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20. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI)

Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI)

19.04. - 21.04.2012, Mannheim

Säuglingsbotulismus in Deutschland: Verfügbarkeit von humanem Botulismus-Antitoxin zur raschen und effektiven Behandlung – eine Erstbeschreibung

Meeting Abstract

  • presenting/speaker Stefan Schlicht - Kinderklinik Dritter Orden, Pädiatrische Intensivmedizin, München
  • Barbara Kleinlein - Kinderklinik Dritter Orden, Pädiatrische Intensivmedizin, München
  • Steffen Leiz - Kinderklinik Dritter Orden, Neuropädiatrie, München
  • Richard O. Johnson - California Department of Public Health, Infant Botulism Treatment and Prevention Program, Richmond
  • Dirk H. Busch - Institut für Medizinische Mikrobiologie, Immunologie und Hygiene der TUM, München
  • Jochen Peters - Kinderklinik Dritter Orden, Pädiatrische Intensivmedizin, München

Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie. 20. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI). Mannheim, 19.-21.04.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12dgpi30

DOI: 10.3205/12dgpi30, URN: urn:nbn:de:0183-12dgpi303

Published: March 22, 2012

© 2012 Schlicht et al.
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Text

Wir berichten über den ersten dokumentierten Fall eines in Deutschland erfolgreich mit humanem Botulismus-Antitoxin (BabyBIG®, California Department of Public Health) behandelten Patienten mit schwerem Säuglingsbotulismus.

Klinisch zeigte sich bei dem sechs Wochen alten Säugling eine Lähmung fast aller Hirnnerven, eine weitestgehende Lähmung der peripheren Motorik, eine Blasenentleerungsstörung und eine schwere Obstipation. Es kam zur Atemlähmung mit respiratorischer Insuffizienz und Beatmungspflichtigkeit. Die Eltern gaben auf Nachfrage an, wiederholt Honig zur Beruhigung des Kindes in Fencheltee gegeben zu haben.

Wir stellten am Tag nach der stationären Aufnahme die klinische Diagnose eines infantilen Botulismus, trotzdem war es uns aufgrund der gegenwärtigen logistischen Verhältnisse in Deutschland erst am 5. stationären Tag und nur nach maximalen organisatorischen, finanziellen und bürokratischen Anstrengungen möglich, das nachweislich den Krankheitsverlauf deutlich verbessernde humane Antitoxin aus USA zu erhalten und zu verabreichen.

Die rasche komplikationslose Genesung und kurze Verweildauer (Beatmung für 13 Tage und Betreuung auf unserer Intensivstation für 3 Wochen) sehen wir als günstigen Effekt dieser Behandlung an.

Durch Nachweis des Clostridien-Toxins in Stuhl und Serum des Kindes (Referenzdiagnostik in USA bzw. Deutschland), mit Differenzierung als Botulinumtoxin Typ A2, wurde die Diagnose nachträglich labordiagnostisch bestätigt.

Wir empfehlen, die Beschaffung von humanem Botulismus-Antitoxin binnen 24 bis 48 Stunden in Deutschland zu ermöglichen, um für künftige Fälle des seltenen aber lebensbedrohlichen Säuglingsbotulismus die einzige Therapie zu ermöglichen, für die bei frühzeitiger Gabe der therapeutische Nutzen bei geringem Therapierisiko eindeutig belegt ist.