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18. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Thoraxchirurgie

Deutsche Gesellschaft für Thoraxchirurgie

08.10. bis 10.10.2009, Augsburg

VAMLA + VATS-Lobektomie: Minimal invasiv – maximal effektiv?

Meeting Abstract

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  • Biruta Witte - Katholisches Klinikum Koblenz, Lungenzentrum Koblenz, Sektion Thoraxchirurgie, Koblenz

Deutsche Gesellschaft für Thoraxchirurgie. 18. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Thoraxchirurgie. Augsburg, 08.-10.10.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. DocHS2.1

DOI: 10.3205/09dgt10, URN: urn:nbn:de:0183-09dgt103

Published: November 20, 2009

© 2009 Witte.
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Bei der operativen Behandlung des Lungenkarzinoms ist die mediastinale Lymphadenektomie Voraussetzung für genaues mediastinales Staging und gleichzeitig unabhängiger Prognosefaktor. Daher erscheint es nahe liegend, sie bei der minimal-invasiven Lobektomie oder Segmentresektion beizubehalten. Erstaunlicherweise nimmt die Diskussion über die Sinnhaftigkeit einer radikalen mediastinalen Lymphadenektomie in frühen Stadien des Bronchialkarzinoms mehr Raum ein als die Beschreibung der thorakoskopischen Operationstechnik und die Dokumentation der Ergebnisse.

Aus eigener Erfahrung kann gesagt werden, dass eine komplette thorakoskopische mediastinale Lymphadenektomie anspruchsvoll, teilweise auch nervenaufreibend und riskant sein kann. Dies trifft insbesondere für längerdauernde Lungenresektionen, adipösen Patienten, ‚complete’-VATS und Lehrassistenzen zu. Darüberhinaus ist es bei linksseitigen Resektionen aus anatomischen Gründen nahezu aussichtslos, kranial gelegenen Anteile subcarinaler Lymphknoten sowie ipsi- und kontralaterale tracheobronchiale und paratracheale Lymphknoten zu erreichen. Deswegen wurde an Patienten mit Bronchialkarzinom im klinischen Stadium I prospektiv untersucht, ob und mit welchem Aufwand die gebotene Radikalität durch Kombination von VATS und VAMLA aufrechterhalten werden kann. Hinsichtlich epidemiologischer und onkologischer Daten gab es keine Unterschiede zwischen der kombinierten VATS + VAMLA Gruppe (18 Patienten) und der VATS Gruppe (14 Patienten). Die Anzahl dissezierter mediastinaler Lymphknotenstationen und das Gesamtgewicht der mediastinalen Resektate war in der kombinierten VATS + VAMLA –Gruppe signifikant höher als in der VATS Gruppe ( 6,4 vs. 3,6 Lymphknotenstationen resp. 11,2 vs. 5,5 Gramm, p≥0,05). Für keines der untersuchten Praktikabilitätskriterien (Konversionsrate, Blutverlust, Operationszeit, Komplikationsrate, Drainagedauer) wurde ein signifikanter Unterschied gefunden.

Somit ist die Kombination von thorakoskopischer Lungenresektion und VAMLA eine praktikable Möglichkeit der minimal-invasiven, radikalen mediastinalen Lymphadenektomie ohne Einfluss auf Morbidität, OP-Zeit und Drainagedauer.

Im klinischen Alltag sind beide Teile der Prozedur zeitlich frei kombinierbar. Die Durchführung am selben Tag in einer Narkose und ein sequentielles Vorgehen ist gleichermaßen möglich. Sofern neoadjuvante Chemotherapie für gering ausgeprägten mediastinalen Befall angestrebt wird, spricht viel für die VAMLA als ersten Eingriff. Im Rahmen erst intraoperativ diagnostizierter Bronchialkarzinome kann es sinnvoll sein, die VAMLA nachzuholen.

Die Möglichkeit einer radikalen minimal-invasiven mediastinalen Lymphadenektomie ist unseres Erachtens eine unabdingbare Voraussetzung für eine breitere Indikationsstellung zur thorakoskopischen Lungenresektion über das Stadium I hinaus. Gerade für diese Patienten, die im Rahmen multimodaler Therapiekonzepte innerhalb schmaler Zeitkorridore operiert oder adjuvant behandelt werden, hat die Minimierung von Operationstrauma und Rekonvaleszenzzeit hohe Priorität.