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3. Wissenschaftlicher Kongress der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen e. V. (DGESS)

Deutsche Gesellschaft für Essstörungen e. V.

23.02. - 25.02.2012, Hannover

Psychosoziale Prädiktoren von Essanfällen im Kindesalter

Meeting Abstract

  • corresponding author presenting/speaker Anja Hilbert - Universität Leipzig, IFB AdipositasErkrankungen, Leipzig, Deutschland
  • Dominik Schöbi - Universität Fribourg, Fribourg, Schweiz
  • Julia Czaja - Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Lübeck, Deutschland
  • Andrea Sabrina Hartmann - Massachussetts General Hospital, Harvard Medical School, Boston, Vereinigte Staaten

Deutsche Gesellschaft für Essstörungen e.V. (DGESS). 3. Wissenschaftlicher Kongress der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen. Hannover, 23.-25.02.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12dgess032

DOI: 10.3205/12dgess032, URN: urn:nbn:de:0183-12dgess0323

Published: February 8, 2012

© 2012 Hilbert et al.
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Hintergrund: Ziel der vorliegenden Studie ist es, Stabilität und psychosoziale Aufrechterhaltungsfaktoren von Essanfällen im Kindesalter aufzuklären.

Methodik: Kinder mit Essanfällen (Loss of Control Eating) und dazu gematchte Kinder ohne Essanfälle wurden zu fünf Messzeitpunkten über einen zweijährigen Follow-up-Zeitraum hinweg mit Hilfe von Interviews und Selbstbeurteilungsfragebögen untersucht (N=120).

Ergebnisse: Deskriptive Analysen zeigten bei 71% der Kinder eine Remission von Essanfällen, bei 13% persistierende Essanfälle und bei 16% ein fluktuierendes Verlaufsmuster. Die Kontrollkinder ohne Essanfälle berichteten in 19% der Fälle von einem ersten Auftreten von Essanfällen. Multilevel-Analysen zeigten, dass stärkere Figursorgen die Auftrittswahrscheinlichkeit von Essanfällen vorhersagen (between-person level). Auf der individuellen Ebene jedoch wurden Essanfälle durch eine Abnahme an Figursorgen und eine Zunahme an Depressivität seit dem vorhergehenden Messzeitpunkt vorhergesagt (within-person level). Weitere Prädiktoren von Essanfällen waren vermehrte gewichtsbezogene Hänseleien und eine geringere Empathie zur Baseline. Persistierende und fluktuierende Essanfälle prädizierten eine stärkere Essstörungspsychopathologie und eine syndromale oder subsyndromale Binge-Eating-Störung. Die Zunahme des Body-Mass-Index unterschied sich zwischen Kindern mit versus ohne Essanfälle nicht signifikant (1.08 kg/m2 vs. 0.79 kg/m2 pro Jahr), war aber bei fluktuierendem Verlauf von Essanfällen signifikant größer als bei Remission von Essanfällen.

Diskussion: Die Ergebnisse zeigen eine geringe Stabilität von Essanfällen im Kindesalter. Jedoch waren persistierende oder wiederauftretende Essanfälle mit einem erhöhten Risiko für psychische Symptome und eine stärkere Zunahme des Body-Mass-Index über die Zeit hinweg assoziiert. Negativere körperbezogene Erfahrungen, Schwierigkeiten im Erkennen sozialer Signale und Abnahmen in der essstörungspezifischen und allgemeinen Kontrolle können zur frühen Identifikation von Kindern mit Essanfällen, deren Risiko für psychische Aufälligkeiten erhöht ist, genutzt werden.