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128. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

03.05. - 06.05.2011, München

Prävalenz und Mortalität der pulmonalen Herpes-Simplex-Virus Manifestation bei langzeitintubierten Patienten

Meeting Abstract

  • Ester Lauzana - Robert Bosch Krankenhaus, Abt. Allgemein-, Viszeral- und Unfallchirurgie, Stuttgart
  • Susanne Cox - Klinikum Ludwigsburg, Neurologie, Ludwigsburg
  • Uta Meyding-Lamadé - Nordwest Krankenhaus, Klinik für Neurologie, Frankfurt
  • Paul Schnitzler - Universitätsklinikum Heidelberg, Virologie, Heidelberg
  • Christoph Ulmer - Universitätsklinikum Heidelberg, Virologie, Heidelberg
  • Klaus-Peter Thon - Robert Bosch Krankenhaus, Abt. Allgemein-, Viszeral- und Unfallchirurgie, Stuttgart
  • Wolfram Lamadé - Robert Bosch Krankenhaus, Abt. Allgemein-, Viszeral- und Unfallchirurgie, Stuttgart

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 128. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. München, 03.-06.05.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dgch696

DOI: 10.3205/11dgch696, URN: urn:nbn:de:0183-11dgch6960

Published: May 20, 2011

© 2011 Lauzana et al.
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Einleitung: Pulmonale Infektionen sind eine der Hauptursachen für die hohe Mortalität beatmeter Patienten auf Intensivstationen. Tuxen et al. konnte bereits 1982 durch die bronchoalveoläre Lavage (BAL) bei ARDS-Patienten zu 30% einen positiven Herpes simplex Virus (HSV) Nachweis führen. Das Ziel der vorliegenden Studie war es, Inzidenz und Zeitpunkt des Auftretens einer HSV Infektion inklusive der Viruslast in den unteren Atemwegen bei langzeitintubierten Patienten einer chirurgischen Intensivstation zu untersuchen. Risikofaktoren für die Entstehung der HSV Positivität sollten identifiziert und Mortalität- und Todesursachen untersucht werden.

Material und Methoden: In der prospektiv kontrollierten Studie wurden 114 Patienten mit einer Beatmungsdauer von über 24 Stunden und 10 kurzzeitintubierte Patienten mit Hilfe einer quantitativen und qualitativen Polymerasekettenreaktion (PCR) auf HSV untersucht. Die Probengewinnung erfolgte durch die bronchoalveoläre Lavage.

Ergebnisse: Es konnten HSV positive BAL-Proben bei 45 (39,5%) der 114 langzeitintubierten Patienten gesehen werden, wobei nach 11 Tagen 54% positiv wurden. Nach 10 Tagen konnte der maximale Anstieg des Viruslastnachweises beobachtet werden. Bei den kurzzeitintubierten Patienten wurde kein HSV nachgewiesen (p=0,013). Prädiktiv für die HSV Manifestation waren die Art des operativen Eingriffs, führend dabei die kardiovaskulären mit 48,1% gefolgt von den gastrointestinalen Operationen mit 34,1%. Die Mortalität bei HSV positiven und HSV negativen Patienten zeigte einen signifikanten Unterschied von 57,8% zu 36,2% (p=0,034). 2/3 der HSV positiven Todesfälle waren auf eine respiratorische Insuffizienz oder ARDS zurückzuführen, hingegen war bei den Todesfällen der HSV negativen Patienten bei 2/3 die kardiale Ursache führend.

Schlussfolgerung: Der Nachweis von HSV im unteren Bronchialsystem ist von der Intubationsdauer abhängig und bei langzeitintubierten Patienten mit steigender Mortalität verbunden. Da die HSV Infektion gehäuft im Zusammenhang mit bakteriellen und mykotischen Infektionen auftritt, kann zur Zeit nicht entschieden werden, ob HSV lediglich ein guter Marker für eine schwere Infektion ist. Dies könnte durch eine Interventionsstudie mit einer prophylaktischen Gabe von Aciclovir geklärt werden.