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28. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e. V.
2. Dreiländertagung D-A-CH

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e. V.
Schweizerische Gesellschaft für Phoniatrie; Sektion Phoniatrie der Österreichischen Gesellschaft für HNO-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie

09.09. - 11.09.2011, Zürich, Schweiz

Neugeborenenhörscreening – Einsenderbefragung als Instrument der Qualitätssicherung

Poster

  • corresponding author presenting/speaker Peter Matulat - Klinik und Poliklinik für Phoniatrie und Pädaudiologie, Universitätsklinikum Münster, Münster, Deutschland
  • author Alica Depenbrock - Klinik und Poliklinik für Phoniatrie und Pädaudiologie, Universitätsklinikum Münster, Münster, Deutschland
  • author Antoinette am Zehnhoff-Dinnesen - Klinik und Poliklinik für Phoniatrie und Pädaudiologie, Universitätsklinikum Münster, Münster, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie. 28. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie (DGPP), 2. Dreiländertagung D-A-CH. Zürich, 09.-11.09.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dgppP23

DOI: 10.3205/11dgpp74, URN: urn:nbn:de:0183-11dgpp749

Published: August 18, 2011

© 2011 Matulat et al.
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Zusammenfassung

Hintergrund: Definiert man Qualität als Erfüllung von Erwartungen und Anforderungen, so können Einsenderbefragungen ein wichtiges Instrument zur Informationsgewinnung im Rahmen des Qualitätsmanagements sein.

Material und Methoden: Im Herbst 2010 wurde durch die Hörscreeningzentrale Westfalen-Lippe eine Befragung des gesamten geschulten und zertifizierten Personals (N=710) aller 63 kooperierenden Krankenhäuser (70 Einsender) mittels eines Fragebogens zur Organisationseinheit, zu persönlichen Skills, zur erlebten Unterstützung, zur Organisation des Screenings und zu Screeningproblemen durchgeführt.

Ergebnisse: Die Rücklaufquote betrug bezogen auf das geschulte Personal mit 356 Fragebögen 50,1% aus 44 Krankenhäusern (69,8%).

82% geben an, das Screening habe keinen festen Platz im Stationsalltag. Die Belastung durch das Screening wird deutlich erlebt (64,3% mittelgroß, 22,8% groß). Obwohl 93,3% der Befragten ein mindestens sicheres Gefühl bei der Durchführung des Hörscreenings haben, fühlen sich nur 57% der Screenenden durch die Schulungen der Hersteller und nur 69% durch die Schulungen der Hörscreeningzentrale für den Alltag gut vorbereitet. 7,6% erleben sich unsicher im Umgang mit den Eltern, 9% mit der Technik. 27,8% erleben die Anwesenheit von Eltern als zumindest teilweise störend. Die Übermittlung kontrollbedürftiger Ergebnisse empfinden 14,6% als belastend.

Die Kommentarfunktion der Screeninggeräte wird selten (46,6%) oder nie (30,9%) genutzt. Nur etwa Zweidrittel der Befragten haben Ansprechpartner für organisatorische (62,9%) und technische (63,5%) Fragen. In 17,7% kommt es bei der Datenübertragung zu Problemen, die zu zeitlichen Verzögerungen und „Ärgernissen“ führen.

Diskussion: Trotz einer überwiegend positiven Wahrnehmung der Umsetzung des Neugeborenenhörscreenings ergaben sich aus der Befragung erhebliche Verbesserungspotentiale in Bezug auf die Schulungen der Hörscreeningzentrale und die interne Organisation einzelner Kliniken. Eine erneute Befragung ist für 2012 geplant.


Text

Hintergrund

Definiert man Qualität als Erfüllung von Erwartungen und Anforderungen, so können Einsenderbefragungen ein wichtiges Instrument zur Informationsgewinnung im Rahmen des Qualitätsmanagements sein.

Die Hörscreeningzentrale Westfalen-Lippe setzt in ihrem Qualitätsmanagement neben einem Onlinebenchmarking der teilnehmenden Einsender [1] und statistischen Auswertungen der eingehenden Daten der Kliniken und Nachuntersuchungsstellen auch Einsenderbefragungen als Instrument der präventiven und kundenbezogenen Qualitätssicherung ein.

Material und Methode

Im Herbst 2010 wurde durch die Hörscreeningzentrale Westfalen-Lippe eine Befragung aller 710 bis zu diesem Zeitpunkt durch die Hörscreeningzentrale geschulten und zertifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in allen 63 kooperierenden Krankenhäusern mit insgesamt 70 Einsendern mittels eines Fragebogens durchgeführt.

Der selbst entworfene Fragebogen umfasste 26 Fragen zur Organisationseinheit der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, zu ihren persönlichen Skills im Zusammenhang mit dem Screening, zur erlebten Unterstützung durch die Hersteller der Screeninggeräte und durch die Hörscreeningzentrale, zur Organisation des Screenings in der Organisationseinheit und zu spezifischen Screeningproblemen. Es handelte sich um single choice Fragen oder skalierte Fragen jeweils mit einem zusätzlichen Freitextfeld für Kommentare.

Die Fragebögen wurden den Klinikleitungen in passender Anzahl und zusammen mit ausreichend frankierten und beschrifteten Rückumschlägen mit der Bitte um Aushändigung an das zertifizierte Personal zugeschickt.

Die Beantwortung der Fragen konnte anonym erfolgen. Ein Rückbezug auf die Organisationseinheit war über die Verwendung einer Einsender-Nummer möglich.

Ergebnisse

Die Rücklaufquote betrug mit 356 zurückgesendeten Fragebögen 50,1% bezogen auf das durch die Hörscreeningzentrale geschulte und zertifizierte Personal. Bezogen auf die teilnehmenden Krankenhäuser betrug die Quote mit 44 Rücksendungen 69,8%.

82% gaben an, dass das Screening keinen festen Platz im Stationsalltag ihrer Organisationseinheit hat. Die Belastung durch das Screening wurde von 64,3% als mittelgroß und von 22,8% als groß oder sehr groß erlebt.

Nach ihren persönlichen Skills befragt, gaben 93,3% der Befragten an, ein mindestens sicheres Gefühl bei der Durchführung des Hörscreenings zu haben.

57% der befragten Screenenden fühlten sich durch die Schulungen der Hersteller und 69% durch die Schulungen der Hörscreeningzentrale für den Screeningalltag gut vorbereitet. 7,6% gaben bestehende Unsicherheiten im Umgang mit den Eltern und 9% mit der Gerätetechnik an. Die Übermittlung kontrollbedürftiger Ergebnisse an die Eltern wurde von 14,6% der Befragten als belastend empfunden. Bei der Durchführung des Screenings erleben 27,8% die Anwesenheit von Eltern zumindest teilweise als störend.

Wie auch in den an die Hörscreeningzentrale übermittelten Screeningdaten sichtbar wird, wird die den Befragten bekannte Kommentarfunktion der Screeninggeräte zur Übermittlung erklärender Kommentare an die Hörscreeningzentrale auch nach eigenem Erleben selten (46,6%) oder nie (30,9%) genutzt. Einheitliche Gründe wurden hierfür nicht angegeben.

Nur etwa Zweidrittel der Befragten hatten feste Ansprechpartner für organisatorische (62,9%) und technische (63,5%) Fragen im Zusammenhang mit dem Hörscreening in ihrer Organisationseinheit. In 17,7% kam es bei der Datenübertragung zu Problemen, die zu zeitlichen Verzögerungen und „Ärgernissen“ führten.

Diskussion

Trotz einer überwiegend positiven Selbstwahrnehmung der Befragten bei der Durchführung des Neugeborenenhörscreenings und der sich aus der Analyse der an die Hörscreeningzentrale übermittelten Messdaten nachweisbaren durchschnittlichen kontinuierlichen Verbesserung der Screeningergebnisse der Organisationseinheiten ergeben sich aus der Befragung erhebliche Verbesserungspotentiale.

So sollten die Serviceangebote (z.B. Schulungen, Hotline) der Gerätehersteller im Rahmen der Geräteeinführung nach dem Medizinproduktegesetz und der Hörscreeningzentrale im Rahmen der Anbindung einer Klinik angesichts 30–40% nicht vollständig mit diesem Service zufriedener Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen überdacht werden.

Ansatzpunkte gibt es hierbei nicht nur im Umgang mit der Gerätetechnik, sondern auch bei der Vermittlung von Screeningergebnissen an die Eltern sowie bei Fragen im Zusammenhang mit der Anbindung und Übermittlung von Daten an eine Hörscreeningzentrale.

Die von den Befragten wahrgenommene fehlende organisatorische und technische Unterstützung in der Organisationseinheit selbst lenkt den Blick auf die in den Organisationseinheiten leitend Tätigen. Diese sind zwar bei der Implementierung des Neugeborenenhörscreenings in ihrer Organisationseinheit meist selbst involviert, im Rahmen der Delegation der konkreten Screeningtätigkeit werden oder bleiben aber die organisatorischen und technischen Verantwortlichkeiten für die Screenenden nicht immer transparent.

Die Ergebnisse dieser Befragung bestärken uns in der Ansicht, dass Einsenderbefragungen ein nützliches ergänzendes Instrument im Rahmen des Qualitätsmanagements einer Hörscreeningzentrale sind. Eine erneute Befragung ist deshalb für das Jahr 2012 geplant.


Literatur

1.
Matulat P, Stroe S, am Zehnhoff-Dinnesen A. Qualitäts-Benchmarking für Geburtskliniken im Neugeborenenhörscreening. Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie. 27. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie (DGPP) Aachen, 17.-19.09.2010. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. Doc10dgppP02. DOI: 10.3205/10dgpp06 External link