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3. Wissenschaftlicher Kongress der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen e. V. (DGESS)

Deutsche Gesellschaft für Essstörungen e. V.

23.02. - 25.02.2012, Hannover

Was leisten bildgebende Verfahren für das Verständnis von Behandlungseffekten der juvenilen Anorexia nervosa?

Meeting Abstract

  • corresponding author presenting/speaker Kerstin Konrad - LFG Klinische Neuropsychologie des Kindes- und Jugendalter, Aachen, Deutschland
  • author Verena Mainz - LFG Klinische Neuropsychologie des Kindes- und Jugendalter, Aachen, Deutschland
  • author Martin Schulte-Rüther - LFG Klinische Neuropsychologie des Kindes- und Jugendalter, Aachen, Deutschland
  • author Beate Herpertz-Dahlmann - Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters, Aachen, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Essstörungen e.V. (DGESS). 3. Wissenschaftlicher Kongress der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen. Hannover, 23.-25.02.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12dgess024

DOI: 10.3205/12dgess024, URN: urn:nbn:de:0183-12dgess0244

Published: February 8, 2012

© 2012 Konrad et al.
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Hintergrund: Im Akutstadium der Starvation zeigen Patientinnen mit Anorexia nervosa (AN) eine ausgeprägte kortikale Atrophie. Jedoch wissen wir bislang sehr wenig über die funktionelle Relevanz dieses Substanzverlustes bzw. über die Reversibilität und prognostische Relevanz solcher hirnstrukturellen Veränderungen. Im Rahmen des Projektes sollen die Daten einer vom BMBF geförderten Längsschnittstudie bei juveniler AN vorgestellt werden, in der Psychotherapieforschung mit bildgebenden Verfahren kombiniert wurde.

Methodik: Mädchen im Alter von 12 bis 18 Jahren, die sich erstmalig wegen einer AN in stationäre Behandlung begaben, wurden über vier Messzeitpunkte (bei Aufnahme (T1), bei Entlassung (T2), nach 1 Jahr (T3) und nach 2,5 Jahren (T4)) ausführlich neuropsychologisch sowie mit strukturellem und funktionellem MRT untersucht.

Ergebnisse: Es zeigte sich zum Zeitpunkt T1 eine ausgeprägte Reduktion der grauen Substanz in der Patientengruppe, die jedoch bereits nach kurzfristiger Gewichtsrehabilitation zum Zeitpunkt T2 weitestgehend normalisiert war. Auf neuropsychologischer Ebene fanden sich bei den Patientinnen lediglich im Akutstadium der Erkrankung diskrete Defizite bei komplexen expliziten Lernleistungen, beim impliziten Lernen sowie ein fehlervermeidender, langsamer Reaktionsstil bei Set-Shifting-Aufgaben. Diejenigen Patientinnen, die einen schlechteren klinischen Verlauf zeigten, wiesen insbesondere abweichende Aktivierungsmuster im Theory-of-mind-Netzwerk auf.

Diskussion: Abweichend von Studien im Erwachsenalter zeigte sich in unserer Adoleszentenstichprobe eine hohe neuronale Plastizität mit relativ rascher Rückbildung der kortikalen Atrophie nach Gewichtsrehabilitation, diskreten neurokognitiven Defiziten und lediglich milden Auffälligkeiten beim Set-Shifting. Weitergehende Studien sind notwendig, um die Frage zu klären, ob zusätzliche spezifische Interventionen für Jugendliche mit AN mit ausgeprägten neuronalen Dysfunktionen zu einem verbesserten langfristigen Verlauf führen können.