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3. Wissenschaftlicher Kongress der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen e. V. (DGESS)

Deutsche Gesellschaft für Essstörungen e. V.

23.02. - 25.02.2012, Hannover

Der Einfluss von Persönlichkeitspathologie auf den Verlauf der Anorexia Nervosa im Jugendalter: empirische Ergebnisse und Ausblick

Meeting Abstract

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Deutsche Gesellschaft für Essstörungen e.V. (DGESS). 3. Wissenschaftlicher Kongress der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen. Hannover, 23.-25.02.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12dgess055

DOI: 10.3205/12dgess055, URN: urn:nbn:de:0183-12dgess0552

Published: February 8, 2012

© 2012 Sevecke et al.
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Hintergrund: In diesem Vortrag soll eine derzeit laufende Follow-up-Studie zur Anorexia Nervosa sowie Ergebnisse zum ersten Erhebungszeitpunkt vorgestellt werden. Ziel ist, den Einfluss von Persönlichkeitspathologie auf die Schwere der Beeinträchtigung und den weiteren Krankheitsverlauf in einer Stichprobe stationär behandelter weiblicher Jugendlicher mit Anorexia Nervosa zu untersuchen.

Methodik: Untersucht wurden bis jetzt 60 auf der Jugendstation behandelte anorektische Mädchen zwischen 14 und 19 Jahren (M=15,88; SD=1,5). Die Jugendlichen wurden mit einem strukturierten klinischen Interview zur Erfassung von Persönlichkeitsstörungen nach DSM-IV [1] interviewt, wobei die erfassten persönlichkeitspathologischen Kriterien kategorial und dimensional ausgewertet wurden. Darüber hinaus wurde ein Selbstbeurteilungsfragebogen zur dimensionalen Erfassung von Persönlichkeitspathologie [2] eingesetzt, der in unserer Arbeitsgruppe für das Jugendalter validiert wurde. Neben deskriptiven Berechnungen zum Vorliegen von Persönlichkeitspathologie wurde eine Regressionsanalyse zur Erfassung des Einflusses von persönlichkeitspathologischen Dimensionen auf den Globalwert sozialer Beeinträchtigung (MAS VI) durchgeführt.

Ergebnisse: Hypothesengemäß fand sich in der vorliegenden Stichprobe ein erhöhtes Vorkommen der sozial-vermeidenden, der zwanghaften und der Borderline- Persönlichkeitsstörung. Entsprechende Ergebnisse waren mittels kategorialer und dimensionaler Diagnostik zu ermitteln. Den stärksten Einfluss auf den Globalwert sozialer Beeinträchtigung hatten die paranoiden und die histrionischen persönlichkeitspathologischen Dimensionen.

Diskussion: Dieses Resultat verweist darauf, dass bei Jugendlichen mit Anorexia Nervosa, ähnlich wie aus dem Erwachsenenalter bekannt, ein erhöhtes Vorkommen bestimmter Persönlichkeitsstörungen vorzufinden ist. Zudem sprechen erste Resultate für den Einfluss paranoider und histrionischer Persönlichkeitsanteile auf die psychosoziale Gesamtbeeinträchtigung von Jugendlichen mit Anorexia Nervosa. Die vorliegenden Resultate werfen die Frage auf, inwiefern sich Auffälligkeiten im Bereich der Persönlichkeitspathologie auf den Verlauf der Behandlung der Anorexia Nervosa im Jugendalter auswirken können. Dies soll diskutiert werden.


Literatur

1.
Loranger AW. International Personality Disorder Examination, IPDE. 2001.
2.
Livesley WJ, et al. Dimensional Assessment of Personality Pathology, DAPP-BQ. 1998.