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129. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

24.04. - 27.04.2012, Berlin

Deutliche Reduktion der frühen Immunsuppression verbessert signifikant das Outcome nach Lebertransplantation bei Patienten mit Hoch-MELD Leberzirrhose

Meeting Abstract

  • Arno Kornberg - Klinikum rechts der Isar, Chirurgie, München
  • Ulrike Witt - Klinikum rechts der Isar, Chirurgie, München
  • Alexander Novotny - Klinikum rechts der Isar, Chirurgie, München
  • Peter Büchler - Klinikum rechts der Isar, Chirurgie, München
  • Michael Blobner - Klinikum rechts der Isar, Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin, München
  • Helmut Friess - Klinikum rechts der Isar, Chirurgie, München

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 129. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 24.-27.04.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12dgch156

DOI: 10.3205/12dgch156, URN: urn:nbn:de:0183-12dgch1561

Published: April 23, 2012

© 2012 Kornberg et al.
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Einleitung: Die Lebertransplantation (LTX) bei Patienten mit Hoch-MELD (> 30) Leberzirrhose hat ein z.T. desaströses Outcome mit 1-Jahresüberlebensraten von unter 50%. Ursache dafür sind meist schwere postoperative septische Komplikationen. Der prognostische Stellenwert der Immunsuppression bei diesen Hoch-Risiko-Patienten wurde bisher nicht beschrieben.

Material und Methoden: Zwischen Januar 2007 und Mai 2011 wurden insgesamt 44 Patienten mit einer Hoch-MELD Zirrhose zur LTX gelistet. Letztlich gelangen 26 Patienten zur Transplantation. In einer 1. Phase bis April 2010 (Tx-Periode 1; n=15) erfolgte die zentrumsübliche Triple-Standard-Immunsuppression mit Tacrolimus ab Op-Tag (Zielspiegel: 12-15ng/ml) sowie MMF (max. 2000mg/Tag) und Prednisolon. Transplantatabstoßungen wurden mittels Prednisolon-Bolusgaben therapiert. In einer 2. Phase ab Mai 2010 (Tx-Periode 2, n=12) wurde die Immunsuppression auf ein Dualregime (verzögerte Tac. Gabe ab Tag 1-2 postOp., Zielspiegel: 2-5ng/ml) plus Prednisolon reduziert. Als Antirejektionstherapie erfolgte lediglich eine Modulation des CNI. Der Einfluss dieser Immunmodulation sowie weiterer klinischer Faktoren auf das Überleben wurde analysiert.

Ergebnisse: Das mittlere Patientenalter bei LTX lag bei 56,5 Jahren, der mittlere MELD Score bei 37,5 (30-40). Das 3- und 12 Jahres-Gesamt-Überleben der Population lag bei 84% und 56%. Einfluss auf das Überleben hatte das höhere Patientenalter, die Risikotrias „Beatmung, Katecholamine, Dialyse“ sowie der postoperative Peak-Tac-Spiegel (P < 0,05). Die Mortalität war v.a. Folge septischer Komplikationen. In Tx-Periode 2 war das 12-Monatsüberleben mit 100% signifikant besser als in der Tx-Periode 1 (40%; log rank = 0,008). Es zeigte sich ein signifikanter Unterschied im postoperativen Peak-Tac-Spiegel zwischen beiden Populationen (18,3 ng/ml versus 9,9 ng/ml). Kein signifikanter Unterschied zeigte sich dagegen im Risikoprofil der Empfänger sowie im „Donor Risk Index“.

Schlussfolgerung: Wir konnten erstmalig demonstrieren, dass bei Patienten mit Hoch-MELD Leberzirrhose durch eine deutliche Reduktion der frühen Immunsuppression die Prognose signifikant verbessert werden kann, ohne das immunologische Risiko zu erhöhen.