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127. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

20.04. - 23.04.2010, Berlin

Neues Osteosyntheseverfahren: Die dynamische Kopfverriegelungsschraube – DLS (Dynamic Locking Screw)

Meeting Abstract

  • Stefan Döbele - Klinikum rechts der Isar TU München, Unfallchirurgie, München, Deutschland
  • Stefan Eichhorn - Klinikum rechts der Isar der TUM, Orthopädie, München, Deutschland
  • Rudolf Koch - Synthes GmbH, Oberdorf, Deutschland
  • Martin Lucke - Klinikum rechts der Isar der TUM, Unfallchirurgie, München, Deutschland
  • Ulrich Stöckle - Klinikum rechte der Isar der TU München, Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, München, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 127. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 20.-23.04.2010. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. Doc10dgch577

DOI: 10.3205/10dgch577, URN: urn:nbn:de:0183-10dgch5772

Published: May 17, 2010

© 2010 Döbele et al.
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Text

Einleitung: Das Platten-Schrauben-Interface einer winkelstabilen Plattenosteosynthese ist sehr rigide. Alle bisherigen Techniken um eine winkelstabile Plattenosteosynthese „elastischer“ zu machen, wie das Weglassen der frakturnahen Schrauben ändern vor allem die Biegesteifigkeit. Dies hat zur Folge, dass eine Abnahme der Steifigkeit mit bisherigen Techniken vor allem die interfragmentäre Bewegung auf der Platten abgewandten Frakturseite erhöht, während eine Zunahme der Bewegung auf der Platten zugewandten Knochenseite nicht erfolgt.

Eine eigene retrospektive Untersuchung 35 distaler Tibiafrakturen AO 43 A1-3, zeigt in etwa 20% der Fälle plattennah eine verzögerte Knochenheilung. Als Ursache hierfür wird eine zu geringe Frakturbewegung plattennah gesehen.

Zur Lösung des genannten Problems wurde eine neue dynamische winkelstabile Kopfverriegelungsschraube (DLS) entwickelt.

Material und Methoden: Getestet wurden beide Schrauben locking screw (LS) vs. DLS. Gemessen wurden die interfragmentäre Bewegung sowie die axiale Steifigkeit. Die Messungen erfolgten am vereinfachten Frakturmodell, bestehend aus POM C und 11Loch LCP 3,5. Simuliert wurden Quer-, Schräg- und Spiralfrakturen. Von jedem Frakturtyp wurden n=6 Osteosynthesen gefertigt. Der Abstand der Platte zum Zylinder betrug 2mm, der Frakturspalt betrug jeweils 3mm. Die Erfassung der 3D-Frakturbewegung erfolgte mit dem optischen Messsystem PONTOS 5M der Firma GOM (Gesellschaft für optische Messtechnik). Es wurden passive Marker auf die Frakturmodelle aufgebracht. Jede der beiden CCD Kameras des Messsystems hat eine Auflösung von 2448x2048Pixel.

Ergebnisse: Die DLS vermindert die axiale Steifigkeit um etwa 26% und steigert die interfragmentäre Bewegung auf der Platten zugewandten Frakturseite von etwa 282µm (LS) auf etwa 423µm (DLS) bei einer axialen Belastung von 150N.

Schlussfolgerung: Die DLS vermindert die Steifigkeit des Platten-Schrauben-Interfaces und erhöht die interfragmentäre Bewegung plattennah ohne die Vorteile der Winkelstabilität zu ändern. Die Festigkeit der Osteosynthese bleibt gleich.

Erste Ergebnisse einer Tierstudie an Schafstibiae konnten bereits eine vermehrte Kallusbildung plattennah zeigen. Ab Oktober 2009 beginnt der humane Einsatz der DLS.

(Abbildung 1 [Abb. 1])