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128. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

03.05. - 06.05.2011, München

Sinnhaftigkeit der digital rektalen Untersuchung in der Notaufnahme

Meeting Abstract

  • Julia Werner - Chirurgische Klinik und Poliklinik, Campus Innenstadt, Klinikum der Universität München, Notaufnahme, München
  • Marion Zock - Chirurgische Klinik und Poliklinik, Campus Innenstadt, Klinikum der Universität München, Notaufnahme, München
  • Philipe Khalil - Chirurgische Klinik und Poliklinik, Campus Innenstadt, Klinikum der Universität München, Notaufnahme, München
  • Karl-Georg Kanz - Chirurgische Klinik und Poliklinik, Campus Innenstadt, Klinikum der Universität München, Notaufnahme, München
  • Wolf Mutschler - Chirurgische Klinik und Poliklinik, Campus Innenstadt, Klinikum der Universität München, Notaufnahme, München

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 128. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. München, 03.-06.05.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dgch487

DOI: 10.3205/11dgch487, URN: urn:nbn:de:0183-11dgch4875

Published: May 20, 2011

© 2011 Werner et al.
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Einleitung: Bei der Verdachtsdiagnose Akutes Abdomen wird im Rahmen der körperlichen Untersuchung von Notfallpatienten die digital rektale Untersuchung in der Notaufnahme (DRUN) gefordert. Viele Lehrbücher halten eine klinische Untersuchung ohne DRUN für unvollständig. Sowohl Patienten als auch Ärzte empfinden diese Untersuchung als unangenehm, da der Arzt in die Intimsphäre des Patienten eindringt. Gerade Notaufnahmen bieten jedoch keine entsprechende Atmosphäre, um ein notwendiges Vertrauensverhältnis aufzubauen zu können. Ziel der Analyse ist es die Evidenz für eine DRUN mittels systematischer Literaturrecherche zu bewerten.

Material und Methoden: Anhand systematischer Literaturrecherche in Pubmed, Medline und manueller Recherche bewerteten wir relevante Veröffentlichungen im Zeitraum von Januar 1990 bis März 2010. Als Suchbegriffe wählten wir: „digital rectal examination“ in Verknüpfung mit „acute abdominal pain“, „acute abdomen“, „appendicitis“.

Aus den Rohdaten relevanter Veröffentlichungen extrahierten wir Ergebnisse in Vierfeldertafeln, um die zum Teil in den Studien fehlenden Werte zu vervollständigen (Tabelle 1 [Tab. 1]). Als Parameter für die Testgüte bestimmten wir insbesondere die Wahrscheinlichkeitsverhältnisse (likelihood ratios) mit den korrespondierenden 95%-Konfidenzintervallen.

Ergebnisse: Über die Notwendigkeit der DRUN divergieren die Ansichten vieler internationaler und nationaler Lehrbücher und die aktuell untersuchte Literatur beachtlich. Sechs Untersuchungen hinterfragen die Bedeutung der DRUN bei Akutem Abdomen bzw. Appendizitis. Darunter fallen fünf prospektive Studie und eine retrospektive Studie. In allen diesen Arbeiten ergab sich für die DRUN bei Akutem Abdomen kein diagnostischer Stellenwert (Tabelle 1 [Tab. 1]). In keinem der untersuchten Fälle hatte die DRUN eine relevante Auswirkung auf das weitere diagnostische und therapeutische Vorgehen.

Schlussfolgerung: Die Empfehlung für eine generelle digital rektale Untersuchung in der Notaufnahme bei Akutem Abdomen muss kritisch hinterfragt werden, für eine Sinnhafthaftigkeit der Maßnahme findet sich in der Literatur keine Evidenz. Unabhängig von diesen Ergebnissen besteht allerdings für die digital rektale Untersuchung eine eindeutige Indikation bei gezielten Fragestellungen und im Rahmen des Screenings nach Prostata- oder Rektumkarzinomen.