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29. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e. V.

21.09. - 23.09.2012, Bonn

Entwicklung und Validierung des Frankfurter Dysphagiescreenings (FraDySc) für Patienten mit Kopf-Hals-Tumor nach Tumorresektion. Itemreduktion und erste Validierung

Vortrag

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  • corresponding author C. Hey - Schwerpunkt Phoniatrie und Pädaudiologie, KHNO, Klinikum der Goethe-Universität Frankfurt/Main, Frankfurt/Main, Deutschland
  • B. P. Lange - Schwerpunkt Phoniatrie und Pädaudiologie, KHNO, Klinikum der Goethe-Universität Frankfurt/Main, Frankfurt/Main, Deutschland
  • S. Eberle - Schwerpunkt Phoniatrie und Pädaudiologie, KHNO, Klinikum der Goethe-Universität Frankfurt/Main, Frankfurt/Main, Deutschland
  • T. Stöver - Schwerpunkt Phoniatrie und Pädaudiologie, KHNO, Klinikum der Goethe-Universität Frankfurt/Main, Frankfurt/Main, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie. 29. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie (DGPP). Bonn, 21.-23.09.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12dgppV36

DOI: 10.3205/12dgpp63, URN: urn:nbn:de:0183-12dgpp632

Published: September 6, 2012

© 2012 Hey et al.
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Zusammenfassung

Hintergrund: Eine Dysphagie ist häufig Folge von Kopf-Hals-Tumor-Erkrankungen [1]. Ein zuverlässiges Dysphagiescreening für diese Patienten besteht derzeit nicht. Ziel dieser Studie ist die Entwicklung und Validierung eines Screenings zur Detektion einer therapierelevanten Dysphagie für Kopf-Hals-Tumor-Patienten nach Tumorresektion.

Material und Methode: Das Dysphagiescreening FraDySc enthält die Überprüfung schluckrelevanter Teilfunktionen und einen definierten Wasserschlucktest. FraDySc wird von 2 Therapeuten unabhängig durchgeführt. Als Referenz dient die endoskopische Dysphagieevaluation FEES® n. Langmorestandard. Seit November 2010 wurden zunächst 40 Kopf-Hals-Tumor Patienten (Stage II–IV) nach Tumorresektion ohne vorbekannte Dysphagie bzw. ohne neurologische Erkrankungen erfasst. Anhand der Ergebnisse dieser 40 Patienten konnte eine Itemreduktion durchgeführt werden und wurden an 20 weiteren Patienten das reduzierte Screening durchgeführt.

Ergebnisse: Das Screening konnte von 31 Items auf 19 Items reduziert werden. Die Interraterreliabilität bezüglich des Gesamtergebnisses von FraDySc erwies sich als optimal (Cohen’s κ=1.00, p<.001) und die Übereinstimmung von FraDySc und FEES® exzellent (Cronbach’s κ=.912).

Diskussion: Auch das reduzierte Screening dieser Studie verspricht ein sehr gutes Instrument zu sein zur validen und zeiteffizienten Identifikation von Patienten mit einer therapierelevanten Schluckstörung und damit dem Bedarf einer Frührehabilitation nach Tumorresektion.


Text

Hintergrund

Eine therapierelevante Schluckstörung ist häufig Folge einer Kopf-Hals-Tumor-Erkrankung, beschrieben in Abhängigkeit von Größe, Sitz und Art der notwendigen Therapie bei bis zu 88% der Betroffenen. Eine erhöhte Morbidität erfolgt häufig im Falle von Sekundärkomplikationen wie Malnutrition, Dehydratation und Aspirationspneumonie [1], [2]. Ist die Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr durch eine Schluckbeeinträchtigung nicht möglich oder deutlich reduziert, bedeutet das neben dem Verlust an Lebensqualität auch hohe Kosten für das Gesundheitssystem [3].

Ein valides Dysphagie-Screeningverfahren für Patienten mit einem Kopf-Hals-Tumor, das die frühzeitige Erkennung einer therapierelevanten Schluckstörung bei Patienten nach Tumorresektion ermöglicht, existiert derzeit noch nicht.

Ziel dieser Studie ist daher, die Entwicklung und Validierung eines Dysphagie-Screeningverfahrens für Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren nach operativer onkologischer Therapie.

Material und Methoden

Das Dysphagiescreening FraDySc besteht aus zwei verschiedenen Abschnitten. Der allgemeine Teil besteht aus der Überprüfung von sieben schluckrelevanten Teilfunktionen: (1) Dysglossie, (2) feuchter Stimmklang, (3) willkürlicher Husten, (4) Einschränkung der Mundöffnung, (5) Zungenmotilität, (6) Zungenkraft, (7) Würgereflex. Der zweite Abschnitt enthält einen definierten Wasserschlucktest von definierten Wasservolumina mit steigender Tendenz. FraDySc wird von 2 Therapeuten unabhängig durchgeführt. Als Referenz dient die endoskopische Dysphagieevaluation FEES® n. Langmorestandard. Seit November 2010 wurden zunächst 40 Kopf-Hals-Tumor Patienten (Stage II–IV) nach Tumorresektion ohne vorbekannte Dysphagie bzw. ohne neurologische Erkrankungen, älter als 18 Jahren erfasst. Anhand der Ergebnisse dieser 40 Patienten konnte eine Itemreduktion durchgeführt werden und wurde das reduzierte Screening an 20 weiteren Patienten durchgeführt.

Bestimmt wurde bei diesen Patienten die Interraterreliabilität mit Cohen’s κ sowie in einer ersten Untersuchung die Übereinstimmung des Screenings FraDySc mit dem Ergebnis der FEES-Untersuchung.

Ergebnisse

Das Screening konnte von 31 Items auf 19 Items reduziert werden: Im allgemeinen Teil korrelierten lediglich die Items (1) Dysglossie, (2) feuchter Stimmklang, (3) Zungenmotilität und (4) Zungenkraft signifikant mit dem Ergebnis der FEES-Diagnostik. Beim Wasserschlucktest erwies sich die Stimmüberprüfung vor einem Schluckversuch als wenig reliabler Parameter, so dass auch diese Items aus dem Dysphagiescreening genommen wurden. Die Interraterreliabilität bezüglich des Gesamtergebnisses von FraDySc erwies sich als optimal (Cohen’s κ=1.00, p<.001). Die Übereinstimmung von FraDySc und FEES® erwies sich auch bei der gekürzten Screeningversion als exzellent (Cronbach’s κ=.912).

Diskussion

Auch das reduzierte Screening dieser Studie verspricht ein sehr gutes Instrument zu sein zur validen und zeiteffizienten Identifikation von Patienten mit einer therapierelevanten Schluckstörung und damit dem Bedarf einer Frührehabilitation nach Tumorresektion.


Literatur

1.
Chasen MR, Bhargava R. A descriptive review of the factors contributing to nutritional compromise in patients with head and neck cancer. Support Care Cancer. 2009 Nov;17(11):1345-51. DOI: 10.1007/s00520-009-0684-5 External link
2.
Sanz Ortiz J, Moreno Nogueira JA, Garcia de Lorenzo y Mateos A. Protein energy malnutrition (PEM in cancer patients). Clin Transl Oncol. 2008;10(9):579-82. DOI: 10.1007/s12094-008-0253-8 External link
3.
Kyrgidis A, Tzellos TG, Kechagias N, Patrikidou A, Xirou P, Kitikidou K, Bourlidou E, Vahtsevanos K, Antoniades K. Cutaneous squamous cell carcinoma (SCC) of the head and neck: Risk factors of overall and recurrence-free survival. Eur J Cancer. 2010 Jun;46(9):1563-72. DOI: 10.1016/j.ejca.2010.02.046 External link