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20. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI)

Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI)

19.04. - 21.04.2012, Mannheim

Aseptische Milzabzesse bei einer 15-jährigen Patientin – potentielle Rolle von Anaerobiern

Meeting Abstract

  • presenting/speaker Alexander Jordan - Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Universitätsmedizin Mannheim, Mannheim
  • Maria Dehmel - Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Universitätsmedizin Mannheim, Mannheim
  • Rüdiger Adam - Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Universitätsmedizin Mannheim, Mannheim
  • Metin Sertdemir - Institut für klinische Radiologie und Nuklearmedizin, Universitätsmedizin Mannheim, Mannheim
  • Wolfgang Neff - Institut für klinische Radiologie und Nuklearmedizin, Universitätsmedizin Mannheim, Mannheim
  • Horst Schroten - Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Universitätsmedizin Mannheim, Mannheim
  • Tobias Tenenbaum - Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Universitätsmedizin Mannheim, Mannheim

Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie. 20. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI). Mannheim, 19.-21.04.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12dgpi27

DOI: 10.3205/12dgpi27, URN: urn:nbn:de:0183-12dgpi273

Published: March 22, 2012

© 2012 Jordan et al.
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Text

Einleitung: Abszesse innerhalb des Milzparenchyms stellen eine seltene Erkrankungsentität bei Kindern dar. Sie werde häufig durch infektiöse Erreger wie Anaerobier oder Pilze hervorgerufen. Risikofaktoren sind intraabdominelle Infektionen oder eine Immunsuppression. Aseptische Milzabszesse sind erst kürzlich beschrieben worden und treten vor allem im Zusammenhang mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen auf. Ihr Auftreten ist noch viel seltener.

Fallbericht: Wir berichten über eine 15-jährige Patientin, die sich mit Fieber, Aphthen an der Rachenhinterwand und Schmerzen im Bereich des linken Oberbauchs mit Ausstrahlung in die Schulter in unserer Klinik vorstellte.

Die Fokussuche ergab neben den pharyngealen eitrigen Aphthen sonographisch echoarme Läsionen innerhalb des Milzparenchyms. Eine bei Verdacht auf infektiös bedingte Milzabszesse begonnene antibiotische Therapie mit Cefriaxon und Clindamycin war nicht erfolgreich. Bei fortschreitender Abszedierung war ein Organverlust zu befürchten. In einer diagnostischen Milzpunktion gelang es eitriges Sekret aus einer Läsion zu gewinnen. Mikroskopisch konnten vereinzelt Granulozyten und Detritus, aber keine Bakterien nachgewiesen werden. Die Kulturen aus dem Milzpunktat wie auch die Blutkulturen blieben steril. Auch die 16sRNA-Bestimmung aus dem Punktat sowie die serologische Diagnostik konnten kein auslösendes Agens nachweisen. Eine septische Granulomatose konnte ausgeschlossen werden. Nach Wechsel auf Meropenem und Metronidazol kam es zwar zu einer Verbesserung des Allgemeinzustands der Patientin und zu regredienten Entzündungszeichen, allerdings nahmen die Milzherde songraphisch und im MRT größen- und zahlenmässig zu. Unter der Annahme von aseptischen Milzabszessen wurde eine Therapie mit Glukokortikoiden (zunächst parallel zur antibiotischen Therapie) begonnen. Unter dieser Therapie zeigten sich die Läsionen erstmalig rückläufig und verschwanden schließlich komplett. Zum Ausschluß einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung erfolgten eine Gastro- und Koloskopie, die jeweils ein unauffälliges Ergebnis erbrachten. Die immunsuppressive Glukokortikoid-Therapie konnte im Verlauf ausgeschlichen werden. Im bisher 3-monatigen Follow-up ist die Patientin rezidivfrei.

Diskussion: Bei Auftreten von Abzessen unklarer Ätiologie in soliden Organen müssen neben infektiösen Ursachen auch aseptische Abzesse in Erwägung gezogen werden – insbesondere wenn eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung besteht. Wir spekulieren, ob im vorliegenden Fall eine Anaerobierinfektion als Trigger fungierte und es daher zu einer laborchemischen Verbesserung unter antibiotischer Therapie kam. Aseptische Abzesse benötigen aber letztlich für die Ausheilung eine immunsuppressive Therapie.