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28. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e. V.
2. Dreiländertagung D-A-CH

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e. V.
Schweizerische Gesellschaft für Phoniatrie; Sektion Phoniatrie der Österreichischen Gesellschaft für HNO-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie

09.09. - 11.09.2011, Zürich, Schweiz

Zusammenhang zwischen Registerübergängen und Stimmgattung bei Sängern

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  • corresponding author presenting/speaker Alexander Mainka - Abt. Phoniatrie und Audiologie, Univ.-HNO-Klinik, Dresden, Deutschland
  • Hartmut Zabel - Hochschule für Musik Carl Maria von Weber, Dresden, Deutschland
  • Dirk Mürbe - Abt. Phoniatrie und Audiologie, Univ.-HNO-Klinik, Dresden, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie. 28. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie (DGPP), 2. Dreiländertagung D-A-CH. Zürich, 09.-11.09.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dgppP11

DOI: 10.3205/11dgpp44, URN: urn:nbn:de:0183-11dgpp446

Published: August 18, 2011

© 2011 Mainka et al.
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Zusammenfassung

Hintergrund: Stimmregisterübergänge spielen beim professionellen Singen eine wichtige Rolle. Trotz aktueller Forschungen sind nicht alle Detailaspekte dieses komplexen stimmphysiologischen Phänomens verstanden. In der vorliegenden Studie wird der Zusammenhang zwischen Stimmregisterübergängen und Stimmgattungen untersucht.

Material und Methoden: Gesangsstudenten der Musikhochschule zu Dresden wurden bei Studienantritt einer detaillierten phoniatrischen und gesangspädagogischen Beurteilung unterzogen. Dabei wurden eine Vielzahl von funktionellen und morphologischen Parametern erhoben, welche für die Leistungsfähigkeit der Stimme bedeutsam sind. Die vorliegende Studie bezieht Datensätze von 299 Studenten ein, wobei die Studiengruppe aus 94 Sopranen, 52 Mezzo-Sopranen, 16 Altistinnen, 38 Tenören, 38 Baritonen und 61 Bässen bestand. Die Sänger waren aufgefordert, aufsteigende und absteigende Tonfolgen im Piano zu singen. Die Registerübergänge wurden auditiv durch erfahrene Gesangspädagogen aus Mittelung mehrerer Übergangsdurchgänge bestimmt.

Ergebnisse: Die Daten zeigen charakteristische Tonhöhenverteilungen der verschiedenen Registerübergänge. Der Vergleich von hohen Stimmgattungen (Sopran, Tenor) mit tiefen (Alt, Bass) zeigt signifikant unterschiedliche Registerübergänge.

Diskussion: Die Daten stützen die Annahme von unterschiedlichen Registerübergängen zwischen Sängern verschiedener Stimmgattungen. Obwohl die alleinige Kenntnis der Registerübergänge keinen eindeutigen Rückschluss auf die Stimmgattung erlaubt, stellen diese Daten eine wertvolle Hilfe für die phoniatrische und gesangspädagogische Betreuung dar und leisten einen Beitrag zur individuellen stimmlichen Leistungsentwicklung und zur Prävention von belastungsbedingten Stimmstörungen.


Text

Einleitung und Hintergrund

Stimmregisterübergänge spielen beim professionellen Singen eine wichtige Rolle [1], [2]. So liegt in der klassischen Gesangsausbildung ein wesentliches Augenmerk auf dem klanglichen Ausgleich zwischen den Registern. Zwischen dem klassischen Modalregister bzw. der Bruststimme und dem Falsett bzw. der Kopfstimme findet sich meist ein auditiv klar bestimmbarer Hauptregisterbruch. Zwischen den beiden angesprochenen Registern besteht zudem ein Bereich von Zwischentönen, welcher auch als Voix mixte oder Passagio angesprochen werden kann. Der Hauptregisterbruch liegt bei Frauenstimmen aus gesangspädagogischer Sicht unterhalb der Voix mixte, bei Männerstimmen hingegen oberhalb.

Henrich und Koautoren konnten überzeugend den bisherigen Registern eine Einteilung nach laryngealem Entstehungsmechanismus anhand von akustisch und elektrisch messbaren Übergangsphänomenen zuordnen und in umfangreichen Untersuchungen an Sängern und Nicht-Sängern die jeweiligen Tonumfänge der Registertypen ermitteln [1], [3]. Die Arbeit liefert auch Tonhöhenbereiche für Registerübergänge vom Modalregister zum Falsett. Auf die Voix mixte wird methodisch bedingt nicht eingegangen. Auf den klassischen Gesang sind die Daten daher nur bedingt anwendbar.

Daten hinsichtlich des Zusammenhanges von Stimmgattung und Register fehlen bislang und sollen in der vorliegenden Arbeit untersucht werden.

Material und Methoden

Gesangsstudenten der Musikhochschule Carl Maria von Weber Dresden werden bei Studienantritt einer detaillierten phoniatrischen und gesangspädagogischen Beurteilung unterzogen. Dabei wird eine Vielzahl von funktionellen und morphologischen Parametern erhoben, welche für die Leistungsfähigkeit der Stimme bedeutsam sind. Die Sänger waren aufgefordert aufsteigende und absteigende Tonfolgen mit leiser Stimmintensität (piano) Bel Canto zu singen. Weiterhin wurde die Stimmgattung auf Basis der funktionellen Stimmleistungsparameter festgestellt.

Die Registerübergänge wurden auditiv durch erfahrene Gesangspädagogen aus Mittelung mehrerer Übergangsdurchgänge gesungener Tonleitern bestimmt. Hierbei wurde bei Frauenstimmen der Registerübergang vom Modalregister zur Voix mixte als Hauptregisterübergang bestimmt. Bei Männerstimmen wurde der Übergang der Voix mixte zum Falsettregister als Hauptregisterübergang bestimmt.

In die vorliegende Studie wurden Datensätze von 239 Studenten einbezogen, wobei die Studiengruppe aus 73 Sopranen, 41 Mezzosopranen, 9 Altistinnen, 33 Tenören, 54 Baritonen und 29 Bässen bestand.

Ergebnisse

Für die Frauenstimmen wurden für den Hauptregisterübergang folgende Tonhöhen nach Stimmgattungszugehörigkeit ermittelt (Abbildung 1 [Abb. 1]): Soprane D4 (Midi-Code 62) (Standardabweichung (SD)=3,1 semitones (st)), Mezzosoprane Db4 (Midi-Code 61) (SD=2,4st) und für Altistinnen C4 (Midi-Code 60) (SD=2,6st). Für die Männerstimmen wurden für den Hauptregisterübergang folgende Tonhöhen nach Stimmgattung ermittelt (Abbildung 2 [Abb. 2]): Tenöre E4 (Midi-Code 64) (SD=3,6st), Baritone D4 (Midi-Code 62) (SD=2,8st) und Bässe Db4 (Midi-Code 61) (SD=2,3st). Die Daten zeigen charakteristische Tonhöhenverteilungen der Registerübergänge, insbesondere mit Unterschieden im Vergleich von hohen mit tiefen Stimmgattungen für die Männerstimmen.

Diskussion

Eine korrekte Stimmklassifikation ist ein wesentlicher Faktor sowohl für eine erfolgreiche Ausbildung der professionellen Stimme als auch für die langfristige stimmliche Leistungsfähigkeit. In vorangegangenen Studien konnten charakteristische morphologische Parameter (Stimmlippenlänge, Vokaltraktdimensionen) beschrieben werden, die Hinweise auf die Stimmgattung geben, jedoch keine eindeutige Zuordnung erlauben [4], [5]. Ausgewählte funktionelle Parameter, wie Stimmumfang und Sprechtonhöhe tragen ebenfalls zur korrekten Zuordnung der Stimmgattung bei.

Register als charakteristische Stimmeigenschaften sind für die Ausschöpfung der vollen stimmlichen Kapazität professioneller Stimmen von besonderer Relevanz. Die vorliegenden Daten stützen die Annahme von unterschiedlichen Registerübergängen zwischen Sängern verschiedener Stimmgattungen. Obwohl auch die alleinige Kenntnis der Registerübergänge keinen eindeutigen Rückschluss auf die Stimmgattung erlaubt, stellen diese Daten eine wertvolle Hilfe für die phoniatrische und gesangspädagogische Betreuung dar und leisten einen Beitrag zur individuellen stimmlichen Leistungsentwicklung und zur Prävention von belastungsbedingten Stimmstörungen.


Literatur

1.
Henrich N. Mirroring the voice from Garcia to the present day: some insights into singing voice registers. Logoped Phoniatr Vocol. 2006;31:3-14. DOI: 10.1080/14015430500344844 External link
2.
Echternach M, Sundberg J, Markl M, Richter B. Professional opera tenors' vocal tract configurations in registers. Folia Phoniatr Logop. 2010;62:278-87. DOI: 10.1159/000312668 External link
3.
Roubeau B, Henrich N, Castellengo M. Laryngeal vibratory mechanisms: the notion of vocal register revisited. J Voice. 2009;23:425-38. DOI: 10.1016/j.jvoice.2007.10.014 External link
4.
Roers F, Mürbe D, Sundberg J. Predicted singers' vocal fold lengths and voice classification - a study of x-ray morphological measures. J Voice. 2009;23:408-13. DOI: 10.1016/j.jvoice.2007.12.003 External link
5.
Roers F, Mürbe D, Sundberg J. Voice classification and vocal tract of singers: a study of x-ray images and morphology. J Acoust Soc Am. 2009;125:503-12. DOI: 10.1121/1.3026326 External link