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50. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie

Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie

08.10.- 10.10.2009, Tübingen

Rekonstruktionen nach 8-Finger-Amputation – eine Verlaufsbeobachtung über dreieinhalb Jahre

Meeting Abstract

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  • corresponding author presenting/speaker Hans-Georg Damert - Uniklinik Magdeburg, Plastische, Ästhetische und Handchirurgie, Magdeburg, Deutschland
  • Silke Altmann

Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie. 50. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie. Tübingen, 08.-10.10.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. Doc09dgh85

DOI: 10.3205/09dgh85, URN: urn:nbn:de:0183-09dgh858

Published: October 5, 2009

© 2009 Damert et al.
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Fragestellung: Amputationsverletzungen einzelner oder mehrerer Finger sind in einem handchirurgischen Zentrum im Rahmen von Freizeit- oder Berufsunfällen nicht selten. Je nach Verletzungsmuster gestaltet sich die Replantation unterschiedlich schwierig. Ein Misserfolg der Replantation einzelner Finger kann ggf. durch die restlichen Finger kompensiert werden, den Daumen ausgenommen. Doch bei Verlust sämtlicher Langfinger ohne die Möglichkeit der Replantation auch nur eines Fingers, stellt dies eine große Aufgabe für den Chirurgen und auch den Patienten dar. Schon bei der Erstversorgung müssen weitere operative Rekonstruktionsmöglichkeiten bedacht werden. Viele weitere Schritte mit dem Ziel der Funktionsverbesserung/-wiederherstellung folgen in der Regel.

Methodik: Ein 38-jähriger Patient erlitt im März 2006 im Rahmen eines Arbeitsunfalls eine Rissquetsch-Amputation der 8 Langfinger in einer Presse. Lediglich die beiden Daumen blieben erhalten. Durch ein Decollement bestanden Weichteildefekte an beiden Händen ab Höhe der Mittelhand mit teilweise verbliebenen knöchernen Grundgliedern. Die Sehnen der Finger waren größtenteils muskulär am Unterarm ausgerissen. Kein Langfinger konnte replantiert werden!

Ergebnisse: Zur Weichteildeckung wurde primär links ein Leistenlappen und rechts eine Muffplastik angelegt. Die linke Hand konnte nach 3 Wochen und die rechte Hand, nach einem Delay in der 3. Woche, eineinhalb Wochen später herausgelöst werden. Nach zwischenzeitiger Gewichtszunahme erfolgte in Vorbereitung auf die Fingerausformung, eine beidseitige Lappenausdünnung. In fünf weiteren Operationen wurden, ähnlich einer Syndaktylietrennung, an den Fingerstrahlen die Interdigitalfalten ausgebildet. Die Greiffunktion konnte an beiden Händen wieder so hergestellt werden, dass der Patient u.a. die Schreibfähigkeit wieder erlangen konnte. Der Grobgriff ist befriedigend, der Patient mit der wiedererlangten Funktion aber zufrieden. Gelegentlich kommt es zu Verbrennungen oder Verletzungen in den asensiblen Hautarealen. Seit Anfang 2008 arbeitet der Patient wieder in seinem Betrieb, allerdings übt er nun eine Bürotätigkeit aus.

Schlussfolgerung: Die Rekonstruktion nach 8-Finger-Amputation ist eine große Herausforderung für den plastischen- oder Handchirurgen. Sie bedarf zur Planung und Ausführung der operativen und rehabilitativen Maßnahmen großer Erfahrung und einer guten Zusammenarbeit mit dem Patienten. Um eine für beide Seiten akzeptable Funktion wieder zu erlangen sind viele Operationsschritte notwendig. Die Wiedereingliederung in das Berufsleben stellt für alle einen großen Erfolg dar. Der o.g. Verlauf kann mit vielen Bildern veranschaulicht werden.