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20. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Thoraxchirurgie

Deutsche Gesellschaft für Thoraxchirurgie

22.09. bis 24.09.2011, Düsseldorf-Kaiserswerth

Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko nach Induktions-Chemoradiotherapie und chirurgischer Resektion bei loko-regionär fortgeschrittenem Lungencarcinom: Analyse von 108 Patienten

Meeting Abstract

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  • Alessandro Marra - Niels-Stensen-Kliniken, Klinik für Thoraxchirurgie, Ostercappeln
  • Olaf M. Koch - Klinikum Osnabrück, Klinik für Hämatologie und Onkologie, Osnabrück
  • Wolfgang Wagner - Paracelsus Klinik, Strahlenklinik, Osnabrück
  • Ludger Hillejan - Niels-Stensen-Kliniken, Klinik für Thoraxchirurgie, Ostercappeln

Deutsche Gesellschaft für Thoraxchirurgie. 20. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Thoraxchirurgie. Düsseldorf, 22.-24.09.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. DocHS 8.6

DOI: 10.3205/11dgt13, URN: urn:nbn:de:0183-11dgt134

Published: September 19, 2011

© 2011 Marra et al.
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Zielsetzung: Die Rolle der multimodalen Therapie unter Einschluss der Chirurgie beim lokoregionär fortgeschrittenem Lungencarcinom ist aktuell noch Diskussionsgegenstand. Ziel der vorliegenden Studie war die Evaluierung des Morbiditäts- und Mortalitätsrisikoprofils eines trimodalen Therapiekonzeptes sowie die Identifikation eventueller Prädiktoren operativer Komplikationen.

Methode: Die vorliegende retrospektive Analyse basiert auf der Auswertung der Daten 108 konsekutiver Patienten mit Lungencarcinom im Stadium IIB-IIIB. Die Induktionstherapie bestand aus 2-3 Zyklen einer platinhaltigen Dublette (Platin/Etoposide [PE] in 45%, Platin/Gemcitabine [PG] in 44%, Platin/sonstige Substanz in 11% der Fälle), gefolgt von einer kombinierten Radiochemotherapie (45 Gy akzelerierter hyperfraktionierter Bestrahlung mit Cisplatin weekly). Nach Selektion durch das Tumorboard wurden die Patienten einer Thorakotomie unterzogen. Die Toxizität der Induktionstherapie, die Mortalität sowie die operative Morbidität wurden statistisch analysiert.

Ergebnis: 87 Patienten (81%) hatten ein nicht-kleinzelliges und 21 (19%) ein kleinzelliges Lungencarcinom. Eine CTC Grad 3-4 Toxizität wurde in 16% der Patienten beobachtet, die therapiebedingte Mortalität war null. Die chirurgische Resektion bestand aus Lobektomie in 69 Fällen (64%), Sleeve-Lobektomie in 25 (23%) und Pneumonektomie in 12 (11%); 2 Patienten konnten nur exploriert werden. Die operative Mortalitätsrate betrug 5,6%. 23 Patienten (21%) erlitten eine oder mehrere Komplikationen: Bronchusstumpf-Insuffizienz (14%), Pneumonie/ARDS (12%), Nachblutung mit Revisionseingriff (2%), Myokardinfarkt (1%) und Lungenembolie (1%). Signifikante Risikofaktoren für die chirurgische Morbidität waren Chemotherapieprotokoll anders als PE/PG (P=.007), Pneumonektomie (P=.034) und perioperative Bluttransfusionen (P<.001); die Mortalität wies eine signifikante Korrelation mit den perioperative Bluttransfusionen (P=.006) auf. Unter den Patienten mit schwerwiegenden Komplikationen betrug das Letalitätsrisiko 50% für die Nachblutung, 33% für die Pneumonie und 33% für die Bronchusfistel.

Schlussfolgerung: Bei Patienten mit Lungencarcinom im Stadium II-III kann die trimodale Therapie eine valide Behandlungsoption mit akzeptabler Mortalität und Morbidität darstellen. Da schwerwiegende postoperative Komplikationen mit einem hohen Letalitätsrisiko verbunden sind, sind eine akkurate präoperative Patientenselektion sowie ein modernes perioperatives Management u.a. unter Einschluss der Bronchusstumpfdeckung zwingend notwendig. Die Sleeve-Lobektomie sollte, wenn technisch durchführbar, der Pneumonektomie gegenüber bevorzugt werden.