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28. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e. V.
2. Dreiländertagung D-A-CH

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e. V.
Schweizerische Gesellschaft für Phoniatrie; Sektion Phoniatrie der Österreichischen Gesellschaft für HNO-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie

09.09. - 11.09.2011, Zürich, Schweiz

Mit Biss zum Schluckakt – Zahnmedizinische Aspekte bei betagten und hochbetagten Patienten

Vortrag

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  • corresponding author presenting/speaker Ina Nitschke - Klinik für Alters- und Behindertenzahnmedizin, Universität Zürich, Zürich, Schweiz

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie. 28. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie (DGPP), 2. Dreiländertagung D-A-CH. Zürich, 09.-11.09.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dgppR04

DOI: 10.3205/11dgpp86, URN: urn:nbn:de:0183-11dgpp868

Published: August 18, 2011

© 2011 Nitschke.
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Die Senioren sind aufgrund der Unterschiede in ihren Lebenserfahrungen, ihres Allgemeinzustandes und ihrer finanziellen Verhältnisse eine sehr heterogene Gruppe, deren Ansprüche sich im Laufe der Generationen geändert haben. Waren die Senioren früher in der Familie im Mehrgenerationenhaushalt in der Regel integriert, leben sie heute oft allein, wobei zu beobachten ist, dass jetzt die ersten Wohngemeinschaften, ähnlich den studentischen, ins Leben gerufen werden. Die bisher angestiegene Lebenserwartung eines 65-Jährigen, meistens bei guter Gesundheit, führt dazu, dass sich die ursprünglich als dritte Lebensphase bezeichnete Zeit nach der Rente in eine dritte, vierte und fünfte Lebensphase aufgeteilt. Die mundgesundheitsbezogene Lebensqualität in diesen drei Lebensphasen ist sehr unterschiedlich und stellt für den Zahnarzt und sein Team immer wieder eine Herausforderung dar.

Ein Teil der Senioren sucht die zahnärztliche Praxis regelmäßig auf und stellt den praktisch tätigen Zahnarzt manchmal vor schwierige Therapieentscheidungen. Der andere Teil sucht aus sehr unterschiedlichen Gründen die zahnärztliche Praxis nicht (mehr) auf. In diesen Kreis gehören oft die geriatrischen Patienten, aber auch Menschen, die am Beginn ihrer instabilen Lebensphase stehen und bei denen die allgemein medizinische Versorgung schon alle Kräfte in Anspruch nimmt. Eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen der Allgemeinmedizin und der Zahnmedizin wird in den nächsten Jahren immer mehr Gewicht bekommen.

Die orale Prävention hat dazu geführt, dass das Alter nicht mehr gleichbedeutend mit der Zahnlosigkeit ist. Ganz im Gegenteil, immer mehr Menschen erhalten sich bis ins hohe Alter einen Teil ihrer Zähne. Der Einstieg in die prothetische Versorgung mit einem abnehmbaren partiellen oder totalen Zahnersatz erfolgt immer später. Dies bedeutet, dass die Versorgung mit abnehmbarem Zahnersatz im höheren Alter auch langwierige Nachsorgesitzungen mit sich bringen kann, da die Adaptationsfähigkeit meist verringert ist. Manchmal besteht die Möglichkeit, dass sich der Patient gar nicht mehr an eine neue Situation adaptiert und dann mit den schlecht passenden Prothesen weiterlebt.

Die Ernährung kann sich aufgrund von passungenauem Zahnersatz oder zahnmedizinisch nicht versorgten Gebissen verschlechtern, da eine leicht kaubare Nahrung meist unbewusst bevorzugt eingekauft bzw. gegessen wird. Wenn die Nahrung nicht ausreichend gut gekaut werden kann, wird sie oft in großen, kaum zerkleinerten Stücken heruntergeschluckt. Besonders relevant wird dies, wenn z.B. der Patient durch einen Apoplex seine Kau- und Schluckfunktion eingeschränkt ist. War er dann längere Zeit nicht beim Zahnarzt und besitzt nicht ausreichend passende Prothesen, können die therapeutischen Bemühungen der Logopäden nicht so gut greifen, da die Prothesen des Ober- und Unterkiefers im Munde locker sitzen und sich bewegen.

Die zahnmedizinische Versorgung hat viele verschiedene Konzepte, sodass eine partizipative Therapieentscheidung nicht immer einfach für den Patienten, aber auch für seinen Behandler ist. Aus diesem Grunde werden in Zukunft Behandler anderer Disziplinen zunehmend von den Zahnärzten anzusprechen sein, damit bei den Betagten ein zahnmedizinisches Versorgungskonzept angestrebt wird, welches die Einschränkungen und die Gebrechlichkeit des Patienten ausreichend, dabei auch in die Zukunft schauend, berücksichtigt. Im Gegenzug wäre es anstrebenswert, wenn Ärzte und Therapeuten eine schlechte Mundgesundheit erkennen und den Patienten die Inanspruchnahme des Zahnarztes empfehlen würden.