gms | German Medical Science

52. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie

Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie

06.10. - 08.10.2011, Bonn

5 Jahre Erfahrungen mit einem biodegradierbaren Implantat für kleine Gelenke an Hand und Fuß

Meeting Abstract

Search Medline for

  • corresponding author presenting/speaker Burkhard Mai - Vitos Orthopädische Klinik Kassel, Rheumaorthopädie, Kassel, Deutschland
  • Sabine Mai

Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie. 52. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie. Bonn, 06.-08.10.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dgh08

DOI: 10.3205/11dgh08, URN: urn:nbn:de:0183-11dgh081

Published: October 5, 2011

© 2011 Mai et al.
This is an Open Access article distributed under the terms of the Creative Commons Attribution License (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.en). You are free: to Share – to copy, distribute and transmit the work, provided the original author and source are credited.


Outline

Text

Einleitung: Die rheumatoide Arthritis, die fortgeschrittene Arthrose und andere Erkrankungen aus dem rheumatischen Formenkreis können zu schweren Veränderungen bis hin zu Mutilationen der Gelenke an den Händen und Füßen führen. Zur chirurgischen Behandlung sind historisch verschiedene Resektionsarthroplastiken beschrieben, oft wird gelenknahes Bindegewebe wie zum Beispiel Kapselstreifen oder auch Sehnen als Interponat verwendet. Bis heute hat sich letztlich nur die Resektionsinterpositionsarthroplastik am CMC I Gelenk bewährt. Daneben werden seit 1974 weltweit Spacer aus Silastik (Swanson Prothesen) eingesetzt. Allerdings haben sich diese Implantate nicht immer bewährt, wie wiederholt in der Literatur beschrieben. Scharfe Knochenkanten können das Implantat einschneiden, das Silikon kann bei längerer Standzeit brechen und es werden durch Abrieb verursachte Osteolysen um das Implantat gesehen. Diese Nachteile der Silikonimplantate haben dazu geführt, dass ständig nach neuen Materialien und Implantaten geforscht wird. Inzwischen gibt es eine Vielzahl von Endoprothesen für Gelenke an der Hand. Ein ideales Implantat hat sich noch nicht herauskristallisiert. Auch für den Hallux rigidus gibt es noch keine zufrieden stellende Gelenk erhaltende Langzeitlösung.

Material und Methode: In Zusammenarbeit mit dem Institut für Biomaterialien der Technischen Universität in Tampere und der Firma Bionx (jetzt Linvatec) wurden Scaffolds aus dem bekannten poly-L/D-lactide copolymer mit L/D-monomer ratio 96/4 (PLDLA) entwickelt. Dieses hat poröse Zylinderstrukturen, in die das körpereigene Gewebe einwachsen und so ein funktionelles Gelenk formen kann. Die PLDLA-Filamente behalten in vitro 50% ihrer Festigkeit noch nach 13 Wochen, lang genug für das Einwachsen und Strukturieren von körpereigenem Gewebe. Das Scaffold wird in ca. 2-3 Jahren vollständig resorbiert und durch Bindegewebe ersetzt. Eine in Finnland dazu durchgeführte Studie zeigt bisher gute Ergebnisse. Das Produkt wird jetzt CE zertifiziert. Die industrielle Fertigung wurde kürzlich in Finnland aufgenommen. 2003 begann eine prospektive randomisierte internationale Multicenterstudie, die von der Europäischen Kommission subventioniert wurde. Es wurden die damals noch nicht CE-zertifizierten neuen Implantate an Händen (CMC I, MCP) sowie an Zehengrundgelenken eingesetzt und mit den bisherigen Standards (Swanson Prothese, Resektionsarthroplastik, Arthrodese) verglichen. Die PIP und DIP Gelenke gingen im Rahmen einer Beobachtungsstudie mit ein.

Ergebnisse: Seit April 2004 wurden in der Vitos Orthopädischen Klinik Kassel 162 Patienten in die Studie eingeschlossen. Es wurden an 110 Patienten 154 Gelenke an der Hand operiert. Dabei wurden 100 Scaffolds eingesetzt. Am DIP und PIP Gelenk verbleibt mit dem Scaffold eine brauchbare Restbeweglichkeit mit Streckdefizit und häufiger Seitenbandinstabilität. Dabei können Achsdeviationen auftreten, die in einigen Fällen zur Revision geführt haben. Beim MCP Gelenk sind die Ergebnisse in der Funktion vergleichbar mit Swansonprothesen mit allerdings gelegentlich schlechterer Beeinflussung der präoperativen volaren Subluxationstendenz. Am CMC I Gelenk findet sich ein geringer Kraftgewinn gegenüber der reinen Resektions-Suspensions-Arthroplastik mit hervorragenden Ergebnissen. An den Großzehengrundgelenken scheint die Scaffoldimplantation eine echte Alternative zur bewährten Arthrodese zu sein mit Erhalt einer funktionell brauchbaren Restbeweglichkeit und Kraft unter Vermeidung typischer Komplikationen der Hartmaterialendoporothesen und Swanson Spacer. An allen Gelenken berichten die Patienten über eine wesentliche Verbesserung der Schmerzen und erreichen meistens sogar Schmerzfreiheit. Die Patienten werden weiterhin verfolgt. Wir werden über die letzten Ergebnisse berichten.

Zusammenfassung: Bei Zerstörungen kleiner Gelenke durch Arthrose oder Rheumatoide Arthritis sind die bisherigen operativen Verfahren nicht immer zufrieden stellend. Das neue bioresorbierbare Implantat aus einem Polylactid ist vielversprechend insbesondere am CMC I und MTP I Gelenk. Es wird 2011 CE-zertifiziert. Ob in der Langzeitbeobachtung bisher noch nicht beobachtete Folgeprobleme auftreten werden, bleibt abzuwarten.