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127. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

20.04. - 23.04.2010, Berlin

Lösliche Rezeptoren des Complement-Anaphylatoxins C5a – ein neuer Marker für Sepsis?

Meeting Abstract

  • Daniel Rittirsch - Universitätsspital Zürich, Unfallchirurgie, Zürich, Schweiz
  • Michael Flierl - Denver Health Medical Center, Orthopaedic Surgery, Denver, CO, USA
  • Guido Wanner - Universitätsspital Zürich, Unfallchirurgie, Zürich, Schweiz
  • Clement Werner - Universitätsspital Zürich, Unfallchirurgie, Zürich, Schweiz
  • Hans-Peter Simmen - Universitätsspital Zürich, Unfallchirurgie, Zürich, Schweiz
  • Peter Ward - University of Michigan, Pathology, Ann Arbor, MI, USA
  • Markus Huber-Lang - Universitätsklinikum Ulm, Unfallchirurgie, Ulm, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 127. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 20.-23.04.2010. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. Doc10dgch538

DOI: 10.3205/10dgch538, URN: urn:nbn:de:0183-10dgch5381

Published: May 17, 2010

© 2010 Rittirsch et al.
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Text

Einleitung: Das Krankheitsbild der Sepsis ist trotz intensiver Forschung mit einer hohen Letalitätsrate behaftet und stellt ein grosses Problem der modernen Chirurgie dar. Die unkontrollierte Aktivierung des Complementsystems während Sepsis führt zur überschüssigen Bildung des Anaphylatoxins C5a und in Folge zur Funktionsbeeinträchtigung der neutrophilen Granulozyten (PMN). Dabei kommt es zu einem Verlust der C5a-Rezeptoren (C5aR) auf PMN, was mit der Entwicklung eines Mehrorganversagens einhergeht. In dieser Studie wurden die Ursache und Mechanismen des Verlustes von C5aR während Sepsis untersucht.

Material und Methoden: Zur Detektierung von C5aR im Plasma nach experimenteller Sepsis (Caecum-Ligatur und -Punktion [CLP] in Mäusen und Ratten; E.coli-induzierte Sepsis in Primaten), im Serum von Patienten mit septischem Schock (n=26) und im Überstand nach in vitro Inkubation von PMN wurden diverse Methoden basierend auf Western Blotting, Durchflusszytometrie und ELISA entwickelt.

Ergebnisse: In experimenteller Sepsis konnte im Plasma eine lösliche Form von C5aR detektiert werden, dessen Konzentration zeitabhängig anstieg und nach einem „Peak“ wieder auf Ausgangwerte zurückging. Dabei zeigte sich der C5aR-Anstieg im Zeitverlauf früher als der seines Liganden C5a. Die löslichen C5aR wurden als Mikrovesikel von PMN freigesetzt (Co-Expression von CD66e, jedoch nicht von CD14). Durch in vitro Inkubation von PMN mit C5a und C-reaktivem Protein (CRP) konnte eine Sekretion von C5aR durch Ausknospung von Membranvesikeln induziert werden (dargestellt durch Elektronenmikroskopie). Bei Patienten mit beginnendem septischen Schock zeigte sich ein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen der Konzentrationen der löslichen C5aR im Serum und dem „Outcome“ (hohe C5aR-Konzentrationen waren mit einem letalen Ausgang assoziiert).

Schlussfolgerung: Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass C5aR während Sepsis in Form vom Mikrovesikeln von PMN freigesetzt wird. Interessanterweise korreliert die Konzentration der löslichen C5aR mit dem Schweregrad und klinischen Verlauf (Letalität), so dass in Zukunft die Bestimmung von löslichen C5aR im Sinne eines „Bedside“-Tests als diagnostischer und prognostischer Marker bei Sepsis herangezogen werden könnte.