildhauer - BG Universitätsklinik Bergmannsheil GmbH, Chirurgische Klinik und Poliklinik, Bochum, Germany
  • G. Muhr - BG Universitätsklinik Bergmannsheil GmbH, Chirurgische Klinik und Poliklinik, Bochum, Germany

Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie. 73. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie, 95. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie, 50. Tagung des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie. Berlin, 21.-24.10.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. DocWI17-177

DOI: 10.3205/09dkou160, URN: urn:nbn:de:0183-09dkou1601

Published: October 15, 2009

© 2009 Swol et al.
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Fragestellung: Polytrauma (ISS>18) geht zu 80% mit einem schweren Thoraxtrauma einher. Diese Patienten sind gefährdet im Rahmes des Systemic Inflammatory Response Syndrome (SIRS) ein akutes posttraumatisches Lungenversagen zu entwickeln. Im Verlauf kann es zu Ventilator assoziierten Pneumonien (VAP) kommen, die zu Oxygenierungs- und/oder CO2-Eliminationsproblemen führen und die sich als Acute Respiratory Distress Syndrome (ARDS) manifestieren. Das Ziel der Studie ist die Behandlungsoptionen im Lungenversagen nach Polytrauma unter Anwendung der Hochfrequenzbeatmung (HFOV) und iLA Membranventilators zu untersuchen.

Methodik: Wir berichten über die Anwendung der Hochfrequenzbeatmung (HFOV) und iLA Membranventilator zur Behandlung des Lungenversagens bei polytraumatisierten Patienten. Prospektive nicht-randomisierte Kohortenstudie.

Ergebnisse und Schlussfolgerungen: Von 1.1 bis 31.12.2008 wurden auf der chirurgischen Intensivstation bei 12 Patienten (2 Frauen, 10 Männer, Durchschnittsalter 47 Jahre) das extrakorporale Lungenersatzverfahren (iLA Membranventilator) und die Hochfrequenz Beatmung (HFOV) angewendet. Alle Patienten wiesen mehrfache Verletzungen der Extremitäten, des Beckens bzw. der Wirbelsäule und eine schwere Lungenkontusion bds auf.

Bei 8 Patienten ist das Lungenversagen während der ersten 4 Tage aufgetreten. Bei weiteren 4 Verletzten kam es zur Entwicklung eines ARDS nach Abklingen des SIRS bei schwerer Pneumonie.

Die durchschnittliche Behandlungsdauer betrug für die iLA 8 (1–16) Tage und für die HFOV 5 (3–8) Tage. Die Verweildauer auf der Intensivstation betrug 18 (4–44) Tage.

In 3 Fällen war unter HFOV Behandlung komplette Rückbildung von Atelektasen zu beobachten, die Verläufe waren jedoch durch ein Multiorganversagen limitiert. Weitere 4 Patienten erhielten eine isolierte iLA Therapie und 5 Patienten eine Kombination des iLA und HFOV Verfahrens.

4 Patienten (2x iLA und 2 x Kombination iLA und HFOV) sind in die Anschlussheilbehandlung entlassen worden (30% Überlebensrate, Beobachtungszeiten 3–9 Monate).

Alle Patienten, die vor Beginn der HFOV oder iLA oder während der Behandlung ein Nierenversagen entwickelten, sind im fulminanten Multiorganversagen verstorben. Das Auftreten des Nierenversagens, trotz adäquater Volumentherapie und Durchführung des hämodynamischen Monitorings stellt sich als prognostisch ungünstiges Zeichen dar.

Die gleichzeitige Anwendung des iLA Membranoxygenators mit HFOV Beatmung ermöglicht parallel die CO2-Elimination und sichert die Oxygenierung des Lunge. Die Kombination beider Verfahren stellt eine schonende Alternative zur ECMO in der lungenprotektiven Beatmungsstrategie für Patienten im Lungenversagen bei erhaltener Herzpumpfunktion dar.

Anwendung der HFOV in Kombination mit iLA wird weiter in einer prospektiven Studie verfolgt. Das Ziel ist die Risikopatienten frühzeitig zu erkennen und durch die maximale Lungenprotektion das Auftreten des Multiorganversagens zu verhindern.