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43. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen e. V. (DGPRÄC), 17. Jahrestagung der Vereinigung der Deutschen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen e. V. (VDÄPC)

13.09. - 15.09.2012, Bremen

Nervetubes und pankreatische Stammzellen für die periphere Nervenrekonstruktion: ein in vivo-Modell am N. ischiadicus der Ratte

Meeting Abstract

  • presenting/speaker F. Stang - Sektion Plastische Chirurgie, Universitätsklinik Lübeck, Lübeck, Germany
  • B. Fell - Fraunhofer Einrichtung für Marine Biotechnologie, Lübeck, Germany
  • A. Petschnik - Fraunhofer Einrichtung für Marine Biotechnologie, Lübeck, Germany
  • A. Richter - Fraunhofer Einrichtung für Marine Biotechnologie, Lübeck, Germany
  • S. Danner - Fraunhofer Einrichtung für Marine Biotechnologie, Lübeck, Germany
  • P. Mailänder - Sektion Plastische Chirurgie, Universitätsklinik Lübeck, Lübeck, Germany
  • C. Kruse - Fraunhofer Einrichtung für Marine Biotechnologie, Lübeck, Germany

Deutsche Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen. Vereinigung der Deutschen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen. 43. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (DGPRÄC), 17. Jahrestagung der Vereinigung der Deutschen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen (VDÄPC). Bremen, 13.-15.09.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. DocFTVP01

DOI: 10.3205/12dgpraec218, URN: urn:nbn:de:0183-12dgpraec2182

Published: September 10, 2012

© 2012 Stang et al.
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Einleitung: Die periphere Nervenrekonstruktion durch artifizielle Nerventransplantate ist eine besondere Herausforderung und Gegenstand intensiver Forschung. Während in der Klinik das autologe Nerventransplantat noch als Goldstandart gilt, zielen tierexperimentelle Forschungen auf eine Kombination von Nervetubes mit lebenden Zellen, wie z.B. Schwann-Zellen oder Stamm-Zellen. Ziel dieser Arbeit war die Verwendung von pankreatischen Stamm-Zellen, eingebettet in eine Fibrinmatrix, die in Verbindung mit Kollagen-Röhrchen (NeuraGen) für die Rekonstruktion von Nervendefekten im Ischiadicus-Modell der Ratte herangezogen wurden.

Material und Methoden: Pankreatische Stammzellen wurden zunächst in vitro in eine Fibrinmatrix eingebettet und deren Interaktion mit der Fibrinmatrix und neuralem Gewebe analysiert.

In vivo wurden 2 cm Defekte des N. ischiadicus mit NeuraGen-Kollagenröhrchen und Fibrin/Stammzellmatrix rekonstruiert. Nach einer Überlebenszeit von 8 Wochen erfolgte die klinische und histologische Auswertung. Als Kontrollgruppen dienten autologe Nerventransplantate sowie Kollagenröhrchen mit azellulärer Fibrinmatrix und Fibrinmatrix mit Schwann-Zellen. Pro Gruppe wurden 7 Tiere herangezogen.

Ergebnisse: In vivo Analysen zeigten einen Erhalt der Stammzelleigenschaften in der Fibrinmatrix sowie auch eine potentiell Regenerations-fördernde Interaktion der Zellen mit den Geweben durch die Sekretion proinflammatorischer (CINC, MIP), neurotropher (IL-6) sowie vaskularisierender (VEGF) Faktoren.

Die in vivo Versuche zeigte die Gruppe mit autologen Nerventransplantzaten signifikant bessere Ergebnisse für alle Parameter. Die Stammzell-Gruppe zeigte eine tendenziell bessere Vaskularisierung der Transplantate im Vergleich zu den zwei anderen NeuraGen-Gruppen. Für die Neuritenauswertung wurde ersichtlich, dass im Fall der Neuragen-Gruppen bei jeweils nur maximal zwei Tieren eine Anwesenheit von Neuriten (inkl. Myelinscheide) im zentralen Transplantat detektiert werden konnte. Beim Vergleich der Neuriten-positiven Exemplare jeder Gruppe zeigte sich für die absolute Fläche der Nervenfasern kein signifikanter Unterschied zwischen der autologen und Stammzell-Gruppe.

Schlussfolgerung: Die Vorliegenden Ergebnisse unterstreichen erneut die Wertigkeit autologer Nerventransplantate. Im weiteren lassen Sie jedoch auch an der Regenerationspotenz der bereits klinisch genutzten NeuraGen-Röhrchen zweifeln, auch wenn andere Studien hier Regenerationsergebnisse präsentieren, die gleichwertig zu autologen Nerventransplantat eingeschätzt werden. Auch die regenerative Potenz von Stammzellen muss zumindest für die periphere Nervenrekonstruktion in diesem Zusammenhang kritisch hinterfragt werden.