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21. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI)

Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI)

25.04. - 27.04.2013, Würzburg

Multiple Hirnabszesse und Ventrikulitis durch Scedosporium-Infektion nach Beinahe-Ertrinken

Meeting Abstract

  • corresponding author presenting/speaker M. Hölscher - Universitätsklinikum Essen, Klinik für Kinder- und Jugendmedizin I - Essen, Deutschland
  • E. Tschiedel - Universitätsklinikum Essen, Klinik für Kinder- und Jugendmedizin I - Essen, Deutschland
  • O. Müller - Universitätsklinikum Essen, Klinik für Neurochirurgie - Essen, Deutschland
  • P.-M. Rath - Universitätsklinikum Essen, Institut für Medizinische Mikrobiologie - Essen, Deutschland
  • K. Tintelnot - Robert- Koch- Institut - Berlin, Deutschland
  • C. Dohna-Schwake - Universitätsklinikum Essen, Klinik für Kinder- und Jugendmedizin I - Essen, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie. 21. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI). Würzburg, 25.-27.04.2013. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2013. Doc13dgpi70

doi: 10.3205/13dgpi70, urn:nbn:de:0183-13dgpi709

Published: March 28, 2013

© 2013 Hölscher et al.
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Text

Einleitung: Scedosporium ssp. ist ein Schimmelpilz, der deutlich seltener als Aspergillus ssp. isoliert wird, jedoch ähnliche Infektionen verursachen kann. Bei immunsupprimierten Patienten führt die Inhalation der Pilzsporen zu lokalen Infektionen der Lunge. Abhängig vom Immunstatus kann es bei hämatogener Streuung zu disseminierten Infektionen kommen.

In der Literatur gibt es einige Fallberichte über die durch Scedosporien verursachte ZNS-Infektion nach Beinahe-Ertrinken. Der Erreger, der in Brackwasser, Erdboden und Blumenerde zu finden ist, wird pulmonal aufgenommen und führt sekundär insbesondere zu Hirnabszessen sowie Ventrikulitis.

Fallbericht: Am 10.05.2012 übernahmen wir einen 1,5 Jahre alten Patienten, der zwei Tage zuvor in einem Tümpel aufgefunden wurde, wo er eine unbekannte Zeit lag. Nach insgesamt 1,5-stündiger Reanimation betrug der pH-Wert 6,3 und die Körpertemperatur 29°C. Es erfolgte eine Hypothermiebehandlung für 3 Tage. Bei Verlegung in unsere Klinik war der Patient sediert und zeigte vereinzelte Bewegungen. Im Verlauf entwickelten sich ein hypoxischer Hirnschaden sowie ein ARDS. Einen Monat nach Aufnahme wurde der Patient in eine Rehaklinik verlegt. Dort trat im Juli, zwei Monate nach dem Beinahe-Ertrinken, eine akute neurologische Verschlechterung auf. Bei Wiederaufnahme in unsere Klinik war das Kind soporös mit mittelweiten Pupillen und Streckhaltung der Beine. Das MRT zeigte einen massiven Hydrocephalus, sodass notfallmäßig eine VP-Shuntanlage erfolgte. Im weiteren Verlauf entwickelte der Patient eine massive Ventrikulitis mit multipler zystischer Abszessbildung. Es waren mehrfache Revisionen des VP-Shunts sowie Anlagen externer Ventrikeldrainagen notwendig. Die Abszessformationen auf dem Boden der Ventrikulitis wurden mehrfach endoskopisch gefenstert.

Drei Monate nach Auftreten der Ventrikulitis sowie der intrakraniellen Abszesse, im August 2012, gelang der Nachweis von Scedosporium aurantiacum aus dem Liquor mittels PCR.

In einer daraufhin veranlassten Untersuchung einer Bodenprobe vom Unfallort konnte ebenfalls Scedosporium aurantiacum isoliert werden. Es erfolgt seitdem eine orale antimykotische Therapie mit Voriconazol.

Schlussfolgerung: Es ist davon auszugehen, dass bei dem Patienten im Rahmen des Ertrinkungsunfalls eine pulmonale Aufnahme von Scedosporien erfolgte und die Lungenschädigung im Rahmen des ARDS eine sekundäre Streuung in das ZNS in Form einer Ventrikulitis und massiven Abszedierung begünstigte.


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