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129. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

24.04. - 27.04.2012, Berlin

Epiduraler Abszess: Eine seltene Komplikation nach epiduraler Steroidinjektion

Meeting Abstract

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  • Michael Knoop - HELIOS Klinikum Bad Saarow, Klinik für Neurochirurgie, Bad Saarow
  • Thomas-Nicolas Lehmann - HELIOS Klinikum Bad Saarow, Klinik für Neurochirurgie, Bad Saarow

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 129. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 24.-27.04.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12dgch086

DOI: 10.3205/12dgch086, URN: urn:nbn:de:0183-12dgch0862

Published: April 23, 2012

© 2012 Knoop et al.
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Einleitung: Epidurale Kortikosteroid-Injektionen stellen eine Form der konservativen Therapie von Rückenschmerzen dar. Diese Form der Therapie wird bei Patienten empfohlen, welche Zeichen und Symptome einer Nervenwurzelirritation haben. Die Inzidenz von spontanen epiduralen Abszessen im Bereich der Wirbelsäule in der Allgemeinbevölkerung beträgt zwischen 0,33 und 1,96 pro 10.000 Krankenhausaufnahmen im Jahr. Epidurale Abszesse sind eine selten berichtete Komplikation nach epiduraler Steroidinjektion im Rahmen der Behandlung radikulärer Schmerzen; die Inzidenz ist unbekannt. Eine Meta-Analyse von 915 Patienten mit epiduralen Abszessen zeigte einen Diabetes mellitus als einzigen und häufigsten Risikofaktor. Wir berichten über einen epiduralen Abszess ohne Meningitis nach drei epiduralen Kortikosteroid-Injektionen im Rahmen der Behandlung einer Lumboischialgie.

Material und Methoden: Ein 44-jähriger Mann entwickelt akute paravertebrale Schmerzen lumbosakral. Aus der Anamnese waren ein Diabetes mellitus sowie drei epidurale Kortikosteroid-Injektionen zur Behandlung einer Lumboischialgie bekannt. Sechs Wochen nach der dritten epiduralen Injektionen wurde der Patient wegen progredienter paravertebraler Schmerzen lumbosakral links sowie einer Beinschwäche links in das Krankenhaus eingewiesen. Die Laboruntersuchung zeigte keine Leukozytose, erhöht waren die Blutsenkungsgeschwindigkeit (70 mm/h) und das C- reaktives Protein (66.6 mg/l). Procalcitonin bot mit 0,06 ng/ml einen Normalwert. Das MRT der Lendenwirbelsäule nativ und mit Kontrastmittel zeigte einen epiduralen Abszess von LWK 4 bis SWK 1. Es erfolgte eine zweizeitige mikrochirurgische Dekompression des Spinalkanals und Entleerung des Abzesses; eine intravenöse kalkulierte Antibiose wurde begonnen. Bakteriologisch wurde Staphylococcus aureus nachgewiesen. Eine Woche nach der letzten Operation verließ der Patient ohne neurologische Defizite die Klinik.

Schlussfolgerung: Der berichtete Fall fügt sich zur spärlichen Literatur über epidurale Abszesse nach epiduraler Kortikosteroid-Injektion hinzu. Diese potentielle Komplikation muss bei Patienten mit einer epiduralen Kortikosteroid-Injektion und neuen neurologischen Symptomen oder Rückenschmerzen in die Differentialdiagnostik mit einbezogen werden; das MRT der Wirbelsäule ist die Diagnostik der 1. Wahl. Nur die zügige Diagnosestellung verhindert mögliche irreversible Folgeschäden für den Patienten.