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53. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie

Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie

11.10. - 13.10.2012, Lübeck

Möglichkeiten und Indikationen arterialisierter venöser Lappenplastiken an der oberen Extremität

Meeting Abstract

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  • author presenting/speaker Leonard Walle - Klinikum Bielefeld Mitte, Plastische Chirurgie, Bielefeld, Deutschland
  • Hisham Fansa

Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie. 53. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie. Lübeck, 11.-13.10.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12dgh10

DOI: 10.3205/12dgh10, URN: urn:nbn:de:0183-12dgh107

Published: October 9, 2012

© 2012 Walle et al.
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Fragestellung: Erstmals wurden experimentell 1981 (Nakayama et al.) und später klinisch 1987 von Yoshimura et al. arterialisierte venöse Lappenplastiken beschrieben. Vor allem bei Defekten an der Hand und an den Fingern haben die venösen Lappenplastiken ihre Indikation. Aufgrund ihrer „unphysiologischen“ Durchblutung gelten sie allerdings als unsicher und werden selten angewandt. In dieser retrospektiven Arbeit werden die Ergebnisse, Technik und Komplikationen und das Benefit anhand unseres Patientenkollektiv erörtert.

Methodik: Bei entsprechenden Defekten an der Hand und den Fingern führen wir seit 2005 die freien arterialisierten venösen Lappenplastiken durch (bisher 10 Fälle). Der Wundgrund sollte nicht infiziert oder komplett avaskulär sein. Voraussetzung ist eine nah am Defekt liegende Arterie zum Anschluss, sowie die Möglichkeit mindestens einer venösen Abstromanastomose. Zur Einteilung der venösen Lappenplastiken existieren mehrere Klassifikationen, die Bezug auf den venösen Verlauf bzw. der venösen Klappenlage und Anzahl der angeschlossenen Venen des Lappens nehmen. Bei retrogradem arteriellen Einstrom wurde darauf geachtet, dass die erste Venenklappe innerhalb der Lappenplastik liegt. Der venöse Ausstrom wurde immer mit der Venenklappenrichtung (antegrader Ausstrom) geplant. Die postoperative Antikoagulation erfolgte bei allen Patienten mit niedermolekularem Heparin in prophylaktischer Dosierung und thrombozytärer Aggregationshemmung mit 100 mg ASS/d.

Ergebnisse: Mit dem oben genannten Vorgehen und postoperativen Management waren wir in der Lage, die arterialisierten venösen Lappenplastiken erfolgreich einzusetzen. In einem Fall kam es zum Verschluss einer abströmenden Vene, so dass die Lappenplastik nach dem 6. Tag verloren ging. Alle anderen Lappenplastiken heilten primär. Die Mehrzahl der venösen Lappenplastiken war retrograd arterialisiert und erhielt ihre Abstromanastomose antegrad. Eine Besonderheit stellte ein arterialisierter venöser Durchflusslappen zur Defektdeckung dreier Zwischenfingerfurchen an einer Hand dar, der einen Zustrom und drei abführenden Venen beinhaltete.

Schlussfolgerung: Arterialisierte venöse Lappenplastiken eignen sich gut für Defekte an der Hand und den Fingern. Die Vorteile gegenüber homodigitalen Lappenplastiken liegen in der Vermeidung weiterer Hebedefekte in der Nachbarschaft und gegenüber cross-finger Lappen in der Vermeidung einer temporären Syndaktylie. Eine Überlegenheit gegenüber Fernlappenplastiken liegt in der früheren Beübung sowie größere Möglichkeit der Lappenformung in Anbetracht der vorliegenden Anzahl zu nutzender Venen. Zudem entsprechen sie der dünnen und gut formbaren Textur der dorsalen Handhaut und sind ebenfalls sehr gut belastbar und einsetzbar für palmare Hand- und Fingerdefekte.