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3. Wissenschaftlicher Kongress der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen e. V. (DGESS)

Deutsche Gesellschaft für Essstörungen e. V.

23.02. - 25.02.2012, Hannover

Prävalenz von Essstörungen bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland: Ergebnisse einer großen deutschen Krankenkasse

Meeting Abstract

  • corresponding author presenting/speaker Charlotte Jaite - Charité-Universitätsmedizin Berlin, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Berlin, Deutschland
  • author Falk Hoffmann - Universität Bremen, Zentrum für Sozialpolitik, Bremen, Deutschland
  • Gerd Glaeske - Universität Bremen, Zentrum für Sozialpolotik, Bremen, Deutschland
  • author Christian J. Bachmann - Charité-Universitätsmedizin Berlin, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Berlin, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Essstörungen e.V. (DGESS). 3. Wissenschaftlicher Kongress der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen. Hannover, 23.-25.02.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12dgess068

DOI: 10.3205/12dgess068, URN: urn:nbn:de:0183-12dgess0683

Published: February 8, 2012

© 2012 Jaite et al.
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Hintergrund: Aussagen über die Prävalenz von Essstörungen bei Kindern und Jugendlichen im ambulanten Setting sind aufgrund einer schmalen Datenlage nur eingeschränkt möglich.

Ziel der vorliegenden Studie ist daher zu untersuchen, wie häufig Essstörungen und damit einhergehende komorbide psychiatrische Störungen im ambulant ärztlichen Bereich bei Kindern und Jugendlichen diagnostiziert werden und inwieweit Unterschiede in Abhängigkeit von Alter und Geschlecht bestehen.

Methodik: Die Auswertung erfolgte auf der Grundlage von Routinedaten der Gmünder ErsatzKasse (GEK) aus dem Jahr 2009. Die GEK als eine bundesweit tätige gesetzliche Krankenkasse fusionierte zum 1. Januar 2010 mit der Barmer (BarmerGEK). Auf der Basis dieser Daten wurde eine Querschnittsstudie durchgeführt. Das Studienkollektiv bildeten Kinder und Jugendliche im Alter von 10 bis 21 Jahren, die in jedem Quartal des Kalenderjahres 2009 mindestens einen Tag versichert waren.

Hierzu musste im ambulant ärztlichen Sektor mindestens einmal im Jahr 2009 eine der folgenden ICD-10 Diagnosen kodiert worden sein: Anorexia nervosa (ICD-10: F50.0), atypische Anorexia nervosa (F50.1), Bulimia nervosa (F50.2), atypische Bulimia nervosa (F50.3), Essattacken bei anderen psychischen Störungen (F50.4), Erbrechen bei anderen psychischen Störungen (F50.5) oder Sonstige (F50.8, F50.9).

Ergebnisse: Insgesamt waren 248.558 Kinder und Jugendliche (männlich: 50.3%, weiblich: 49.7%; Mage: 15.8, SD: 3.5) mindestens an einem Tag jeden Quartals des Kalenderjahres 2009 versichert. 1.404 (0.56%) der Patienten (männlich: 20.1%, weiblich: 79.9%) erfüllten die Kriterien für mindestens eine Essstörungsdiagnose nach ICD-10 (F50.0: 23.8%, F50.1: 2.8%, F50.2: 16.7%, F50.3: 3.1%; F50.4: 4.7%, F50.5: 0.2%, F50.8/F50.9: 67.1%). Die Diagnose einer Anorexia nervosa (AN; F50.0) wurde am häufigsten in der Altersgruppe der 13- bis 15-Jährigen (n=80 (28.3%)) im Vergleich zu den 10- bis 12-Jährigen (n=16 (8.5%)), den 16- bis 18-Jährigen (n=105 (25.7%)) und der Altersgruppe der 19- bis 21-Jährigen (n=133 (25.4%) vergeben. Zusätzlich erfüllten 44 (55.0%) der 13- bis 15-jährigen AN-Patienten die Kriterien für mindestens eine komorbide psychiatrische Störung nach ICD-10. Die Diagnose einer Bulimia nervosa (BN; F50.2) wurde dagegen am häufigsten in der Altersgruppe der 19- bis 21-Jährigen (n=142 (27.2%)) vergeben. Mindestens eine komorbide psychiatrische Störung nach ICD-10 wiesen 99 (69.7%) der 19- bis 21-jährigen BN-Patienten auf.