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28. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e. V.
2. Dreiländertagung D-A-CH

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e. V.
Schweizerische Gesellschaft für Phoniatrie; Sektion Phoniatrie der Österreichischen Gesellschaft für HNO-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie

09.09. - 11.09.2011, Zürich, Schweiz

Emotionale Musikverarbeitung mit dem Cochlea Implantat nach Anpassung des Sprachprozessors

Vortrag

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie. 28. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie (DGPP), 2. Dreiländertagung D-A-CH. Zürich, 09.-11.09.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dgppV43

DOI: 10.3205/11dgpp60, URN: urn:nbn:de:0183-11dgpp600

Published: August 18, 2011

© 2011 Rosslau et al.
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Zusammenfassung

Hintergrund: Trotz stetiger Verbesserung von Signalverarbeitung und Codierungsstrategien der Cochlea Implantate beklagen insbesondere postlingual ertaubte Patienten den nicht befriedigenden Höreindruck während Musikpräsentation bei im Vergleich sehr guten Ergebnissen in der Sprachwahrnehmung [1]. In den bisherigen musikanalytischen Untersuchungen konnte bei insgesamt zufriedenstellender Rhythmusdetektion eine mangelhafte frequenzspezifische Klangwahrnehmung, die für den Musikgenuss unabdingbar ist, festgestellt werden [2]. Untersuchungen zum emotionalen Musikempfinden bei CI-Trägern fehlen bisher vollständig.

Material und Methoden: In einer Pilotstudie wurden 6 postlingual ertaubte CI-Träger und 6 Kontrollprobanden untersucht. In einer ersten Messung wurden den Probanden 30 ca. 10 Sekunden lange Filmmusiksequenzen in einer neu etablierten Testbatterie dargeboten. Filmmusik eignet sich aufgrund der symphonischen Orchestrierung und der stark wechselnden Dynamik besonders gut, die emotionale Musikwahrnehmung anzuregen. Die Probanden sollten auf 4 Fragen zur Einschätzung der empfundenen Erregung (arousal) und Wertigkeit (valence) der Hörbeispiele entsprechend einer 5-Punkte-Skala antworten. Danach wurde bei den CI-Trägern ein Musikprogramm eingestellt. Dafür wurden abhängig von der individuellen Schwellenlage der einzelnen Patienten jeweils die T-und/oder C-Schwellen im Tieffrequenzbereich geändert und somit der Dynamikbereich grundsätzlich vergrößert. Die Messung der Testbatterie wurde nach einer Gewöhnung an das Musikprogramm von 2 Wochen wiederholt.

Ergebnisse: Die Ergebnisse zeigen, dass die CI-Träger mit dem angepassten Musikprogramm die dramatischen Musikbeispiele in ihrer Wertigkeit signifikant hochwertiger einschätzten als die gesunden Kontrollen und dass die subjektive Erregbarkeit mit dem neuen Programm signifikant höher war als mit dem Sprachprogramm.

Diskussion: Somit steht fest, dass die bisherige Betrachtung zur Musikverarbeitung mit dem CI um die emotionalen Aspekte erweitert werden muss und dass bereits eine geringe frequenzspezifische Anpassung der bestehenden Sprachprogramme den Musikgenuss signifikant verstärken kann.


Literatur

1.
Gfeller K, Turner C, Oleson J, Zhang X, Gantz B, Froman R, Olszewski C. Accuracy of cochlear implant recipients on pitch perception, melody recognition, and speech reception in noise. Ear Hear. 2007;28(3):412-23. DOI: doi:10.1097/AUD.0b013e3180479318 External link
2.
Cooper WB, Tobey E, Loizou PC. Music perception by cochlear implant and normal hearing listeners as measured by the Montreal Battery for Evaluation of Amusia. Ear Hear. 2008;29(4):618-26. DOI: doi:10.1097/AUD.0b013e318174e787 External link