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26. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e. V.

11.09. - 13.09.2009, Leipzig

Stimmuntersuchungen bei Lehrerberufsgruppen

Vortrag

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Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie. 26. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie (DGPP). Leipzig, 11.-13.09.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. Doc09dgppV32

DOI: 10.3205/09dgpp46, URN: urn:nbn:de:0183-09dgpp461

Published: September 7, 2009

© 2009 Müller et al.
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Zusammenfassung

Hintergrund: Im Lehrerberuf sind Tauglichkeitsuntersuchungen vor Studienbeginn nicht gesetzlich vorgeschrieben. Ziel der Untersuchung ist die Erfassung von Stimmstörungen bei unterschiedlichen Lehrerberufsgruppen und Erörterung notwendiger Maßnahmen.

Material und Methodik: 20 Hochschuldozenten, 20 Gymnasial- und Mittelschullehrer und 20 Grundschullehrer im Alter von 28–65 Jahren wurden zur Stimmausbildung, subjektiven Stimmbelastung zur (Lehrer-) Selbstwirksamkeitserwartung befragt und die stimmliche Leistungsfähigkeit untersucht.

Ergebnisse: Anamnestisch gaben 36,7% der Lehrer keine, 18,3% bei Infekten und 45% intermittierend oder ständig Stimmprobleme an. 35% der Lehrer erhielten eine Stimmausbildung, 65% empfanden eine starke Stimmbelastung im Beruf. Die 3 Lehrergruppen unterschieden sich nicht in der (Lehrer-) Selbstwirksamkeitserwartung. Die Beurteilung der stimmlichen Leistungsfähigkeit ergab keine, eine geringe oder deutliche Stimmstörung – Hochschullehrer (35/45/20%), Gymnasial- und Mittelschullehrer (50/45/5%), Grundschullehrer (45/30/25%).

Diskussion: Die Untersuchung zeigte bei ca. 50% der Lehrer eine Stimmstörung. Vor einem Lehrerstudium sollte deshalb eine Stimmtauglichkeitsbeurteilung erfolgen. Für Lehrer ist eine Stimmausbildung sinnvoll. Bei auftretenden Beschwerden ist rechtzeitig eine logopädische Behandlung einzuleiten.


Text

Einleitung

Der Lehrerberuf ist mit hohen stimmlichen und psychischen Belastungen verbunden. Eine Studie der Universität Leipzig zeigte, dass 40% der zukünftigen Lehrer Stimmauffälligkeiten haben, 15% mussten behandelt werden [1]. Tauglichkeitsuntersuchungen vor Studienbeginn sind gesetzlich nicht vorgeschrieben. Ziel der Untersuchung ist die Erfassung von Stimmstörungen bei unterschiedlichen Lehrerberufsgruppen und Erörterung notwendiger Maßnahmen.

Material und Methodik

20 Hochschuldozenten, 20 Gymnasial- und Mittelschullehrer und 20 Grundschullehrer im Alter von 28 bis 65 Jahren, darunter 26 männliche (43,4%) und 34 weibliche Probanden (56,6%) wurden zur Wochenstundenzahl, Nikotin, Stimmausbildung, subjektiven Stimmbelastung, zur (Lehrer-)Selbstwirksamkeitserwartung anhand von Stressfragebögen, zur beruflichen Belastung befragt. Die Beurteilung der Stimme erfolgte anhand des auditiven Stimmstatus, des Stimmfeldes (lingwaves Stimmfeld/Phonetogramm Pro-Set), des Stimmbelastungstestes (Lesen über 20 min mit einer Lautstärke von 70 dB), der Klanganalyse eines gehaltenen Vokals /a/ sowie des phonetisch ausgewogenen Textes „Nordwind und Sonne“ mit dem Multidimensional Voice Program des Stimmanalysegerätes Computerized Speech Lab, Modell 4300B (Firma Kay Elemetrics). Laryngoskopischer und stroboskopischer Befund wurden erhoben.

Ergebnisse

Die Wochenstundenzahl betrug für Hochschuldozenten 8 bis 20 Stunden (durchschnittlich 12,6±4,7 h), für Gymnasial- und Mittelschullehrer 11 bis 25 Stunden (durchschnittlich 19,0±3,6 h) und für Grundschullehrer 16 bis 24 Stunden (durchschnittlich 20,3±2,6 h). Die Wochenstundenzahl von Hochschullehrern war im Vergleich zu den anderen beiden Lehrergruppen signifikant niedriger. 13,3% der Lehrer rauchten. Nur 21 (35%) der Probanden erhielten während des Studiums oder unabhängig vom Studium eine Stimmausbildung. Dabei erhielt kein Hochschullehrer, 7(35%) der Gymnasiall-/Mittelschullehrer und 14 (70%) der Grundschullehrer eine Stimmausbildung. 39 (65%) der Lehrer gaben eine subjektive starke Stimmbelastung an. Die 3 Lehrergruppen unterschieden sich nicht signifikant hinsichtlich der Auswertungsergebnisse der Sressfragebögen zur Selbstwirksamkeitserwartung und zur Lehrerselbstwirksamkeitserwartung. Die berufliche Belastung war bei Grundschul-, Gymnasial- und Mittelschullehrern gleich hoch und signifikant höher als bei Hochschullehrern. Anamnestisch gaben 27 Lehrer (45%) intermittierende oder ständige stimmliche Probleme, vor allem Belastungsprobleme und Heiserkeit an. Die Beurteilung der stimmlichen Leistungsfähigkeit ergab keine, eine geringe oder deutliche Stimmstörung – Hochschullehrer (35/45/20%), Gymnasial- und Mittelschullehrer (50/45/5%), Grundschullehrer (45/30/25%). Im Sprechstimmfeld wiesen hinsichtlich der Lautstärkedynamik 7 Hochschullehrer (35%), 6 Gymnasial- und Mittelschullehrer (30%) sowie 3 Grundschullehrer (15%) sicher pathologische Werte auf. Statistisch signifikante Differenzen der Lautstärkedynamik im Vergleich der unterschiedlichen Schultypen fanden sich nicht. Bei 15 (25%) der Probanden wurde am Ende des Stimmbelastungstestes eine Stimmverschlechterung registriert. Der laryngoskopische Befund ergab keinen dichten Glottisschluss bei 9 (45%) Hochschullehrern, 10 (50%) Gymnasial-/Mittelschullehrern und 9 (45%) Grundschullehrern. Bei 32 (53,3%) Probanden bestanden stroboskopische Abweichungen vom Normbefund.

Diskussion

Die Untersuchung zeigte bei ca. 50% der Lehrer eine Stimmstörung. Vor einem Studium für das Lehramt sollte eine Stimmtauglichkeitsbeurteilung gefordert werden. Während des Lehrerstudiums und auch für die Tätigkeit als Hochschullehrer ist eine angemessene Stimmausbildung zu fordern. Bei auftretenden Stimmbeschwerden im Studium und während der Berufstätigkeit sollten rechtzeitig eine Behandlung erfolgen.


Literatur

1.
Lemke S. Die Funktionskreise Respiration, Phonation, Artikulation - Auffälligkeiten bei Lehramtstudierenden. Sprache - Stimme - Gehör 2006;30;24-8.