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129. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

24.04. - 27.04.2012, Berlin

Einfluss der Mycophenolat Mofetil-Dosierung auf die Harnwegsinfektionsrate nach Nierentransplantation

Meeting Abstract

  • Jens Peter Hölzen - Universitätsklinikum Münster, Klinik und Poliklinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, Münster
  • Birgit Wigger - Universitätsklinikum Münster, Klinik und Poliklinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, Münster
  • Barbara Suwelack - Universitätsklinikum Münster, Innere Medizin D, Münster
  • Linus Kebschull - Universitätsklinikum Münster, Klinik und Poliklinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, Münster
  • Daniel Palmes - Universitätsklinikum Münster, Klinik und Poliklinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, Münster
  • Heiner Wolters - Universitätsklinikum Münster, Klinik und Poliklinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, Münster

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 129. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 24.-27.04.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12dgch153

DOI: 10.3205/12dgch153, URN: urn:nbn:de:0183-12dgch1539

Published: April 23, 2012

© 2012 Hölzen et al.
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Text

Einleitung: Harnwegsinfektionen gehören zu den häufigsten Infektionen nach Nierentransplantationen und stellen einen prognostischen Faktor dar. Ziel dieser retrospektiven Studie ist ein Vergleich zwischen einem Hochdosis-Mycophenolat Mofetil (MMF)- und einem Niedrigdosis-MMF-Regime in Hinblick auf die Inzidenz von Harnwegsinfekten, die Rejektionsrate und Nierenfunktion im ersten Jahr nach Nierentransplantation.

Material und Methoden: Bei der Studie handelt es sich um eine retrospektive Kohortenstudie mit insgesamt 299 Fällen im Zeitraum 2004-2009. Eingeschlossen wurden volljährige ersttransplantierte Empfänger mit einer Dreifach-Immunsuppression bestehend aus Tacrolimus, Steroiden und zwei verschiedenen MMF-Dosierungen: Die Patienten der ersten Gruppe erhielten eine hohe MMF-Dosis von 2g/Tag (HD), die Patienten der zweiten Gruppe eine niedrige Dosis von 1g/Tag (ND). Beobachtungszeitraum waren 12 Monate. In beiden Gruppen wurde die Immunsuppression gleichermaßen schrittweise reduziert.

Ergebnisse: 129 Patienten erhielten initial 2g MMF/Tag (HD), 170 Patienten 1g MMF/ Tag (ND). Beide Gruppen unterscheiden sich nicht hinsichtlich der demographischen Parameter, der Delayed Graft Function, Rejektionsrate und Transplantatfunktion. Nach 12 Monaten beträgt das durchschnittliche Serum-Kreatinin 1,8 mg/dl (HD) bzw. 1,7 mg/dl (ND). Die Inzidenz für Harnwegsinfektionen ist in der HD-Gruppe zu jedem Zeitpunkt signifikant größer als in der ND-Gruppe. Innerhalb des ersten Monats bestanden bei 34,6% der Patienten in der HD-Gruppe und bei 14,7% (ND) Harnwegsinfektionen; bis einschl. des 3. Monats 42,3% (HD) vs. 28,3% (ND); bis einschl. des 6. Monats 50,8% (HD) vs. 36,9% (ND) und bis einschl. des 12. Monats 54,6 % (HD) vs. 39,4% (ND); p jeweils < 0,05. Bezüglich des Keimspektrums treten am häufigsten gram-negative Bakterien auf (59,3% HD vs. 65,2% ND). Dominierend sind E. Coli (44% HD vs. 47,8% ND). Gram-positive Bakterien werden zu 39% in der HD-Gruppe und zu 30,4% in der ND-Gruppe nachgewiesen.

Schlussfolgerung: Im ersten Jahr nach Nierentransplantation führt die niedrige MMF-Dosierung von 1g/Tag zu einer signifikant geringeren Rate an Harnwegsinfektionen bei vergleichbarer Delayed Graft Function-Rate, Rejektionsrate und Transplantatfunktion und ist zu bevorzugen.