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128. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

03.05. - 06.05.2011, München

Monoaxiale versus polyaxiale winkelstabile Plattenosteosynthese proximaler Humerusfrakturen: Radiologische Analyse einer prospektiv randomisierten Studie

Meeting Abstract

  • Ben Ockert - Klinikum der Universität München, Chirurgische Klinik und Poliklinik - Innenstadt, München
  • Volker Braunstein - Klinikum der Universität München, Chirurgische Klinik und Poliklinik - Innenstadt, München
  • Wolf Mutschler - Klinikum der Universität München, Chirurgische Klinik und Poliklinik - Innenstadt, München
  • Peter Biberthaler - Klinikum der Universität München, Chirurgische Klinik und Poliklinik - Innenstadt, München

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 128. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. München, 03.-06.05.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dgch110

DOI: 10.3205/11dgch110, URN: urn:nbn:de:0183-11dgch1103

Published: May 20, 2011

© 2011 Ockert et al.
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Einleitung: Die winkelstabile Plattenosteosynthese ist ein etabliertes Verfahren zur Versorgung dislozierter Frakturen des proximalen Humerus. Eine neue polyaxiale Schraubenfixierung bietet dem Operateur die Möglichkeit intraoperativ die Schraubenlage in einem Radius von 30° frei zu wählen und steht somit der monoaxialen Vierriegelungsform gegenüber. Ziel dieser Studie war es beide Fixierungsmethoden hinsichtlich radiologischer Zeichen der sekundären Dislokation zu vergleichen.

Material und Methoden: Zwischen 08/2006 und 07/2008 wurden Patienten mit dislozierter proximaler Humerusfraktur randomisiert einer Versorgung mit monoaxialer bzw. polyaxialer winkelstabiler Plattenosteosynthese zugeführt. Standardisierte Röntgenaufnahmen in zwei Ebenen (“true a.p.” und “outlet-view”) 1 Tag, 6 Wochen, 3 Monate und 6 Monate postoperativ wurden angefertigt und von zwei Radiologen unabhängig hinsichtlich sekundärer Varusdislokation und Schrauben-Cutout untersucht.

Ergebnisse: 66 konsekutive Patienten (48 Frauen, [72,7%]; 18 Männer, [27,3%]; mittleres Alter 67,7 Jahre [95% CI: 63,9-71,6]) mit dislozierter proximaler Humerusfraktur wurden in die Studie eingeschlossen und ausgewertet. 19 Patienten (29%) zeigten eine sekundäre Dislokation >10°. In 6 Fällen (9%), trat eine intraartikuläre Schraubenlage auf. Es zeigte sich kein Zusammenhang zwischen monoaxialer bzw. polyaxialer Schraubenverriegelung und dem Auftreten sekundärer Dislokation (monoaxial, 11/polyaxial, 8; p = 0,91) oder Schrauben-Cutout (monoaxial, 4/polyaxial, 2; p = 0,64). Der mittlere postoperative Kopf-Schaft-Winkel betrug in der Gruppe ohne sekundärer Dislokation 135,2° (CI: 132,3-138,1) gegenüber 126,7° (CI: 123,6-129,7) unter den Patienten mit sekundärer Dislokation von >10° oder Schrauben-Cutout (p < 0.001). Ein unmittelbar postoperativer Kopf-Schaft Winkel < 130° zeigte eine höheren Inzidenz der sekundären Varusdislokationen als ein unmittelbar postoperativer Kopf-Schaft Winkel > 130° (48%, n = 13 vs. 15%, n = 6, p = 0.004).

Schlussfolgerung: Die winkelstabile Plattenosteosynthese dislozierter proximaler Humerusfrakturen mit monoaxialer oder polyaxialer Schraubeninsertion führt in ca. 70% der Fälle zur Frakturheilung ohne sekundäre Dislokation oder Schrauben-Cutout. Radiologische Zeichen der sekundären Dislokation > 10° lassen sich bei monoaxialer und polyaxialer winkelstabiler Technik ähnlich häufig beobachten. Um eine sekundäre Varusdislokation zu vermeiden, scheint eine initiale Reposition des humeralen Kopf-Schaft Winkels >130° von entscheidender Bedeutung zu sein.