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20. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI)

Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI)

19.04. - 21.04.2012, Mannheim

Aktinomykose mit abszedierender Pneumonie und Pleuraempyem bei einer Jugendlichen

Meeting Abstract

  • presenting/speaker Julia Elenz - Kliniken der Stadt Köln, Kinderklinik Amsterdamerstrasse, Köln
  • Michael Weiss - Kliniken der Stadt Köln, Kinderklinik Amsterdamerstrasse, Köln
  • Katharina Fletcher - Kliniken der Stadt Köln, Kinderklinik Amsterdamerstrasse, Köln
  • Maximilian Kellner - Kliniken der Stadt Köln, Kinderradiologie, Köln
  • Thomas Boemers - Kliniken der Stadt Köln, Kinderchirurgie und Kinderurologie, Köln
  • Lars Neumann - Kliniken der Stadt Köln, Radiologie, Köln
  • Reinhold Cremer - Kliniken der Stadt Köln, Kinderklinik Amsterdamerstrasse, Köln

Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie. 20. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI). Mannheim, 19.-21.04.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12dgpi28

DOI: 10.3205/12dgpi28, URN: urn:nbn:de:0183-12dgpi284

Published: March 22, 2012

© 2012 Elenz et al.
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Hintergrund: Aktinomyzeten, werden heute den grampositiven Bakterien zugeordnet (obligat anaerob wachsende, sporenlose Stäbchenbakterien). Sie kommen in der Erde, aber auch im menschlichen Körper auf Schleimhäuten vor. Als seltene, chronisch verlaufende endogene Infektionskrankheit führen sie zu Abszessen, Fibrose und Fistelbildung der betroffenen Organe. Vor allem des Thorax und Abdomens, von wo sie sich per continuitatem oder hämatogen in alle Organe ausbreiten können. Im Vergleich mit den anderen Spezies vermutet man bei A. meyeri eine größere Tendenz, das Pulmonalsystem zu infizieren. Eine thorakale Aktinomykose kommt in 15-20% der Fälle vor [1]. Meist erfolgt die Infektion durch Aspiration von Speichel. Von den Bronchien ausgehend entsteht die pleurale Aktinomykose durch Ausbreitung über die Lymphwege.

Fallbeispiel: Eine 13-jährige Patientin litt seit 3 Monaten an Gewichtsverlust, trockenem Husten, intermittierenden Fieberschüben, Rückenschmerzen und Verschlechterung des Allgemeinzustands. Bei klinischem Verdacht auf Pneumonie wurde ambulant eine orale antibiotische Therapie mit Cefuroxim und anschließend Ciprofloxacin begonnen.

Trotz einer Röntgenthorax-Aufnahme mit kompletter Verschattung des rechten Lungenunterfeldes und einer dorsal gelegenen flüssigkeitsgefüllten Pneumatozele, zeigte die Patientin laborchemisch nur mäßig erhöhte Entzündungsparameter und eine milde Anämie. Ein Tuberkulintest war unauffällig.

Im MRT des Thorax war eine 637ml große, rechts dorsal gelegene, ellipsoide Flüssigkeitsstruktur zwischen erheblich verdickten Pleurablättern, mit Fistelbildung zum rechten Lungenunterlappen, zu sehen. Nach operativer Therapie durch Thorakotomie mit Spülung der Pleurahöhle, Gewinnung von Material zur mikrobiologischen Diagnostik sowie der Anlage von Thoraxdrainagen, erfolgte die Umstellung auf eine intravenöse Antibiotika-Gabe von Clindamycin, Cefotaxim und Erythromycin.

Mikrobiologisch zeigte sich in der anaeroben Kultur das Wachstum von A. meyeri, so dass nach Antibiogramm mit Clindamycin und Ampicillin/Sulbactam weiter behandelt wurde. Darunter kam es zu rückläufigen Entzündungszeichen und zur Besserung des Allgemeinzustands. Im Kontroll-MRT nach 4 Wochen zeigte sich bei Befundbesserung noch eine 52ml große Flüssigkeitsansammlung, die durch CT-gesteuerte Punktion und Einlage einer Thoraxdrainage therapiert wurde. Die Patientin konnte nach 2 monatigem stationären Aufenthalt entlassen werden. Im Kontroll-MRT nach 6 Monaten zeigte sich eine vollständige Befundnormalisierung. Die antibiotische Therapie wurde über insgesamt 6 Monate fortgesetzt.

Schlussfolgerung: Bei Dyspnoe, trockenem Husten, subfebrilen intermittierenden Fieberschüben und Gewichtsverlust ist bei verdächtigen radiologischen Befunden auch an eine thorakale Aktinomykose zu denken.


Literatur

1.
Bates, M. Thoracic actinomycosis. Thorax. 1957;12:99-124.