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27. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e. V.

17.09. - 19.09.2010, Aachen

Qualitäts-Benchmarking für Geburtskliniken im Neugeborenenhörscreening

Poster

  • corresponding author presenting/speaker Peter Matulat - Klinik und Poliklinik für Phoniatrie und Pädaudiologie, Universitätsklinikum Münster, Deutschland
  • author Sebastian Stroe - Klinik und Poliklinik für Phoniatrie und Pädaudiologie, Universitätsklinikum Münster, Deutschland
  • author Antoinette am Zehnhoff-Dinnesen - Klinik und Poliklinik für Phoniatrie und Pädaudiologie, Universitätsklinikum Münster, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie. 27. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie (DGPP). Aachen, 17.-19.09.2010. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. Doc10dgppP02

DOI: 10.3205/10dgpp06, URN: urn:nbn:de:0183-10dgpp069

Published: August 31, 2010

© 2010 Matulat et al.
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Zusammenfassung

Hintergrund: Der Gemeinsame Bundesausschuss hat mit der Einführung des Neugeborenenhörscreening in Deutschland zugleich anspruchsvolle Qualitätskennzahlen für Geburtskliniken vorgegeben.

Dargestellt wird die Umsetzung eines auf Quartalszahlen basierenden, externen Qualitäts-Benchmarkings für die mehr als 50 teilnehmenden Geburtskliniken in Westfalen-Lippe von der statistischen Analyse der Kennzahlen bis zur anonymisierten graphischen Onlinedarstellung.

Material und Methoden: Auf der Grundlage der pro Kind aggregierter Mess- und Qualitätsparameter aus der Trackingsoftware AUDIO_SC (path medical) wurde ein Auswertungsprogramm entwickelt, das u.a. XML-Strukturen zur Onlinepräsentation folgender Kennzahlen im Vergleich zu den anonymisierten Kennzahlen der anderen teilnehmenden Kliniken ausgibt:

  • Anteil der bds. untersuchten/kontrollbedürftigen Kinder
  • Screeningzeitpunkt
  • Anteil der vor dem 4. Lebenstag gescreenten Kinder
  • Anteil der primären TEOAE- bzw. AABR-Screenings
  • Anzahl Messungen pro untersuchtem Kind
  • Anteil unauffälliger/kontrollbedürftiger Kinder mit mehr als doppelt so vielen Messungen wie notwendig
  • Briefe pro untersuchtem/kontrollbedürftigem Kind
  • Kommentare pro untersuchtem Kind

Ergebnisse: Bisher stehen die Graphen zu den Kennzahlen des Jahres 2009 sowie für das 1. Quartal 2010 zur Verfügung. Rückmeldungen der Kliniken zeigen, dass das Benchmarking die Einsender motiviert und das Interesse für Qualitätsmanagement beim Neugeborenenhörscreening erhöht.


Text

Hintergründe

Der Gemeinsame Bundesausschuss hat mit der Einführung eines flächendeckenden Neugeborenenhörscreening in Deutschland zugleich sehr anspruchsvolle Qualitätskennzahlen für die Geburtseinrichtungen vorgegeben, die nur durch konsequentes Qualitätsmanagement dauerhaft erreichbar sind.

Der „Volkswagen unter den Qualitätsprogrammen (…), dessen Nutzanwendung erstaunlichen Mehrwert bringt“ [1] ist das Benchmarking, ein systematischer und kontinuierlicher Prozess des Vergleichens u.a. von Performance Indikatoren, Prozessen und Methoden mit dem Ziel, die eigene Leistungsfähigkeit durch das Vorbild der Vergleichspartner zu verbessern. Die Managementmethode Benchmarking ist eine „herausragende Gelegenheit für eine Organisation, von Erfahrungen anderer zu lernen“ [2].

Methode

Im Projekt zum Neugeborenenhörscreening in Westfalen-Lippe wurde ein kontinuierliches, auf Quartalszahlen basierendes, externes Leistungs-Benchmarking für aktuell mehr als 50 teilnehmende Geburtseinrichtungen aufgebaut. Um die Anonymität vollständig zu sichern und den Aufwand für die Kliniken sehr gering zu halten, wurde als Organisationsform der „Benchmark-Stern“ [2]) mit der Hörscreeningzentrale als neutralen Koordinator gewählt.

Die statistische Analyse der Kennzahlen erfolgt auf der Grundlage aggregierter Mess- und Qualitätsparameter pro Kind aus der Trackingsoftware AUDIO_SC von path medical durch ein selbst entwickeltes Auswertungsprogramm, das – weitgehend parametrisierbar – eine Ergebnisdatei für automatisierte Monats-, Quartals- und Jahresberichte erzeugt und XML-Strukturen zur anonymisierten Onlinepräsentation folgender Kennzahlen ausgibt:

  • Anzahl der gemeldeten Geburten
  • Anteil der bds. untersuchten Kinder
  • Anteil der kontrollbedürftigen Kinder
  • Durchschnittliche Zeit zwischen Geburt und Erstscreening in Tagen
  • Anteil der vor dem 4. Lebenstag gescreenten Kinder
  • Anteil der primären TEOAE-Screenings
  • Anteil der primären AABR-Screenings
  • Durchschnittliche Anzahl Messungen pro untersuchtem Kind
  • Anteil unauffälliger Kinder mit mehr als doppelt so vielen Messungen wie für ein einmal kontrolliertes Ergebnis notwendig (je nach dem Ergebnis des Primärscreenings mehr als 4, 6 oder 8 Messungen)
  • Anteil kontrollbedürftiger Kinder mit mehr als doppelt so vielen Messungen wie für ein einmal kontrolliertes Ergebnis notwendig
  • Durchschnittliche Anzahl von Briefen pro untersuchtem Kind
  • Durchschnittliche Anzahl von Briefen pro kontrollbedürftigem Kind
  • Durchschnittliche Anzahl von Kommentaren pro untersuchtem Kind.

Bisher stehen die Graphen zu den Kennzahlen des Jahres 2009 sowie für das 1. und 2. Quartal 2010 zur Verfügung.

Abbildung 1 [Abb. 1] zeigt einen Ausschnitt aus der Webdarstellung des anonymisierten Benchmarking am Beispiel des Parameters „Anteil kontrollbedürftiger Kinder“ aus dem 1. Quartal 2010 im Demonstrationszugang.

In zwei Drop-Down-Menüs können der Berichtszeitraum (Quartal oder ganze Jahre) sowie der zu betrachtende Parameter (s.o) gewählt werden. Im Anzeigefenster erscheint dann ein Balkendiagramm mit nach Qualität von links nach rechts geordneten anonymisierten Einsendern, wobei die eigene Geburtsklinik farblich hervorgehoben wird.

Zusätzlich werden – in der Abbildung 1 [Abb. 1] grün hervorgehoben – der Durchschnitt und die ggf. vorhandene gesetzliche Vorgabe zu diesem Parameter in die Grafik eingeblendet. Beim Anclicken eines Balkens werden die absolute und relative Position sowie der Wert des gewählten Parameters angezeigt.

Weiterhin steht eine Zusammenfassung aller oben genannten Parameter der eigenen Klinik in Tabellenform zur Verfügung.

Die Onlinepräsentation wurde als MySQL-Datenbank mittels Fusionchart in PHP und Javascript und dem Framework jQuery realisiert. Der Zugriff erfolgt mittels Authentifizierung über die Webseite der Hörscreening-Zentrale (http://www.hoerscreening-wl.de/). Ein Demozugang (Kennung und Passwort “demo“) mit vollständig anonymisierten Daten steht zur Verfügung.

Ausblick

Sobald die Exportfunktionen von Audio_SC es zulassen, sollen weitere GBA-konforme Kennzahlen (z.B. Anteil der Kontroll-AABRs) hinzukommen. Ergänzende Organisations- oder Prozesskennzahlen, die Zusammenhänge und damit mögliche Veränderungspotentiale aufzeigen (z.B. Anzahl der Screenenden, Häufigkeit von Messungen pro screenendem Mitarbeiter, Ergebnisse aus Einsenderbefragungen) sind ebenso wie Trends (Entwicklung der relativen Position je Kennzahl über die Berichtszeiträume) geplant.

Rückmeldungen der Kliniken zeigen, dass das Benchmarking die Einsender motiviert und das Interesse für Qualitätsmanagement beim Neugeborenenhörscreening erhöht. Vor allem bei Nichterfüllung von gesetzlichen Vorgaben und/oder hinteren Positionen in einzelnen Parametern lösen auf der Führungsebene Anfragen nach erneuten Schulungen des Personals oder Überlegungen zu Veränderungen in den klinikinternen Prozessen zum Neugeborenenhörscreening aus. Langfristig wäre eine Veränderung der Organisationsform weg vom anonymen „Benchmarking-Stern“ hin zu einem „Benchmarking-Rad“ oder „Benchmarking-Zirkel“ [2] mit einem Austausch zwischen den Einsendern über Qualitätsparameter wünschenswert.


Literatur

1.
Riegel G. zitiert nach Bauer-Delto A: Benchmark: Der ideale Einstieg ins Qualitätsmanagement. ÄP Gynäkologie. 2005;1:37 .
2.
Siebert G, Kempf S. Benchmarking: Leitfaden für die Praxis. 2. Auflage. München, Wien; 2002.