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28. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e. V.
2. Dreiländertagung D-A-CH

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e. V.
Schweizerische Gesellschaft für Phoniatrie; Sektion Phoniatrie der Österreichischen Gesellschaft für HNO-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie

09.09. - 11.09.2011, Zürich, Schweiz

Stimmbeurteilung mit einem computerisierten, graduierten Diagnostikbogen – Wie hat sich der Diagnostikbogen nach einjährigem Einsatz bewährt?

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  • corresponding author presenting/speaker Markus Hüsson - Vitos Klinik für Stimm- und Spracherkrankungen, Weilmünster, Deutschland
  • author Christa Müller - Vitos Klinik für Stimm- und Spracherkrankungen, Weilmünster, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie. 28. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie (DGPP), 2. Dreiländertagung D-A-CH. Zürich, 09.-11.09.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dgppP13

DOI: 10.3205/11dgpp48, URN: urn:nbn:de:0183-11dgpp481

Published: August 18, 2011

© 2011 Hüsson et al.
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Zusammenfassung

Einleitung: Wir entwickelten einen Diagnostikbogen zur Graduierung von Stimmstörungen sowie dessen Auswertungsmöglichkeiten am PC und stellten diesen auf der Jahrestagung in Aachen vor. Der Diagnostikbogen ermöglicht reproduzierbar die Beurteilung von Stimmstörungen.

Die Standardisierung für die Anwendungen durch verschiedene Untersucher war erwartungsgemäß schwierig und erforderte einige Anpassungen. Hierüber würden wir gerne berichten.

Wir verglichen die Ergebnisse mit standardisierten Messungen wie Stimmfeld-Untersuchung, DSI, VHI, etc. und den Ergebnissen der Stroboskopie.

Nun liegen die Ergebnisse einer einjährigen Anwendung vor.

Ausblick: Weiterverbreitung des Diagnostikbogens in andere Zentren.

Material und Methoden: Wir konnten 100 Messungen zur Stimmqualität bei Patienten vor und nach einer stationären Stimmtherapie vornehmen. Hierbei wurden 70% Frauen und 30% Männer berücksichtigt. Kriterien zur Stimmbeurteilung waren die Bereiche Stimmqualität, Resonanz, Stimmeinsatz, Prosodie, Körperhaltung, Grundtonus, etc.

Ergebnisse: Es zeigt sich eine hochgradige Übereinstimmung mit den Messwerten von DSI, VHI, stroboskopischer Untersuchung, subjektiver Einschätzung sowie RBH-Untersuchung.

Diskussion: Der computerisierte, graduierte Diagnostikbogen wurde fester Bestandteil in unserer klinischen Arbeit und etablierte sich als zuverlässige reproduzierbare Verlaufsbeurteilung von Stimmstörungen vor und nach der Therapie. Auch die weitere Abgleichung mit sonstigen standardisierten Messverfahren wie DSI, Voice Handicap Index, Shitter/Jimmer bestätigte die Zuverlässigkeit des Diagnostikbogens.


Text

Einleitung und Hintergrund

Um bei der auditiven Beurteilung einer Stimmstörungen zu einer vom Untersucher unabhängigen Störungsbewertung und zu einer reproduzierbaren Schweregradeinteilung zu gelangen, wurde der bisher in unserer Stimmdiagnostik eingesetzte logopädische Stimmuntersuchungsbogen weiter entwickelt und von uns modifiziert.

Mit dieser Weiterentwicklung sollte eine möglichst weitgehende Standardisierung erreicht werden und eine reproduzierbare Gradeinteilung der Stimmstörung in: normale Stimme, leichte Stimmstörung, mittlere Stimmstörung, hochgradige Stimmstörung erfolgen. Dies in Anlehnung der Schweregradeinteilung bei der DSI-Messung nach Wuyts [1] und auch der VHI-Bestimmung nach Nawka [2].

Zur Verbesserung der Praktikabilität des Diagnostikbogens im täglichen Einsatz entwickelten wir ein computerunterstütztes Eingabe- und Auswertungssystem. Dies vor dem Hintergrund, dass inzwischen auch am logopädischen Arbeitsplatz die Dokumentation regelmäßig am PC erfolgt.

Das entwickelte System wurde während der Jahrestagung in Aachen vorgestellt.

Zur Validierung des Systems verwendeten wir die Verlaufsbeobachtung von (zunächst 30) Patienten mit Stimmstörungen in unserer Klinik vor- und nach einer stationären Stimmtherapie und den Vergleich mit anderen Messverfahren zur Stimmbeurteilung, DSI, Voice Handicap Index und führten hierzu einen statistischen Vergleich durch.

Die Untersuchungsergebnisse hatten im Vergleich mit den Ergebnissen der VHI-Bestimmung und unseren DSI-Messungen (Lingwaves-System) sowie mit dem jeweiligen subjektiven Höreindruck des Untersuchers hoch signifikant übereingestimmt. Hierzu haben wir nach der Untersuchung von 30 Patienten ebenfalls bereits berichtet.

Wir möchten nun unsere Ergebnisse nach 1-jähriger Gebrauchsanalyse vorstellen.

Material und Methode

Wir konnten 100 Messungen zur Stimmqualität bei Patienten vornehmen. Hierbei wurden 70% Frauen und 30% Männer berücksichtigt.

Unser Untersuchungsbogen für die logopädische Stimmuntersuchung umfasst 120 Einzelparameter, dazu gehören Beurteilungen wie die der Sprech- und Stimmqualität, von klar heiser, rauh, knarrend … und ebenso Beurteilungen der Stimmfunktion wie crescendo/decrescendo möglich, nicht möglich …, Beurteilung der Rufstimmresonanz bis zu Faktoren die die Atmung, die Haltung, den Tonus und Grundtonus umfassen.

Zur Wichtung der Einzelparameter in Bezug auf die Stimmstörung nahmen wir Stimmuntersuchungen der/s selben Patienten/in durch mehrere Untersucher vor.

Die Standardisierung für die Anwendung durch verschiedene Untersucher war erwartungsgemäß schwierig und erforderte einige Abstimmungsarbeit.

Danach wurden die Parameter dieses Diagnostikbogens mit einem (Score) belegt. Durch Summation dieses Scores gelangten wir zur Gradierung der Stimmstörung. Die Graduierung wurde wie folgt eingestellt: bis 29 Punkte: gute normale Stimme, bis ab 30 Punkte: leichte Stimmstörung, ab 40 Punkte: mittlere Stimmstörung, ab 50 Punkte: hochgradige Stimmstörung.

Ergebnis und Diskussion

Die durch unseren Diagnostikbogen erzielte Einteilung nach der Untersuchung von 100 Patienten verglichen wir ebenfalls mit den Ergebnissen der DSI-Messung (bei uns Lingwaves) als auch mit dem VHI (in 30) nach Nawka [2].

In der von Nawka [2] vorgeschlagenen Graduierung, VHI 0–14 Punkte: keine Stimmstörung, 15–28 Punkte: geringgradige Stimmstörung, 29–50 Punkte mittelgradige Stimmstörung, 51–120 Punkte: hochgradige Stimmstörung sowie in der von Wuyts [1] vorgeschlagenen Graduierung DSI ≥4,2 keine Stimmstörung, DSI <4,2 bis 1,8 geringgradige Stimmstörung, <1,8 bis ≥–1,2 mittelgradige Stimmstörung, <–1,2 hochgradige Stimmstörung. Unsere statistische Auswertung des Diagnostikfragebogens im Vergleich zum DSI und VHI ergab eine hoch signifikante Übereinstimmung.

Der computerunterstützte graduierte Diagnostikbogen wurde fester Bestandteil in unserer klinischen Arbeit und etablierte sich als zuverlässiges und reproduzierbares Verfahren zur Beurteilung von Stimmstörungen vor und nach stationärer Stimmtherapie.

Unsere Erfahrungen mit diesem Diagnostikinstrument wollen wir in Anlehnung an andere Zentren weiter entwickeln.


Literatur

1.
Wuyts FL, De Bodt MS, Molenberghs G, Remacle M, Heylen L, Millet B, Van Lierde K, Raes J, Van de Heyning PHl. The dysphonia severity index: an objective measure of vocal quality based on a multiparameter approach. J. Speech Lang Hear Res. 2000;43(3):796-809.
2.
Nawka T, Wirth G. Stimmstörungen. 5. Auflage. Köln: Deutscher Ärzte-Verlag; 2009.
3.
Schneider B, Bigenzahn W. Stimmdiagnostik – Ein Leitfaden für die Praxis. Wien New York: Springer; 2007.