gms | German Medical Science

127. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

20.04. - 23.04.2010, Berlin

Welche Rolle spielt der Nervus vagus bei der Entstehung des postoperativen Ileus?

Meeting Abstract

  • Mario Müller - Klinikum Großhadern, Chirurgische Klinik und Poliklinik, Campus Grosshadern, München, Deutschland
  • Jörg Glatzle - Universitätsklinikum Tübingen, Klinik für Allgemeine, Visceral- und Transplantationschirurgie, Tübingen, Deutschland
  • Martina Karpitschka - Walter-Brendel-Institut, AG Darmphysiologie, München, Deutschland
  • Zhirong Gao - Walter-Brendel-Institut, AG Darmphysiologie, München, Deutschland
  • Michael Kasparek - Klinikum Großhadern, Chirurgische Klinik und Poliklinik, Campus Grosshadern, München, Deutschland
  • Martin Kreis - Ludwig-Maximilians-Universität (LMU), Chirurgische Klinik und Poliklinik, Campus Grosshadern, München, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 127. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 20.-23.04.2010. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. Doc10dgch542

DOI: 10.3205/10dgch542, URN: urn:nbn:de:0183-10dgch5427

Published: May 17, 2010

© 2010 Müller et al.
This is an Open Access article distributed under the terms of the Creative Commons Attribution License (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.en). You are free: to Share – to copy, distribute and transmit the work, provided the original author and source are credited.


Outline

Text

Einleitung: Der postoperative Ileus (POI) ist in der Entstehungsphase vor allem durch neuronale Pathomechanismen charakterisiert. Der Nervus vagus ist ein wichtiger Teil der gastrointestinalen Innervation. Ziel der vorliegenden Studie war es nun, die Auswirkungen einer Vagotomie in der Entstehungsphase des POI zu untersuchen

Material und Methoden: Nach subdiaphragmaler Vagotomie wurde der POI bei C57Bl6 Mäusen durch eine standardisierte Dünndarmmanipulation ausgelöst. Bei Kontrolltieren erfolgte nach Vagotomie eine Scheinoperation. 3 h nach Darmmanipulation erfolgte die Entnahme eines 2 cm langen Jejunalsegments. Anschließend wurde das Nervensignals aus einem nach proximal durchtrennten paravaskulären Mesenterialnerven elektrophysiologisch abgeleitet. Die Aktivität der Mesenterialnerven wurde nach Stimulation durch die Mediatoren Bradykinin (0,5 µM), Serotonin (500 µM) und Distension bis 60mmHg aufgezeichnet und als Mittelwerte ± SEM statistisch ausgewertet.

Ergebnisse: Die Ruhenervenfasernaktivität war in beiden Versuchgruppen gleich. Auch die Serotoningabe hatte, wie erwartet, keinen Effekt. Nach Bradykiningabe kam es beim POI zu einem nicht signifikanten Anstieg der Nervenaktivität von 13±3 impsec-1auf 20±4 impsec-1 (n=6). Rampendistension führte bei Ileustieren nach Vagotomie zu einem signifikanten Anstieg der Nervenfasernaktivität auf 83±9 impsec-1 bei hohen Distensionsdrücken (60mmHg) im Vergleich zu 47±12 impsec-1 in vagotomierten Kontrolltieren (n=6, P<0.05).

Schlussfolgerung: Bradykinin und hohe Distensionsdrücke werden vor allem durch spinale neuronale Elemente vermittelt. Die Vagotomie führt in der Initialphase des postoperativen Ileus zu einer Aktivierung dieser spinalen Nervenfasern, die über das Rückenmark in das ZNS projizieren. Die im klinischen Alltag vor allem zur postoperativen Schmerztherapie eingesetzte Periduralanästhesie setzt genau an diesem spinalen Übertragungsweg an und verhindert so häufig den POI.