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20. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI)

Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI)

19.04. - 21.04.2012, Mannheim

Meningokokken C-Ausbruch nach einer Schulfreizeit mit kardialer und ZNS-Manifestation

Meeting Abstract

  • presenting/speaker Stefanie Schweizer - St. Franziskus Hospital Ahlen, Kinderklinik, Ahlen
  • Gabriela Damm - St. Franziskus Hospital Ahlen, Kinderklinik, Ahlen
  • Kati Augst - St. Franziskus Hospital Ahlen, Kinderklinik, Ahlen
  • Hendrik Staender - St. Franziskus Hospital Ahlen, Kinderklinik, Ahlen
  • Hans-Gerd Kehl - Universitätskinderklinik Münster, Pädiatrische Kardiologie, Münster
  • Carsten Krüger - St. Franziskus Hospital Ahlen, Kinderklinik, Ahlen

Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie. 20. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI). Mannheim, 19.-21.04.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12dgpi47

DOI: 10.3205/12dgpi47, URN: urn:nbn:de:0183-12dgpi472

Published: March 22, 2012

© 2012 Schweizer et al.
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Text

Hintergrund: Invasive Meningokokkenerkrankungen sind in Deutschland selten (385 Fälle in 2010), weisen aber eine hohe Letalität (8%) auf. Meningokokken der Gruppe C (MenC), gegen die ein Impfstoff verfügbar ist, verursachen ca. 22% der Fälle (Letalität dabei 16%). Wir beschreiben einen Ausbruch von invasiven MenC-Infektionen nach einer Schulfreizeit mit ungewöhnlichen klinischen Manifestationen.

Kasuistiken:

Fall 1: Ein 13jähriges Mädchen erkrankte während einer Schulfreizeit mit hohem Fieber (39°C). Am Tag der Rückkehr (Krankheitstag 5) wurde ambulant eine Pneumonie diagnostiziert und eine Therapie mit Erythromycin begonnen. Einen Tag später erfolgte bei Fieber, Schwäche, Tachydyspnoe, Hypotonie und Tachykardie die stationäre Aufnahme in der heimatnahen Kinderklinik. Bei stark erhöhten Entzündungswerten und weiterer klinischer Verschlechterung wurde sonografisch ein ausgeprägter Perikarderguss diagnostiziert. Nach sofortiger Verlegung unter der Verdachtsdiagnose einer eitrigen Perikarditis in ein kinderkardiologisches Zentrum erfolgte dort die Perikardpunktion und Einlage einer Perikarddrainage. 1500 ml Eiter wurden im Verlauf drainiert. Daraus ließen sich MenC (PorA-Sequenztyp 5,2; FetA-Sequenztyp 3-3; Nationales Referenzzentrum für Meningokokken, Universität Würzburg) anzüchten. Andere Kulturen (Liquor, Blut, Pleurerguss) blieben negativ. Unter Antibiogramm-gerechter Therapie mit Cefotaxim, Gentamicin und Clindamycin kam es erneut zu Fieber und einem Rezidiv des Perikardergusses, so dass eine Perikardektomie erforderlich wurde. Danach erholte sich die Patientin rasch (Beendigung der Beatmung und Katecholamintherapie nach insgesamt 5 Tagen), die Entzündung heilte vollständig aus.

Fall 2: Drei Tage nach Aufnahme des ersten Kindes kam es zur stationären Aufnahme einer 13jährigen Mitschülerin, die ebenfalls an der Schulfreizeit teilgenommen hatte. Sie hatte zunächst Symptome eines gastrointestinalen Infektes. Im Lauf des Aufnahmetages trübte die Patientin ein und wurde soporös eingeliefert. Es bestand ein ausgeprägter Meningismus. In der Liquorpunktion zeigte sich der typische Befund einer eitrigen Meningitis, in der Kultur wurden wie beim ersten Kind MenC (PorA-Sequenztyp 5,2; FetA-Sequenztyp 3-3) nachgewiesen. Unter sofortiger Therapie mit Cefotaxim besserte sich die Patientin und war nach 4 Tagen wieder ansprechbar. Im Verlauf erholte sie sich ohne Residuen.

Diskussion: Beide Erkrankungsfälle konnten epidemiologisch schnell und eindeutig einander zugeordnet werden, dies förderte die rasche mikrobiologische Diagnose und gezielte antibiotische Therapie der Kinder. Die beobachtete eitrige Perikarditis ist sehr selten und potenziell lebensbedrohlich, muss jedoch als Differentialdiagnose bei Perikarditiden mit Ergussbildung in Betracht gezogen werden. Beide Erkrankungsfälle wären zudem durch eine MenC-Impfung verhinderbar gewesen, sie unterstreichen die Notwendigkeit der Impfung gegen diesen Erreger auch in Deutschland.