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51. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie

Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie

07.10.- 09.10.2010, Nürnberg

Systematische Literaturrecherche und Metaanalyse zur Ätiopathogenese der Mondbeinnekrose – ein Hinweis auf die Notwendigkeit verstärkter Forschungsanstrengungen

Meeting Abstract

  • corresponding author presenting/speaker Stéphane Stahl - BG Unfallklinik Tübingen, HPRV, Tübingen, Deutschland
  • Cristiana Meisner
  • Oliver Luz
  • Matthias Pfau
  • H.-P. Schlemmer
  • Hans-Eberhard Schaller

Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie. 51. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie. Nürnberg, 07.-09.10.2010. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. Doc10dgh15

DOI: 10.3205/10dgh15, URN: urn:nbn:de:0183-10dgh154

Published: September 16, 2010

© 2010 Stahl et al.
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Fragestellung: Eine systematische Literaturübersicht wurde durchgeführt um die diskutierten ätiopathogenetischen Hypothesen der Mondbeinnekrose und die Qualität der veröffentlichten Literatur zu untersuchen. Eine Kausalitätsbeziehung der untersuchten Faktoren wurde nach den Kriterien von Hill überprüft.

Methodik: Es wurde eine systematische Pubmed-Recherche durchgeführt gestützt von einer umfassenden Recherche aus den Literaturverzeichnissen, aus internationalen Kongressbeiträgen und aus Bibliographien der Universitätsbibliothek Tübingen um Veröffentlichungen zur Ätiopathogenese der Mondbeinnekrose seit ihrer Erstbeschreibung bis Mai 2010 zu untersuchen. 129 wissenschaftliche Beiträge wurden nach den Kriterien Evidenz basierter Medizin analysiert.

Ergebnisse: Es fanden sich 17 präklinische oder anatomische Studien, 17 Expertenmeinungen oder Reviews, 39 Fallberichte (bis zu 3 klinische Fälle), 39 Fallserien (mindestens 4 klinische Fälle), 14 Fall-Kontroll-Studien, 2 systematische Literaturübersichten und eine Metaanalyse. Die am häufigsten diskutierten ätiopathogenetischen Faktoren sind die negative Ulnavariante (n=38), gefolgt von der Annahme einer arteriellen Minderperfusion (n=29), Hand-Arm-Vibration (n=21) und Trauma (n=21). Eine Metaanalyse von 4 Fall-Kontroll-Studien zur negativen Ulnavariante und 4 Fall-Kontroll-Studien zu Hand-Arm-Vibration konnten keine signifikante Assoziation mit der Kienböck'schen Erkrankung feststellen. Eine systematische Literatur-Übersicht zur arteriellen Perfusion und der Trauma Hypothese zeigt, dass es an einer wissenschaftlich begründbaren Assoziation mit der Kienböck'schen Erkrankung ermangelt.

Schlussfolgerung: Basierend auf eine umfangreichen systematische Literaturübersicht und Metaanalyse der Hypothesen der Ätiopathogenese der Mondbeinnekrose muss festgestellt werden, dass bislang kein valider wissenschaftlicher Nachweis erbracht wurde um einen Kausalzusammenhang zu begründen. 100 Jahre nach Kienböck sind weitere Forschungsanstrengungen dringend notwendig um die Ursachen der Mondbeinnekrosen zu ermitteln.

Abbildung 1 [Abb. 1], Abbildung 2 [Abb. 2], Abbildung 3 [Abb. 3]