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128. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

03.05. - 06.05.2011, München

Senkt die subkutane Antibiotikumapplikation die Wundinfektionsrate in der laparoskopisch-assistierten kolorektalen Chirurgie? – Eine randomisierte, doppelblinde, placebo-kontrollierte Studie

Meeting Abstract

  • Julius Pochhammer - Marienhospital Stuttgart, Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie, Stuttgart
  • Steffi Zacheja - Marienhospital Stuttgart, Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie, Stuttgart
  • Michael Schäffer - Marienhospital Stuttgart, Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie, Stuttgart

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 128. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. München, 03.-06.05.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dgch130

DOI: 10.3205/11dgch130, URN: urn:nbn:de:0183-11dgch1303

Published: May 20, 2011

© 2011 Pochhammer et al.
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Einleitung: Subkutane Wundinfektionen der Minilaparotomie sind in der laparoskopisch-assistierten kolorektalen Chirurgie eine der häufigsten postoperativen Komplikationen. Für verschiedene chirurgische Eingriffe konnte gezeigt werden, dass die lokale Applikation von Antibiotika die Häufigkeit von Wundinfektionen reduziert. Folglich könnte eine subkutane Anwendung eines Gentamycin-Implantats auch zur Senkung der Infektionsrate in der laparoskopischen Chirurgie führen.

Material und Methoden: Wir führten eine randomisierte, doppel-blinde, placebo-kontrollierte Studie durch, um die Wirksamkeit einer subkutanen Gentamycin-Kollagen-Implantation hinsichtlich der Wundinfektionen nach laparoskopischer kolorektaler Chirurgie zu prüfen. Eingeschlossen wurden Patienten, die im Zeitraum 7/2008 bis 7/2010 eine laparoskopische Rechtshemikolektomie, Sigma- oder Rektumresektion erhielten. Der Verschluss der Minilaparotomie erfolgte in standardisierter Technik. In der Therapiegruppe 1 wurde ein Gentamycin-beschichteter Kollagenschwamm, in der Kontrollgruppe 2 ein unbeschichteter Kollagenschwamm, in der Placebogruppe 3 kein Schwamm subkutan implantiert. Eine Nachuntersuchung fand nach 30 Tagen statt, primärer Endpunkt war die sekundäre Wundheilung.

Ergebnisse: 292 Patienten wurden eingeschlossen, 100 Pat. mit Gentamycin, 94 Pat. mit Kollagen und 98 Pat. ohne Implantat behandelt. Die OP-Verfahren und postoperativen Verläufe waren in den Gruppen gleichverteilt. Nachuntersucht wurden 282 Pat. Eine offene Wundbehandlung war bei 33 Pat. (11,7%) erforderlich. Die Häufigkeiten der sekundären Wundheilung betrugen 9,6% in der Gruppe 1 und jeweils 12,8% in den Gruppen 2 und 3. Ein signifikanter Unterschied bestand nicht. Bei Patienten mit Rechtshemikolektomie (n=59) waren häufiger offene Wundbehandlungen erforderlich. Die Häufigkeiten betrugen 22,2% in der Gruppe 1, 33,3% resp. 45,0% in den Gruppen 2 bzw. 3 (Gruppe 1 vs. 3: p=0,13).

Schlussfolgerung: Die subkutane Implantation eines Gentamycin-beschichteten Kollagenschwammes erzielte keine statistisch signifikante Reduktion der Wundinfektionsraten nach laparoskopischer kolorektaler Chirurgie. Für die Subgruppe der Rechtshemikolektomien zeigte sich ein Trend zum Nutzen der Antibiotikaapplikation, so dass weitere klinische Studien in einem größeren Patientenkollektiv erforderlich sind.